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| Wie
ein Hurrikan, der auf die Küste zurast |
| Die
deutsche Bevölkerung schrumpft: Im Osten bemühen
sich bald zwei Männer um eine Frau |
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(AF) Deutschland
verliert seine Einwohner. Um dieser Vision zu begegnen,
müsste im Durchschnitt jede deutsche Frau mindestens
zwei Kinder zur Welt bringen, damit das heutige Niveau
von etwa 82 Millionen Einwohnern gehalten werden kann
praktisch aber tut sie es nicht. Während die
Westfrau im Schnitt nur 1,4 Kinder gebiert, erblickt im
Osten derzeit nur ein Kind pro Frau das Licht der Welt.
Auf den Punkt gebracht heißt das: Die junge Generation
schmilzt dramatisch zusammen in den alten Ländern
um ein Drittel und in den neuen sogar um die Hälfte.
Noch acht Jahre etwa wird es dauern, bis die Auswirkungen
dieses Bevölkerungsrückgangs auch an den Universitäten
spürbar werden. Woche für Woche reist der Chemnitzer
Soziologe Prof. Dr. Bernhard Nauck quer durch Deutschland
und wird nicht müde dabei, Parteien und Verbände
auf die drohenden Konsequenzen hinzuweisen, die bislang
oft übersehen wurden. Nicht nur, dass Kindergärten,
Schulen und vielleicht auch bald Unis geschlossen werden
müssen, auch im ganz privaten Bereich droht die Schieflage.
Was da auf uns zukommt, ist wie ein Hurrikan, der
auf die Küste zurast, so Nauck, der als einziger
ostdeutscher Professor dem Vorstand der neu gegründeten
Deutschen Gesellschaft für Demographie
angehört. Und besonders die Männerwelt wird
von den bevorstehenden Stürmen mächtig getroffen:
Es ist wissenschaftlich belegt, dass ein Schrumpfen der
Bevölkerung einen wachsenden Männerüberschuss
zur Folge hat. Dies ergibt sich zum einen aus der Tatsache,
dass Männer in aller Regel jüngere Partnerinnen
suchen und so die Auswahl an sich schon kleiner ausfällt
als umgekehrt. Zum anderen werden seit Beginn des 20.
Jahrhunderts tatsächlich mehr Jungen als Mädchen
geboren auf 105 kleine Adams kommen statistisch
nur 95 Evas.
In Ostdeutschland wird sich dieser Frauenmangel noch weiter
verschärfen. Der Grund ist, dass im Durchschnitt
doppelt so viele junge Frauen in den Westen abwandern
als Männer. Für den ostdeutschen Mann sieht
die Zukunft auf dem Heiratsmarkt also zunehmend trübe
aus, befürchtet Prof. Dr. Bernhard Nauck: In
sechs bis sieben Jahren werden sich im Osten zwei Männer
um eine Frau bemühen müssen, das ist sicher.
Besonders diejenigen, die eher unterdurchschnittlich ausgebildet
in schlecht bezahlten Jobs ihren Lebensunterhalt bestreiten,
dürften auf die Verliererstraße geraten, denn
wenn Frau die Wahl hat, wird sie sich für die finanziell
lukrativeren Partien entscheiden. Was daraus folgt, bleibt
bislang nur düstere Spekulation: Droht damit mehr
Gruppenkriminalität und Gewaltbereitschaft gegenüber
Minderheiten? Es bleibt abzuwarten.
Was die Situation hierzulande ohnehin dramatisch macht:
In Deutschland leben so viele kinderlose Frauen wie in
keinem anderen Land der Welt. Rund 30 Prozent der Mitdreißigerinnen
haben noch keinen eigenen Nachwuchs, und da nehmen sich
Ost und |
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West nicht mehr viel.
Vor der Wende lag diese Quote auf dem Gebiet der DDR noch
bei unter zehn Prozent. Die gesellschaftlichen Auswirkungen
ergeben sich nahezu von selbst: Deutschland überaltert,
die klassischen Sicherungssysteme funktionieren nicht
mehr, weil immer weniger Junge immer mehr Altersrenten
finanzieren müssen. Die private Vorsorge für
den Lebensabend wird die staatliche Vollversorgung ablösen
und eine sich verschärfende Armuts- und Reichtumsdiskussion
in Gang setzen. Was also ist zu tun, damit das Schlimmste
vielleicht doch noch abgewendet werden kann?
Mehr Migration und eine stärkere staatliche Familienförderung
heißen mögliche Rezepte, um Deutschland vor
einem weiteren Zusammenschrumpfen zu bewahren. Die Zuwanderung
zu fördern ist nach Ansicht Prof. Naucks die einzige
Lösung, um schon heute zu positiven Ergebnissen zu
kommen aber sie gestaltet sich in zweierlei Hinsicht
als schwierig:
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Zum
einen ist Deutschland auf Migrantenströme nicht vorbereitet,
da es bis heute ein überwiegend monokulturell organisiertes
Land ist. Anders als die Niederlande oder Frankreich etwa.
Zum anderen leidet ganz Europa unter dem Problem des Bevölkerungsknicks
allen voran Spanien und Italien, aber auch in Osteuropa
sind die Geburten in der letzten Dekade dramatisch zurückgegangen
so dass Menschen aus entfernteren Ländern
nach Europa gelockt werden müssten. Zudem ist es
notwendig, junge Paare wieder zu motivieren, mehr Kinder
in die Welt zu setzen. Auch hierbei böten sich zwei
Wege an. Als den schlechteren erachtet Prof. Nauck die
Idee der Berufsmutter, für die sich Kinderkriegen
finanziell wieder lohnen soll. |
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Weil
das nur wenigen Frauen helfen würde und sich aller
Voraussicht nach die eher unterdurchschnittlich Gebildeten
in eine solche Mutterrolle fügen würden, ist
dies nicht die Lösung. Dagegen käme ein Ausbau
der Infrastruktur zur Kinderbetreuung allen Frauen entgegen.
Nur ein flächendeckendes und überaus flexibles
und verlässliches System von Kindergärten im
großen Stil lässt auch berufstätige Frauen
an Nachwuchs denken.
Dieses sozial gesteuerte System wäre allerdings sehr
teuer und der Effekt ein langfristiger. Die Geburtenrate
lässt sich natürlich von heute auf morgen nicht
so schnell erhöhen. Das ist wie staatliches Forsten,
das braucht seine Zeit, so der Chemnitzer Soziologe.
Sechzig Jahre mindestens. |
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Es werden viele Jahrzehnte vergehen müssen, bis sich
die schlechten Geburtenzahlen von heute wieder ausgewachsen
haben.
Grafik: Karla Bauer |
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