|
(AF) Europa wächst zusammen und in Sachsen mehren sich die
Vorurteile insbesondere gegenüber der Osterweiterung der Europäischen
Union. Einer aktuellen Emnid-Umfrage zufolge sprechen sich nur noch 18
Prozent der Bevölkerung vorbehaltlos für eine EU-Osterweiterung
aus, 42 Prozent sind dagegen. Diese ernüchternden und schon
etwas beunruhigenden Ergebnisse stellten Parlament und Regierung
vor neue Aufgaben, mahnte der sächsische Landtagspräsident Erich
Iltgen (CDU) in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit.
|
Drei Wochen später referierte
der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichtes Prof. Dr. Hans-Jürgen
Papier über die Grundrechte-Charta und eine Europäische
Verfassungsgebung. Um das Verhältnis zu Tschechien ging es in
den weiteren Vorträgen des Novembers. Ob sich Deutsche und Tschechen
als Mitbewohner, Nachbarn oder eher als Konkurrenten sehen, erörterte
der Marburger Europa-Kenner Prof. Dr. Hans Lemberg. Seine persönliche
Sicht zur EU-Osterweiterung lieferte der Ex-Botschafter der Tschechischen
Republik in Berlin, Frantisek Cerny´. Den Schlusspunkt setzte der
tschechische Schriftsteller Pavel Kohout mit seiner Analyse über Die
Tschechen und die Deutschen zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Mehr politische Unterstützung notwendig
In seiner Eröffnungsrede betonte Prof. Grünthal die besondere
Bedeutung der Studierenden im Dialog der Kulturen: Wir
müssen die junge Generation für unsere Ideen eines friedlichen
Europas gewinnen und mit diesem Ziel vor Augen scheint das, was
wir an der TU Chemnitz auf den Weg zu bringen versuchen, nicht schlecht
zu sein. Jedoch mangelt es dabei noch an der Unterstützung
seitens der Politik. Zwar stellt ein deutsch-tschechischer Zukunftsfond
seit 1997 rund 140 Millionen Mark und 440 Millionen Kronen zur Finanzierung
verschiedener Projekte zur Verfügung, die von der Altenfürsorge
über Denkmalpflege bis hin zu grenz-überschreitenden wissenschaftlichen
und ökologischen Vorhaben reichen allerdings wurde die Anfrage
der Chemnitzer Uni nach Stipendien für tschechische Studierende eines
Europa-Studiengangs noch nicht einmal beantwortet, kritisierte der Rektor.
Unter vier Augen sicherte der sächsische Ministerpräsident Kurt
Biedenkopf seine Unterstützung zu.
Mit vier Stipendien ins erste Semester
Trotz allem stehen Jahres-Stipendien gleich für vier tschechische
Studierende der Europa-Studiengänge bereit. Sie wurden vom Industrieverein
Sachsen 1828 e.V. gestiftet, andere Unternehmen der Region haben
bereits ihre Unterstützung für weitere Stipendien und Praktikumsplätze
zugesagt. Martin Vrátník ist der erste tschechische Student,
der sein Stipendium in den Händen halten und stolz dem Auditorium
präsentieren konnte. In Anwesenheit hochrangiger Vertreter der Westböhmischen
Universität aus Pilsen und der rumänischen Babes-Bolyai-Universität
aus Cluj-Napoca wurde dieses erste Stipendium feierlich von Uni-Rektor
Prof. Dr. Günther Grünthal überreicht. Über zwei Semester
stehen Vrátník, der im Studentenwohnheim eingezogen ist,
nun jeden Monat 800 Mark zur Verfügung. Aus seiner Sicht sei der
Start des neuen Europa-Studiums gelungen: Ich bin zu 99 Prozent
zufrieden.
|