AG Senior Citizen Board






Senior Citizen Story Board

Familie und Leben

 

 

Das Häuschen meiner Großmutter

Irma Ahopelto

Laihia, Finnland

 

Ich habe das Häuschen meiner Großmutter gesehen.

 

Die Zeit blieb stehen

als ich seine Geschichte hörte;

ich dachte, mein Herz würde brechen.

 

In dem Häuschen meiner Großmutter

war das Leben voller Tränen,

in den Herzen unterdrückte Gefühle.

 

Goldene Erinnerungen

an den Charme der alten Zeit,

so erscheint das Häuschen heute.

In schwierigen Zeiten – sie liegen lange zurück, lebten sie liebevoll miteinander.

 

Sturm und Regen trotzend

- reich an Armut, voll von Liebe -

ist das Häuschen der Großmutter

ein Palast in meiner Welt.

 

Mummoni mökki

Irma Ahopelto

Laihia, Finland

 

Olen nähnyt mummoni mökin

Pysähtynyt on aika sen,

minä tunteista pakahdun,

kun siitä kerrottavan kuulen

 

Oli siellä paljon kyyneleitä

Ahdistetussa sydämessä

Elettynä elon päivinä

 

Nyt heiluttaa tuuli mummontupaa

Sitä ajan hammas syö

Muistot siitä ajasta kertoo

Joka ollut on, silloin kauan sitten.

 

Siellä pieni käsi puristui - toiseen

pieneen käteen, kun vaikeata oli.

 

Mummoni mökki, joka ollut on

köyhyydessäänkin rikas ja rakkaudessaan runsas on palatsi minun maailmassani.

 

 

Hintergrundinformationen:

 

Das Gedicht „Das  Häuschen meiner Großmutter“ erzählt von jener Zeit, als einige Menschen sehr arm und andere reich waren. Die Armen - Cottagebewohner genannt – lebten in kleinen Landhäusern. Sie besaßen kein eigenes Land, die meisten von ihnen arbeiteten für die Reichen. Die Häuschen waren winzig aber sauber – die Cottagebewohner halfen sich, hatten sich einander gern und vertrauten sich.

Auffallend ist, dass - obwohl die Familie arm war – sie elektrisches Licht in ihrem Häuschen hatte. Eine Erklärung dafür ist die Tätigkeit meines Großvaters in einer Elektrizitätsfirma und so war er es, der das Licht „brachte“. Meine Großeltern hatten viele Kinder und Elektrizität machte das Leben leichter. Als Kind besuchte ich meine Großmutter öfters. Ich kann mich an viele Situationen und Dinge erinnern, doch meine Mutter - was war sie doch für eine gute Geschichtenerzählerin – erzählte in ihrer lebhaften Art Geschichten über das Häuschen und das Leben darin. Sie erzählte vom Großvater, der am Türkischen Krieg teilgenommen hatte, und von ihrer Großmutter, die leider später erblindete (als Folge einer nicht erfolgreichen Augenoperation). Die Geschichte, die ich schrieb besteht mehr aus Gefühlen als aus Worten.
 


Taustaa runolleni:

 

Runoni ”Mummoni mökki”, joka on myös runokirjassani, olen kirjoittanut siitä ajasta, jolloin on ollut köyhien ihmisten luokka - ”mökkiläiset”. He omistivat mökin ja kävivät töissä taloissa - päi-vätöissä pelloilla. Mökit olivat pieniä, mutta siistejä. Ja ihmiset olivat toisilleen läheisiä – oli keski-näistä auttamisen halua ja rakkautta. Mikä minusta on ihmeellistä – mummon mökissä oli jo sähkö-valot. Selitys sille oli,

että paappa oli työssä sähkölinjalla. Mummolla ja paapalla oli paljon lapsia; kun lampussa oli valo, oli helpompi hoivata lapsia, tarvittaessa yölläkin. Mummon  olle
ssa  vanha hän asui tyttärensä taloudessa; näimme hänet monasti kyläillessämme siellä lapsena. Mummo oli sokea, epäonnistuneen silmäleikkauksen seurauksena. Paappa oli kuollut aiemmin – hän oli aika-naan osallistunut Turkin sotaan, silloin, kun Suomi oli Venäjän vallan alla – kauan sitten. Äitini osasi kuvailla kaiken niin, että runooni tuli tunnetta. Mutta kaikkea ei kuitenkaan voi sanoin kuvail-la.






