Seniorenkolleg an der TU Chemnitz






Arbeitsgruppe 3 PC & Internet

Die Teilnehmer berichten über den Vortrag vom 11.01.2011

Wie sicher ist die Trinkwasserversorgung in unserer Region?
Dr. Peter Rebohle, Südsachsenwasser Chemnitz

 

 



 


Alles ist aus dem Wasser entsprungen.
Alles wird durch das Wasser erhalten.
(J.W.von Goethe)

Herr Dr. Peter Rebohle ist seit 1976 in der Wasserversorgung in Karl-Marx-Stadt / Chemnitz tätig und z.Z. Geschäftsführer der "Südsachsenwasser GmbH".
Diese verwaltet und betreibt das Verbundnetz der Wasserversorgung (470 km Rohrleitungssysteme, 17 Großpumpstationen, 25 Wasserbehälter , und 9 Wasserwerke für die Trinkwasseraufbereitung) im Erzgebirgsraum.

Das Rohwasser wird von den landeseigenen Talsperren gekauft, je nach Bedarf den 9 Wasserwerken zur Aufbereitung zugeführt und das Trinkwasser an Übergabestationen an die 7 kommunalen Zweckverbände und die Stadtwerke Chemnitz übergeben.

Da das Erzgebirge vorwiegend aus Felsgestein besteht, gibt es nur sehr geringe Vorkommen von Grundwasser. Diese haben lediglich geringe lokale Bedeutung.

Die überwiegende Wassermenge muß also als Oberflächenwasser bereitgestellt werden.

Die Gesamtmenge an Trinkwasser beträgt ca. 80 Mio m3 im Jahr, davon werden ca. 75 % aus dem Verbund der 9 Talsperrenwasserwerke bereitgestellt.

Der Trinkwasserpreis ab Wasserwerk beträgt ca. 60 Cent je m3 , der Endabnehmerpreis um 3 Euro.

Das Trinkwasser in Deutschland das bestkontrollierte Lebensmittel. Die Schadstoffgrenzwerte sind so festgelegt, dass bei lebenslangem Genuss keinerlei Schädigungen zu erwarten sind.
Die Überwachung erfolgt mit modernsten Geräten mit einer Empfindlichkeit von 1 Nanogramm /Liter sowie auch mittels lebender Fische.

Die Rohwasserqualität in Deutschland wird zunehmend schlechter. In westlichen Bundesländern nimmt insbesondere die Belastung mit Arzneimitteln, Röntgenkontrastmitteln und Pflanzenschutzmitteln zu.
In unserer Region ist dies aber kein Problem. Ebenso die viel diskutierte Uranbelastung.
Der überdurchschnittlichen Radonbelastung (Edelgas)  wird durch intensive Belüftung der Wasserbehälter entgegengewirkt.

Es wurden große Investitionen getätigt, um eine naturnahe Waserbehandlung zu gewährleisten (2m dicke Sandfilter, Härteeinstellung mit Kalk, Chlor zur Desinfektion).

Gegen Sabotage an den Anlagen sind Vorkehrungen getroffen, jedoch läßt sich z.B. ein Einpumpen von Schadstoffen in das lokale Rohrnetz nicht 100% ig verhindern.


Historie:
 Durch Industrialisierung und Wachstum im 19. Jahrh. entstand erhöhter Wasserbedarf in Chemnitz.
1875 entstand das 1.Wasserwerk an der Zwönitz für 1000 m3 je Tag (Nähe Straßenbahnendstelle 6).
Es funktionierte mit künstlicher Grundwasseranreicherung (1. Anlage in Deutschland, teilweise noch vorhandene Gebäude, die z.Z. für Berufsausbildung genutzt werden.)

1894 Bau der Trinkwassertalsperre in Einsiedel mit Wasserwerk. (2.- älteste Trinkwassertalsperre in Deutschland)
1908 Bau der Talsperre Neunzehnhain I
1914 Bau der Talsperre Neunzehnhain II
1933 Bau der Talsperre Saidenbach
Von diesen Talsperren wird Rohwasser ohne Pumpstationen im freien Gefälle nach Einsiedel übergeleitet und dort behandelt.

Weitere genutzte Trinkwassertalsperren:
Cranzahl
Muldenberg
Lichtenberg
Sosa
Eibenstock mit 12 km Stollen zum Wasserwerk Burkersdorf

Ab 1990 mußte die Wasserversorgung privatisiert werden. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gelang es, eine Zerschlagung des Verbundsystems zu verhindern und den Zweckverband Fernwasserversorgung Südsachsen zu gründen, in dem alle 8 Trinkwasserzweckverbände Mitglied sind. So ist eine störungsfreie Wasserversorgung auch im Havariefall oder bei Sanierungsarbeiten an Talsperren oder Wasserwerken möglich.
Alle Anlagen wurden umfassend modernisiert und dank moderner Elektronik werden nachts alle Anlage von nur 2 Personen überwacht.

B.Reichelt