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Interna
32
Heftnummer
 
  TU Spektrum  
   
Prominente diskutierten über Europas Zukunft

Neue Europa-Studiengänge der TUChemnitz starteten mit fünfteiliger Vortragsreihe
   

(AF) Europa wächst zusammen – und in Sachsen mehren sich die Vorurteile insbesondere gegenüber der Osterweiterung der Europäischen Union. Einer aktuellen Emnid-Umfrage zufolge sprechen sich nur noch 18 Prozent der Bevölkerung vorbehaltlos für eine EU-Osterweiterung aus, 42 Prozent sind dagegen. Diese „ernüchternden und schon etwas beunruhigenden Ergebnisse“ stellten Parlament und Regierung vor neue Aufgaben, mahnte der sächsische Landtagspräsident Erich Iltgen (CDU) in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit.


  Drei Wochen später referierte der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichtes Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier über die „Grundrechte-Charta und eine Europäische Verfassungsgebung“. Um das Verhältnis zu Tschechien ging es in den weiteren Vorträgen des Novembers. Ob sich Deutsche und Tschechen als Mitbewohner, Nachbarn oder eher als Konkurrenten sehen, erörterte der Marburger Europa-Kenner Prof. Dr. Hans Lemberg. Seine persönliche Sicht zur EU-Osterweiterung lieferte der Ex-Botschafter der Tschechischen Republik in Berlin, Frantisek Cerny´. Den Schlusspunkt setzte der tschechische Schriftsteller Pavel Kohout mit seiner Analyse über „Die Tschechen und die Deutschen zwischen Vergangenheit und Zukunft“.

Mehr politische Unterstützung notwendig

In seiner Eröffnungsrede betonte Prof. Grünthal die besondere Bedeutung der Studierenden im „Dialog der Kulturen“: „Wir müssen die junge Generation für unsere Ideen eines friedlichen Europas gewinnen – und mit diesem Ziel vor Augen scheint das, was wir an der TU Chemnitz auf den Weg zu bringen versuchen, nicht schlecht zu sein.“ Jedoch mangelt es dabei noch an der Unterstützung seitens der Politik. Zwar stellt ein deutsch-tschechischer Zukunftsfond seit 1997 rund 140 Millionen Mark und 440 Millionen Kronen zur Finanzierung verschiedener Projekte zur Verfügung, die von der Altenfürsorge über Denkmalpflege bis hin zu grenz-überschreitenden wissenschaftlichen und ökologischen Vorhaben reichen – allerdings wurde die Anfrage der Chemnitzer Uni nach Stipendien für tschechische Studierende eines Europa-Studiengangs noch nicht einmal beantwortet, kritisierte der Rektor. Unter vier Augen sicherte der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf seine Unterstützung zu.

Mit vier Stipendien ins erste Semester

Trotz allem stehen Jahres-Stipendien gleich für vier tschechische Studierende der Europa-Studiengänge bereit. Sie wurden vom „Industrieverein Sachsen 1828 e.V.“ gestiftet, andere Unternehmen der Region haben bereits ihre Unterstützung für weitere Stipendien und Praktikumsplätze zugesagt. Martin Vrátník ist der erste tschechische Student, der sein Stipendium in den Händen halten und stolz dem Auditorium präsentieren konnte. In Anwesenheit hochrangiger Vertreter der Westböhmischen Universität aus Pilsen und der rumänischen Babes-Bolyai-Universität aus Cluj-Napoca wurde dieses erste Stipendium feierlich von Uni-Rektor Prof. Dr. Günther Grünthal überreicht. Über zwei Semester stehen Vrátník, der im Studentenwohnheim eingezogen ist, nun jeden Monat 800 Mark zur Verfügung. Aus seiner Sicht sei der Start des neuen Europa-Studiums gelungen: „Ich bin zu 99 Prozent zufrieden.“

 

Für den tschechischen Studenten Martin Vrátník begann das erste Semester der „Europa-Studien/European Studies“ im Lichte der Öffentlichkeit:Im übervollen Hörsaal 114 überreichte ihm Uni-Rektor Prof. Dr. Günther Grünthal das erste Stipendium für die neuen Chemnitzer Bachelor-Studiengänge.

Foto:Ulf Dahl

 

Von der Technischen Universität Chemnitz dürften die politischen Bestrebungen für ein neues Europa Rückenwind erhalten: Vom Beginn dieses Wintersemesters an werden hier zukünftige Europa-Experten in drei Schwerpunktgebieten ausgebildet – einem sozial-, kultur- und wirtschaftswissenschaftlichen. In den Bachelor-Studiengängen „Europa-Studien / European Studies“ können Studierende die speziellen Kenntnisse über Ost- und Mitteleuropa erwerben, die im Zuge einer europäischen Integration benötigt werden. „Es wird eine dauerhafte europäische Identitätsstiftung nur dann gelingen, wenn Europa sich nicht nur über einen Wirtschaftsverbund definiert, sondern sich zugleich der Bedeutung seiner historisch gewachsenen kulturellen Werte erinnert“, so Uni-Rektor Prof. Dr. Günther Grünthal zur Bedeutung des einzigartigen Chemnitzer Studienangebotes. Der große Zuspruch gibt diesem Anliegen Recht: Gleich im ersten Semester haben sich 93 Studierende eingeschrieben – darunter zehn nichtdeutsche Europäer: Tschechen, Polen, Bulgaren und sogar fünf Italiener.

Zum Start der drei Studiengänge wurde eine Vortragsreihe zum Thema „Zukunft Europa: Traditionen – Realitäten – Visionen“ veranstaltet, in der mehrere prominente Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Kultur an der TU Chemnitz zu Wort kamen. Als erster hochrangiger Referent sprach der sächsische Ministerpräsident Prof. Dr. Kurt Biedenkopf am 17. Oktober 2001 über „Sachsen im neuen Europa“.

 
   
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