 



 

Meine Großeltern

Gerhard Reimann

Chemnitz, Deutschland

 

Zuschrift zur Geschichte „Das Häuschen meiner Großmutter“

 

Diese Erzählung erinnert mich auf sehr herzliche Weise an meine Großeltern, die ich als strenge und gutherzige Oma und Opa in Erinnerung habe.

Ich wurde 1939 als das erste von drei Kindern geboren. Wir lebten ohne unseren Vater in einem Dorf, das etwa 12 km vom Ort des großelterlichen Hauses entfernt war. Ich erinnere mich nicht wie es unserer Mutter in den Kriegsjahren möglich war, diese Entfernung mit uns drei kleinen Kindern zurückzulegen, doch ich weiß, dass wir öfters die Eltern meiner Mutter besuchten. Sie lebten in einer Doppelhaushälfte mit Garten und Ställen für Haustiere. Es war ein Paradies für uns Kinder im Vorschulalter.

Nur eine Zeremonie ist klar in meinem Gedächtnis: die Mittagsmahlzeit. Die Oma gab das Zeichen für das Platznehmen am

Tisch und der Opa übernahm seine Aufgabe als strenger Beobachter dieses Vorganges. Jeder von uns begangene Fehler wie z. B. schlechte Sitzhaltung, Sprechen bei Tisch, Ablehnung der Hauptspeise aber Griff nach dem Früchtekompott oder vorzeitiges Verlassen des Tisches trug zur Ermittlung des Strafmasses bei. Und was fürchteten wir am meisten? – Es war dies, dem Ziegenbock für einige Zeit im Stall Gesellschaft leisten.

Mit dem Ende des Krieges vergrößerte sich die Entfernung zwischen unserer Familie und den Großeltern auf 600 km. Sie lebten im Westen und wir fanden ein Zuhause im Osten. Als unser Großvater im Rentenalter, war besuchte er uns gelegentlich. Wenn wir bei einem Glas Wein zusammen saßen, dann war sein häufigster Trinkspruch: „Lasst uns wieder Freunde sein“: Dieser Spruch wurde von einem gutherzigen Schmunzeln begleitet.

Im Jahre 2002, als ich im Rentenalter war, unternahm ich mit meinem Freund Hans Brühl, der auch zu den Geschichtenschreibern gehört, eine Radtour, um zum ersten Male nach 1946 das Zuhause meiner Kindheit zu besuchen. Es wurde eine 8-taegige Fahrt durch weite Teile Schlesiens in Polen. Unsere Reise war gut vorbereitet und so fanden wir die Wohnstätten. Das Paradies des kleinen Kindes stellte sich als Häuschen mit wenigen engen Zimmern und mit einem Garten - längst nicht so groß  wie erwartet – heraus und Großeltern gab es auch nicht mehr. War es nun eine gute Idee, zu den Wurzeln der Kindheit zurückzukehren? Ich entschied mich, diese jüngsten Eindrücke zu unterdrücken und die Erinnerung an meine strengen, aber auch gutherzigen Oma und Opa zu bewahren.

Andererseits trafen wir polnische Familien, die uns willkommen hießen, uns Kaffee anboten und die bereit waren, über die Ereignisse der Vergangenheit zu sprechen.

Nach freundschaftlichen Aufenthalten von etwa einer Stunde verabschiedeten wir uns mit Händedruck und setzten unsere Radtour fort. Ohne Zweifel, ich kehrte mit einer neuen Erfahrung zurück.


 

My Grandparents

Gerhard Reimann

Chemnitz, Germany

 

Comment to the story “The Cottage of My Grandmother”

 

This story reminds me in a very warm way to my grandparents who I have in my mind as the severe and as the kind-hearted grandma and grandpa.

I was born in 1939 as the first of a series of three children. We lived without our father in a village about 12 km far away from the location of the grandparents’ house. I do not remember how it was possible for our mother in the years of the war to cover this distance with the three small children but I know we often visited the parents of my mother. They lived in a semi-detached house including garden and sheds for the domestic animals. What a paradise for us three in the nursery school age.

Only one ceremony is clear in my remembrance: lunch time. The grandma gave the signal for coming to the table and the grandpa started his duty as the severe

watcher. Any mistakes we did (e.g., sitting not in the right position, speaking, refusing the main meal but touching the fruit, wanting to leave the table too early) was registered and contributed to the degree of punishment. And what of we were afraid? – To stay for a while with the he-goat in its shed!

