Prof.Dr.Friedrich Naumann,Chemnitz
Die Industriegeschichte in Chemnitz beginnt Ende des 18. Jh. mit der Etablierung der Textilindustrie.
1798 gilt als das Jahr der Firmengründung der Bernhardschen Spinnerei in Altchemnitz/Harthau. Deutschland konnte durch mehrere Firmengründungen im Maschinenbau (Haubold, Wieck, Schwalbe) in Chemnitz den Abstand zur führenden Industrienation England verringern. Das geschah auch damals schon nicht ohne eine gewisse Industriespionage. Wie auch immer, Mitte des 19. Jh. war Chemnitz eine bekannte Industriemetropole.
Die Firma Hartmann wurde zu einem wichtigen Arbeitgeber 1845 hatte sie 190 Beschäftigte, 1900 waren es 5700. Hartmann erkannte, dass durch die Tradition des Bergbaus in Chemnitz geschickte Arbeitskräfte brach liegen, und so entschloss er sich für seine Firmengründung in dieser Stadt. Das rasante Wachstum gelang nur durch mehrere Standbeine im gesamten Spektrum des Maschinenbaus. Die Folge war ein sprunghaftes Wachstum der Einwohnerzahl in Chemnitz. Ohne die heutzutage beliebte Eingemeindung von Vororten stieg die Einwohnerzahl in Chemnitz von 22.000 im Jahre 1837 auf 360.000 im Jahre 1930.
In Folge dieser Entwicklung wurde es dringend notwendig, die Arbeiter auszubilden. Es entstanden Sonntagsschulen für Handwerker. Die Schulen richteten sich durch verstärkten Zeichenunterricht auf die neue Situation ein.
Am 02. 05. 1836 wurde die Königliche Gewerbeschule in Chemnitz gegründet. Die Anfänge waren bescheiden, es gab kein Lehrbuch für die technische Bildung. Man bildete anfangs vor allem Handwerker, Pharmazeuten, Kaufleute, in der Forst- und Landwirtschaft und im Bauwesen aus. Die Hauptsäulen waren die Praxis, die Mechanik und die Chemie.
Im Zuge der Entwicklung war der Neubau von Unterrichtsräumen dringend notwendig. Anfangs bildete man in der Chemnitzer Lateinschule am Jakobikirchplatz aus. Es folgte ein heute nicht mehr vorhandener Bau in der Dresdner Straße. Es wurden Nebenschulen gegründet.
1862 ist das Gründungsjahr der Königlichen Höheren Gewerbeschule.
1877 führte man 4 Schulen zur Staatslehranstalt in einem Neubau, dem Böttcher-Bau zusammen. Weitere Ausbildungsfächer kamen hinzu (Elektrotechnik). Die Schule hatte dank ihrer Praxisnähe und der Gewinnung guter Lehrkräfte einen sehr guten Ruf. Beim Vergleich mit Dresden war Chemnitz immer auf Platz 1.
Ab 1909 gab es den Titel Ingenieur
1921 wurde die Höher Fachschule der Textilindustrie gegründet.
1922 war das Gründungsjahr der Staatlichen Gewerbeakademie Chemnitz, die sehr beliebt, weil praxisnah war. Man entschied sich bewusst für Chemnitz und nicht für Dresden und es wäre schon damals an der Zeit gewesen, die Technische Hochschule zu gründen. Ein Nein aus Dresden verhinderte es.
1929 Umbenennung in Staatliche Akademie für Technik, erste Auftritte der Nazis gipfelten in einer pompösen 100-Jahrfeier 1936.
1945 Säuberung der Uni von der Nazi-Ideologie
1947 Gründung der Technischen Lehranstalten, der Ingenieurschule für Maschinenbau, Bauwesen , Chemie und Elektrotechnik. Es war eine turbulente Zeit (Chemie nach Köthen verlagert)
1953 Hochschule für Maschinenbau (Fachschule für Textil und Bekleidung)
1963 Technische Hochschule
1984 Technische Universität
1992 TU Chemnitz – Zwickau
1997 TU Chemnitz
Zu erwähnen wäre die turbulente Zeit in und nach der Wende. In diesen schwierigen Tagen hat der damalige Rektor, Professor Hecht, die Uni mit hohem Einsatz erfolgreich gesteuert.
Professor Dr. Nauman gab einen ausführlichen und sehr guten Überblick über die Entwicklung von Chemnitz zu einer Industrie- und Wissenschaftsmetropole.
Ulrike Rößler