 

At the end of the war the distance between our family and the grandparents increased to 600 km. They lived in the west and we found a home in the east. Our grandfather in the retiring age visited us from time to time. Sitting together and having a glass of wine his mostly spoken toast was: “Let’s be friends again!” His speaking was accompanied by his kind-hearted smiling.

 

In 2002 being myself a pensioner I undertook a cycle tour by stages together with my friend Hans Bruehl who is a member in the story writing board in order to visit for the first time after 1946 the home of my childhood. It became a tour through large parts of Silesia in Poland lasting eight days. We found the places of residence. The paradise of the young child is a small house with a few small rooms, the garden smaller than expected and, of course, no grandparents. Was it a good idea to go back to the roots of the childhood? My conclusion is to suppress the latest impression and to maintain the remembrance of my severe and kind-hearted grandma and grandpa.

 

On the other hand we met Polish families, which welcomed us, offered us a cup of coffee and were ready to discuss events of the history. After a friendly stay of about an hour or so we said good bye and shook hands and continued our cycle tour. No doubt I

returned with a new experience.


 


 

Irland und Finnland

Sheila Leggett

Belfast/Nordirland

 

Sie kam --- wir sahen --- sie siegte!

Unsere bezaubernde junge Schwägerin sollte unsere ruhige  Lebensweise auf dem Lande ins Wackeln bringen. Wir lebten in einer kleinen Stadt in Irland, in der nichts besonderes passierte --- das heißt, bis zu dem Zeitpunkt als Pirjo daher kam.

Einer meiner jüngeren Brüder studierte in London und dort lernten sie sich kennen. Sie war eine finnische Studentin, die für ein Jahr dort arbeitete, um die englische Sprache zu vervollkommnen. Sie war 19, er war 20 und es war Liebe auf den ersten Blick. Während des Essens im Restaurant auf dem Dach des Telekom -Towers, einen romantischen Augenblick ausnutzend, schlug er ihr die Heirat vor. Sie telefonierten umgehend nach Hause, um ihre wunderbaren Neuigkeiten mitzuteilen. Wir dachten, jetzt sind sie übergeschnappt. 

Der Gedanke, ihren Sohn an ein fremdes Land zu verlieren, ließ Mutter weinen. Sie sagte nur: „Er ist noch so jung!“ Meine Schwester meinte zustimmend: „Er weiß noch nicht, was er will“. Vater, der immer weise reagiert, fügte hinzu: „Gebt ihnen Zeit, sie werden es sich noch überlegen“. Doch Mutter ließ sich nicht trösten. “Er hat keinen Verstand“ rief sie. „Was wissen wir über Finnland? Liegt das nicht bei Russland? Er spricht diese Sprache nicht. Ich werde ihn nie wiedersehen. Was wird aus ihm werden?“ Nach kurzer Pause: „Nur beten kann helfen. Wir wollen Tag und Nacht beten, damit er wieder zu Sinnen kommt. Wir werden den Himmel in Bewegung setzen.“

Die Nachricht über die jugendliche Romanze wurde in Finnland nicht besser aufgenommen. Pirjo wurde sofort nach Hause gerufen, doch sie konnte ihre Eltern überreden und  kam schließlich zurück – zu meinen Eltern nach Aughnacloy. Wir

hielten den Atem an. Niemand von uns wurde, ermutigt jung zu heiraten, immer wurde an die Pflichten gegenüber der Familie erinnert. Was würde nun passieren? Würde Mutter den angekündigten Nervenzusammenbruch erleiden? Seltsam, wir konnten es nicht erwarten, diese Intrigantin zu treffen. Ich beschloss, sie zu retten und sie erforderlichenfalls vom elterlichen Zorn zu bewahren.

Wir mussten nicht besorgt sein. Die schöne Blondine gewann schnell unsere Herzen. Ihr Englisch war gut, wenn auch mit starken Akzent. Die Leute aus dem Ort wollten sie gern hören – so sehr, dass Mutter sich schützend vor sie stellte und sie unter ihre Fittiche nahm. Sie selbst gewann unsere Eltern, indem sie ihnen von der großen Liebe zu ihrem Sohn erzählte. Wir waren neidisch auf die Dinge, die sie ihnen erzählte. Ganz nach Prinz Charles Ausspruch „Was immer Liebe ist“, die Kinderliebe unserer Eltern hielt sich in Grenzen. Pirjo suchte sich Arbeit in Belfast und blieb bei uns. Sie sagten zu, mit der Heirat noch ein Jahr zu warten. Sie entwarf Modelle für Jaffa Pelze. Obgleich die Anti-Pelz-Campagne begann, verdiente sie gutes Geld. Ich glaube, sie konnte selbst Schnee den Eskimos verkaufen.

Sie heirateten wie versprochen. Ihre Eltern kamen zur Hochzeit und brachten die Aussteuer mit. Sie gingen nach Finnland und mein Bruder sprach schnell fließend finnisch. 35 Jahre später haben sie zwei Kinder und sind ganz zu unserer Freude noch immer glücklich verheiratet. Wir besuchen sie öfters und haben das Land, die Seen und ihr Sommerhäuschen lieben gelernt, selbst Eis und Schnee erfreuen uns. Pirjo brachte Leben und Glanz in unsere Familie. Wie ich anfangs feststellte: „Sie kam – wir sahen – sie siegte!
 



 

Ireland and Finland

Sheila Leggett

Belfast/Northern Ireland

 

She came --- we saw --- she conquered!

Our glamorous young sister-in-law to-be rocked our quiet rural lifestyle. We lived in a small town in Ireland where nothing extraordinary happened --- that is, until Pirjo came along.

One of my younger brothers was studying in London and it was there they met. She was a Finnish student working for a year while perfecting her English. She was nineteen – he was twenty and it was love at first sight. In a romantic moment, while dining in the restaurant at the top of the Post Office Tower, he proposed marriage. They phoned home at once to share their wonderful news. We thought they were mad.

Crying at the thought of losing her son to a foreign country, mother said, “He’s so young”.

My sister agreed, saying, “He doesn’t know his own mind.”

Always wise, father said, “Give it time – they’ll change their minds.” But mother could not be consoled.

“He has no wit”, she cried. “What does anyone know about Finland? Isn’t it next door to Russia? He can’t speak the language. If he goes there, I’ll never see him again. What will become of him?” She paused. “Prayer is the only answer. We’ll pray night and day that he’ll come to his senses. We’ll storm heaven.”

The news of the youthful romance was received no better in Finland. Pirjo was called home at once but she talked her parents around and was eventually back again - this time in Aughnacloy living with my parents. We held our breath. None of us had been encouraged to marry

young, being constantly reminded of our duties to the family. What would happen now? Would mother have the nervous breakdown which she promised with such frightening regularity? Curious, we couldn’t wait to meet this intriguing girl. I resolved to rescue her and whisk her away from parental wrath if necessary.

We needn’t have worried. The beautiful blonde soon won our hearts. Her English was good, though heavily accented. The local people were keen to listen to her -so much so that mother became very protective and took Pirjo ‘under her wing’. She endeared herself to our parents by telling them how much she loved their son. We were envious of the things she could say to them. Like Prince Charles comment, “Whatever love is”, mother and father were not into their children’s love in a big way! Pirjo decided she would find a job in Belfast and live with my family. They had agreed not to marry for another year. She began a career in Jaffa Furs, modelling regularly for them. Even though the anti-fur campaign had begun her sales were high. I believed she could sell snow to Eskimos.

True to their word they married. Her parents came to the wedding bringing the trousseau with them. They moved to Finland and my brother soon became fluent in the language. Thirty-five years and two children later, they are –to our delight – still happily married. We visit them frequently and have grown to love the country, the lakes and their summer cottage – even the ice and snow give us pleasure. Pirjo brought excitement and glamour to our family.” As I said at the beginning: “She came, we saw, she conquered!”






“Es ist vergeben, aber nicht vergessen!“

Gerhard Reimann

Chemnitz/Deutschland

 

Zu Beginn des Jahres 2001 schlug ich meiner Frau vor, den Jahresurlaub für eine Rundreise in Skandinavien zu nutzen. 

Als ich unserem Nachbarn davon erzählte, zeigte er starkes Interesse am Reiseverlauf durch Norwegen. Dieses Land habe er auch gern besuchen wollen, doch mit seinen mehr als 80 Jahren und seiner angegriffenen Gesundheit wäre es nun zu spät. Sein besonderes Interesse galt Mo i Rana, einer kleinen Stadt unterhalb des Polarkreises und am Ende des Ranafjord gelegen. Dort war er längere Zeit als Soldat des 2. Weltkrieges stationiert. Wenige Tage später brachte er mir einige Fotos, die in jener Zeit gemacht worden waren. Er erzählte mir viel über die Stadt und über Erlebnisse aus dieser Zeit.

Für unsere Reise per Flugzeug, Bus und Schiff durch Schweden, Finnland und Norwegen gab es ein umfangreiches Programm mit vielen Sehenswürdigkeiten einschließlich Mo I Rana. Die 13. Tagesetappe hatte als Zielort die gewünschte Stadt. Ich bereitete mich gut darauf vor. Leider fand ich zu Kommune nur wenige Hinweise. Trotzdem sollte der Besuch in dieser Stadt zum unvergesslichen Erlebnis dieser Reise werden. 

Am 26. Juni 2005 erreichten wir Oslo mit dem Flugzeug. Über Schweden und Finnland erreichten wir das Nordkap, den Wendepunkt unserer Reise. An der wunderschönen Küste Norwegens ging es zurück gen Süden. Auf den Lofoten wurde unserer Gruppe der Besuch des Lofoten Kriegsmuseums angeboten, das die größte norwegische Sammlung von Uniformen und kleineren Gegenständen aus dem 2. Weltkrieg besitzt. Zusammen mit weiteren interessierten Reisenden besuchte ich das Museum. Zum einen wurde über die Einsätze der deutschen Wehrmacht und

ihrer Verbündeten berichtet und andererseits der norwegische Widerstand aufgezeigt. Ich hörte aufmerksam den Erklärungen des Museumsführers zu, stellte meine Fragen und studierte das Verhalten der Besucher. Als ich das Museum verließ, begann ich über all dies nachzudenken. Ich begann mich zu fragen, was ich eigentlich über diesen Krieg weiß. Wie war die Situation in Norwegen? Bislang war für mich dieser Krieg hauptsächlich ein Angriff  und Vernichtungsfeldzug gegen den Osten.

Mo i Rana erreichten wir ziemlich spät am Nachmittag. Mein erster Weg führte mich in das Tourismusbüro. Mit den beiden Damen konnte ich aufgrund ihres noch sehr jungen Alters kaum etwas über die Nachkriegsgeschichte in Erfahrung bringen. Einzige Ausbeute waren ein Stadtplan und aktuelle Prospekte zur Stadt. Mein zweiter Anlaufpunkt, die Dame an der Hotelrezeption, sollte sich als geeigneter Gesprächspartner erweisen. Sie sprach vortrefflich Englisch und kannte die Nachkriegszeit aus eigenem Erleben.

Die Geschichte und die Fotos meines Nachbarn halfen mir das Gespräch in Gang zu bringen. Sie markierte die für uns interessanten Standorte auf dem Stadtplan und gab Tipps für den günstigsten Weg dorthin. Gegen Abend sollten wir uns noch einmal melden, da sie von ihrem Vater weitere Informationen fernmündlich einholen wollte. Begeistert machte ich mich mit meiner Frau auf den Weg.

Nicht weit vom Hotel entfernt passierten wir den Supermarkt im Stadtzentrum, der den Namen des einstigen großen Geschäftes aus den vierziger Jahren trug, von dem mir unser Nachbar erzählt hatte. Mit der Lage im Hafengelände kamen wir nicht gut zurecht, denn die alten Fotos zeigten ganz andere Ansichten. Wir passierten das Sportstättengelände, das einst von Baracken der Soldaten umgeben war. Auch hier gab es keine Überreste aus jener Zeit zu sehen. Schließlich betraten

wir den Friedhof, wo wir zahlreiche Gräber von Kriegsopfern unterschiedlicher Nationalitäten fanden. Sie verloren ihr Leben durch den Krieg und ihre Familien erlitten unbeschreibliches Leid. Erneut begann ich wieder über den Krieg nachzudenken. Der Gedanke an das im 2. Weltkrieg entstandene Unheil ließ mich nicht mehr los. Doch an diesem Abend blieb mir nicht mehr viel Zeit dazu.

Mein Leben begann mit dem Krieg im Jahre 1939. Unsere Familie hat viel Leid durch diesen Krieg erfahren. Wir mussten unsere Heimat verlassen. Unsere Mutter war mit uns drei Kindern allein in der schweren Nachkriegszeit. Der 2. Weltkrieg galt und gilt immer noch für mich als das größte Verbrechen an der Menschheit. Doch noch nie hatte ich mich mit betroffenen Dritten über Kriegsereignisse unterhalten. Als Deutscher, der im Osten Deutschlands aufgewachsen ist und seine Ausbildung erhalten hat, hatte ich mich nie für den Krieg der Nazis verantwortlich gefühlt. Wenn ich mit Bürgern der Sowjetunion und aus osteuropäischen Ländern zusammentraf, dann war der Krieg selten Gegenstand der Gespräche. In diesen Fällen herrschte immer Freundschaft, die durch die Regierungen vereinbart worden war. Doch nun wollte ich mit einer Norwegerin über die Erinnerungen eines deutschen Soldaten in Norwegen sprechen, ohne die Ereignisse in den Kriegsjahren in diesem Land zu kennen. 

Nach dem Abendessen fanden wir uns wieder bei der Dame von der Rezeption ein. Tatsächlich hatte ihr Vater für weiteren Gesprächsstoff gesorgt. Ich hatte mir vorgenommen, sie auf alle Fälle nach ihrer Meinung über den grausamen

Expansionskrieg und das dadurch entstandene Leid zu fragen. Es dauerte eine Weile bis ich mir traute, meine Frage zu stellen. Die Antwort war kurz und entschlossen: „It is forgiven, but not forgotten!“.

Dieser Satz ist in meinem Gedächtnis gespeichert und es besteht keine Möglichkeit des Löschens. In diesen Tagen des Februar 2005, da wir sehr nahe am 60. Jahrestag der letzten Tage des 2. Weltkrieges sind, muss ich erneut daran denken. Leider gab es in der Nachkriegszeit und in der jüngsten deutschen Geschichte zahlreiche Gründe an diese Worte einer norwegischen Frau hinter dem Empfangstresen eines Hotels zu erinnern.



 „It’s forgiven, but not forgotten”

Gerhard Reimann

Chemnitz/Germany

 

At the beginning of the year 2001 I proposed my wife to use the annual vacation for a round trip through Scandinavia.

When I spoke about this plan to our neighbour he showed strong interest in the route through Norway. He told me that he had the intention to pay a visit to this country years ago, however, the age above eighty and his weak health are severe obstacles for such a journey. Especially he was interested in Mo I Rana, a small town below the Arctic Circle situated at the end of the Ranafjord. There he stayed a longer time as a soldier during the 2nd World War.

A few days later he contacted me in order to show me some of his picture from that time. The photos were rather small in size and they did not show so much. He introduced the town Mo I Rana to me and reported on his memories of that time. There was an extensive programme for our journey by plane, bus and boat through Sweden, Finland and Norway including Mo I Rana. It should become the destination of our 13th section. I made my preparations. Unfortunately I found only a few hints on this community. But the visit this town should become the most unforgettable event of the entire trip.  

On the 26th of June 2005 we reached Oslo by plane. Passing Sweden and Finland we came to the North Cape - the turning point of our journey. From there we followed the beautiful coastal region of Norway. On the Lofoten Islands we got the chance to visit the Lofoten war museum. Together with other interested travellers we visited it. On the one hand it was reported on the activities of the German military forces in Norway and on the other hand the results of the Norwegian resistance were pointed

out. I listened attentively to the explanation of the museum guide, I put my questions and I studied the behaviour of the visitors. When I left the rooms I believed that I need time to think this all over. I started to find an answer to the questions what I really know about this war and how the situation in
Norway was. Until this time for me the 2nd World War has been mainly an attack and extermination campaign against the east.

We reached Mo I Rana late in the afternoon. My first steps led me to the tourist office in order to start my research without delay. Unfortunately the two ladies could not provide the expected information on the time concerned - they were basically too young. They gave me all the assistance they could; for instance, they gave me a town map and some prospectuses. My second attempt was the lady at the reception desk of the hotel who should become the suitable partner for a talk. She spoke English very well and knew the post war time by her own experience.

The story and the photos of my neighbour facilitated to commence the talk. She marked the locations, which were interesting for us on the town map and gave us tips for the most convenient way. In addition we made an appointment for a further meeting in the evening. She wanted to consult with her father for further information by telephone. Enthusiastically I started together with my wife our tour of discovery.

Not far away from the hotel we passed the modern supermarket in the centre of the town bearing the same name as the largest trading centre in the forties being mentioned by our neighbour. But the harbour region caused confusion as the old photos showed completely other views. We past the sports ground where the German soldiers had some of their barracks but we did not find any remainders of that time. Finally, we

entered the cemetery where we found numerous tombs of war victims of different nationalities. They lost their life in the war and their families suffered indescribably. Once more I began to make reflections about the war. The sought of the disaster caused by this war did not loose me off. But for this evening there was not much time left.

My life started in the same year when the war began. Our family had to experience a lot of sorrow. We had to leave our home. Our mother had to take care for three children alone in that hard post wartime. I considered and even still consider this war with all its cruelties as the largest injustice against humanity. As a person grown up and educated in the east of Germany I did not feel jointly responsible for the war of the German Nazis. When I met citizens of the Soviet Union or east European countries the war was rarely a subject of our talks. In these cases there was always friendship agreed upon by the governments. But now I was eager to speak to a Norwegian citizen about the memories of a German soldier in Norway without knowing the occurrences in the years of that war in this country.

After having had supper we met the lady at the reception desk again. Actually her father provided further topics of conversation. It was my aim to ask her about her opinion of this cruel war of conquest and the sorrows caused by it. It took me a certain time until I was ready to put my question. The answer was a short and resolute one: “It is forgiven, but not forgotten.”

This sentence is stored in my mind without any chance for deleting it. In these days of February 2005 being very near to the 60thanniversary, I have to think of those last days of the war. Unfortunately there were numerous reasons in the post wartime and in the latest German history as well reminding me once more on these words of a Norwegian woman behind the hotel

reception desk.

















 

Kinder, wie die Zeit vergeht

Margit Hofmann

Chemnitz/Deutschland

 

Das Fernsehen, die Kernspaltung und das Penicillin waren gerade erfunden, als ich das Licht der Welt erblickte. Und doch gehöre ich zu der Generation, die vor der Erfindung der Schluckimpfung, der Tiefkühlkost und des Kunststoffes geboren wurde.

Wir kannten weder Kontaktlinsen, noch die Pille. Wir waren schon da, bevor es Kreditkarten, Internet und den Kugelschreiber gab. 

Wir kauften Mehl und Zucker in Tüten und nicht in Geschenkverpackungen und es galt auch noch nicht als Körperverletzung, wenn der Lehrer Leistung von uns erwartete.

Wir waren da, bevor es den Hausmann, die Emanzipation, Pampers, Aussteiger und computergesteuerte Heirats-vermittlungen gab. Unsere Windeln wurden noch auf dem Herd in der Küche gekocht und wir hatten so schnell wie möglich reinlich zu sein. 

Wir wurden noch erzogen, waren still wenn Erwachsene sprachen, standen im Bus und in der Straßenbahn für ältere Leute auf, ließen andere Leute die Pendeltüren nicht vor den Kopf knallen, sagten „Bitte“ und „Danke“ und bemühten uns, höflich zu sein. Es gab noch keinen Geschirrspüler, Wäschetrockner, Klimaanlagen, Last-Minute-Flüge. Der Mensch war noch nicht auf dem Mond gelandet und alles war schlanker, denn es gab weder so dicke Menschen noch so dicke Autos wie heute.

Wir konnten für 10 Pfennige ein Eis, einen Beutel Studentenfutter oder eine Flasche Limonade kaufen, es war uns unbekannt, dass man Eltern ins Altersheim entsorgen konnte.

Wir haben mit 12 Pfennig-Marken frankiert und konnten für 10 Pfennig mit der Straßenbahn von einem Ende der Stadt bis zum anderen fahren und in Telefonzellen stand noch: “Fasse dich kurz “und nicht: “Rufe doch wieder mal an.“

Wir mussten fast alles selber tun und damit auskommen, was wir hatten. „Bock“ mussten wir immer haben und zum Abitur bekamen wir vielleicht einen dunklen Anzug und ein Reifezeugnis – aber die Eltern stellten uns kein Golf-Cabriolet vor die Tür.

Wir haben erst geheiratet und dann zusammengelebt. Und mit jemanden gehen hieß, fast verlobt sein. 

Wir sind die Generation, die so dumm ist zu glauben, dass eine Frau einen Mann heiraten muss, um ein Kind zu bekommen; und man telefonierte auch noch nicht auf der Straße, um den anderen zu zeigen, wie wichtig man sich nimmt.

Wir empfanden es noch nicht als Spießerleben, zu heiraten, Kinder groß zu ziehen und 48 Std. oder mehr in der Woche zu arbeiten und nach unserem Lebensziel gefragt, antworteten wir nie: „Spaß haben“. 

Wir kannten schon den Unterschied zwischen den Geschlechtern, aber von Geschlechtsumwandlung hatten wir nie etwas gehört. Zu unserer Zeit gab es noch keine Gruppentherapie, Sonnenstudios, Zweitwagen und es gab noch kein Kindererziehungsjahr für Väter. 

Wir haben damals nie UKW aus Transistorradios, Musik von der CD oder New Yorker Symphoniker via Satellit gehört.

Es gab noch keine elektrischen Schreibmaschinen, künstliche Herzen, Joghurt und Jungen, die Ringe in den Ohren tragen.

Die Worte Software für alles, was man nicht anfassen und Fast-Food für alles, was man nicht essen kann, waren noch nicht erfunden. Man hatte noch nie etwas von Pizzen, MC Donalds und Instant-Coffee gehört. 

Man trug noch Unterwäsche statt “Underwear“; Kids hießen noch Kinder, an den Toiletten-Türen stand noch „Männer“ und „Frauen“ und nicht „man“ und „women“.

Die ganze Entwicklung haben wir über uns ergehen lassen müssen. Wen wundert es da, wenn wir manchmal ein wenig konfus sind, weil es eine so tiefe Kluft zwischen den Generationen gibt.

Aber wir haben überlebt und stellen fest, man höre und staune; Altes ist wieder gefragt. 

Die Nostalgie greift mehr und mehr um sich. Flohmärkte sind Anziehungs-magnete, Oma’s alte Hausrezepte werden neu verlegt.

Ist das nicht eine verrückte Zeit?





 


 

People see the time is passing

Margit Hofmann

Chemnitz/Germany

 

The television, the nuclear fission and the penicillin were just discovered when I came into the world. But I belonged already to the generation, which was born before the inventions of the oral vaccination, the frozen foods and the plastics.

We did know neither the contact lenses nor the pill; however, we were already here before there were credit cards, the Internet and the ballpoint pen.

And we appeared earlier on Earth than the househusband, the emancipation problems, the Pampers, the dropouts and the computer arranged marriage brokerage. Our textile nappies were boiled on the kitchen stove and we kids had to be clean as soon as possible.

We bought the flour and the sugar packaged in paper bags and not in gift-boxes.

We were well-bred, listened quietly to the talk of adults, offered our seats in trams and busses to elderly persons, stopped the moving swing door in order to prevent personal injury. We used the words “bitte” (“please” or “that’s alright” respectively) and “danke” (thank you) and we were anxious to be polite. The demand of the teacher for a good performance was not considered unreasonable or even as a bodily harm.

There were not yet dishwashers, driers, air-conditioning systems and last minute flights. The mankind had not yet the foot on the moon’s surface. All things were slimmer, since there were neither so many over-weight persons nor so mighty cars. 

For 10 Pfennige we could buy an ice cream, a bottle of lemonade, a bag of dried fruit or a ticket for the tram allowing to

cross the whole town, 12 Pfennige were sufficient for the stamp of a letter. In the telephone booth you read: “Make it brief!” where in these days you find the recommendation: “Make a call again!“ But on the other side it was out of the question to banish the old grown parents in an old people’s home or nursing home.

We had to due nearly all by ourselves and what we had had to be enough for managing our life.

At any time we had to be a bit keen on our tasks. On school graduation, we could be glad about the “Abitur” certificate and possibly, a dark suite; however, you could not expect to be given a Golf cabriolet by your parents. 

First we married and than we lived together. If a boy and a girl went together, the neighbours believed the two were engaged.

We are the generation, which is so stupid to believe that a girl has to marry a boy in order to get a baby. We did not make a telephone call on the street to demonstrate our importance.

We did not call it bourgeois, if someone married, grew up children and spent 48 or more working. Our aim in life could not be characterized by the slogan “Have fun!”

We knew the distinguishing marks of both sexes but we had never heard about sex change operations. In our days there were no group therapy, no solariums, no second cars and no exemption of husbands for bringing up the children. The reception of music via FM transistor radio or via satellite was not in because of the lack of the corresponding devices and of course the CD was not available either.

The electric typewriters, the artificial heart, the yoghurt dessert in its great variety were not yet available and the boys wearing earring could not be admired.

The terms Software meaning for all you cannot touch and Fast-Food meaning for all you should not eat were not yet found. The words like pizza, McDonald’s and instant coffee were not yet available.

It was normal to wear “Unterwäsche” (underwear) and kids were called “Kinder”, the doors of the lavatories were marked “Männer” or “Frauen” instead of  “men” or “women”.

These many developments we have lived to experience. Who is at all surprised if we sometimes react a little bit muddleheaded, as there is such a large gap between the generations?

But we have survived and we notice - hard as is to believe - we are amazed that time-honoured things are asked again. The nostalgia grows more and more. Flea markets attract people like huge magnets and the recipes of the grandmothers are published and come into use again.

Is this not a crazy time?