Seniorenkolleg an der TU Chemnitz






Arbeitsgruppe PC und Internet, AG 3

Teilnehmer berichten über den Vortrag am 07. 06. 2011

Das Berufsbild des Verkehrsflugzeugführers

 Jens Piotter

 

Am 7. Juni 2011 referierte vor dem Seniorenkolleg Herr Jens Piotter, Mitglied der „Vereinigung Cockpit e. V.,“ zum Thema
                  
„Das Berufsbild des Verkehrsflugzeugführers“.
 
Herr Piotter, Jahrgang 1967, durchlief nach dem Abitur eine Ausbildung zum Marineoffizier bei der Bundeswehr und begann 1989 eine Pilotenausbildung an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa. Dort arbeitete er später als Copilot und Kommandant auf einem Seefernaufklärer der Marine und war als Flugsicherheitsoffizier tätig. Im Jahre 2000 wechselte Herr Piotter von der Bundeswehr zur Lufthansa Cargo und durchlief eine weitere Ausbildung zum Copiloten für Langstreckenfrachter mit weltweitem Streckennetz. Seit 2010 steht er dort in Ausbildung zum Kapitän und ist gleichzeitig als sachverständiger Flugunfalluntersucher tätig. In seinem Vortrag schilderte Herr Piotter  teilweise an Hand seiner eigenen Entwicklung den sehr komplizierten, zeit- und kostenaufwendigen Ausbildungswegzum deutschen Verkehrsflugzeugführer. (Details siehe. www.vcockpit.de)
 
Grundvoraussetzung für einen solchen Ausbildungsweg sind eine Vielzahl positiv absolvierter Eignungstests, die zu dem von Luftfahrtsunternehmen zu Luftfahrtsunternehmen unterschiedlich sind. Dabei stehen zunächst im Vordergrund:
 
                    >Top Gesundheit
                    >Beherrschung der deutschen und englischen Sprache
                    >diverse fachspezifische Kenntnisse und Fertigkeiten.
 
Am günstigsten sei der Weg über die Bundeswehr, wie er ihn persönlich gegangen ist, wobei die Übernahme in ein privates Luftfahrtunternehmen trotzdem nicht garantiert sei. (Z. Z. gibt es in Deutschland etwa 8.200 Piloten, davon sind ca. 1000 arbeitslos.) Eine private Ausbildung zum Piloten (ohne Ausbildung und Dienst in der Bundeswehr) dauert am Stück etwa1,5 bis 2 Jahre und erfordert Kosten von mindestens 75.000 Euro.Und trotz dieses enormen Aufwandes gibt es in Deutschland junge Menschen, die diesen steinigen Ausbildungsweg gegangen sind und noch gehen.
 
Anhand seiner beruflichen Praxis schilderte Herr Piotter anschaulich und sehr verständlich, teilweise mit Kurz-Videos, den fliegerischen Alltag eines Piloten. Als erstes gilt es, sich ständig und intensiv um die Aufrechterhaltung der eigenen Fluglizenz zu bemühen. Dazu gehören zweimal jährlich umfangreiche Tests im Flugsimulator, und das für jeden Flugzeugtyp, der geflogen wird, auch „Proficience“ genannt. Hinzu kommen immer wieder Zuverlässigkeitsprüfungen und Tests zu den englischen Sprachkenntnissen. Dazu zählen auch praktische Prüfungen unmittelbar im Flugzeug, sogenannte „Linecheks“. Abgerundet werden all diese jährlichen Prüfungen und Tests zur Erhaltung der Fluglizenz durch verschiedenartige medizinischeUntersuchungen. Als zweiter Schwerpunkt wurden die unmittelbaren Vorbereitungen vor jedem Flug besprochen. Dabei geht es um die intensive Beschäftigung mit der Bereitstellung und Abfertigung der zu fliegenden Maschine, also um Betankung, Beladung sowie die Flugplatzbedingungen. Die genaue Flugstrecke ist zu studieren, Witterungsbedingungen sind zu erkunden und Vorbereitungen für mögliche Notfälle sind zu treffen. Auch die zu erwartenden Bedingungen des anzufliegenden Flugplatzes sind zu erkunden und das anzutreffende „Layover“, gemeint sind die Einreisebedingungen und die Hotelunterkunft. Nach erfolgreichem Flug erfolgt noch eine Flugauswertung.
 
Eine Frachtmaschine der Lufthansa Cargo schafft einen Flug rund um die Erde in 66 Stunden, und das mit bis zu 90 Tonnen Fracht. Dabei kennt der Pilot den Inhalt der Ladung nicht, nur wenn es sich um Gefahrengut handelt wird er informiert. Wegen des hohen Frachtgewichtes solcher Maschinen fliegen diese nur mit einer Geschwindigkeit von maximal 300 km pro Stunde, da sie sonst beim Landeanflug zu schnell sinken. Zum Schutz der Piloten dürfen sie bei einer 4-Mann-Besatzung nur maximal 18 Stunden in solch großen Jet verbringen. Danach muss eine Ruhepause von 32 Stunden folgen. Diese Pause soll der persönlichen Regenerierung der Piloten und zur Vorbereitung auf den folgenden Flug ( mit einer anderen Maschine ) dienen. Da ein Flugzeug nur in der Luft „Geld verdient“, sind entsprechende Besatzungsteams über den gesamten Globus verteilt. Nach ca. 2 Stunden am Boden zur Ent- und Neu-
beladung einer Maschine sichern solche Teams den Weiterflug derselben.
 
Abschließend nannte Herr Piotter den „normalen“ Karriereverlauf einer erfolgreichen Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführers:  >  Flugschüler     >  1. Offizier ( Copilot )     >  Kapitän.
 
Als Besonderheit wurde noch genannt, dass es bei den deutschen Fluggesellschaften keine „Ellenbogen“-Mendalität gebe. Die Beförderung der Piloten erfolgt nach Bedarf und streng nach der Reihenfolge der Einstellung im Unternehmen. Mit 65 Jahren wird der Dienst im Flugbetrieb ohne Wenn und Aber beendet.
 
Aus meiner Sicht hat die hohe Aufmerksamkeit aller Zuhörer gezeigt, dass der Vortrag sehr ansprechend war und viel Neues und Interessantes geboten hat. Mit Sicherheit wünschen alle anwesenden Seniorinnen und Senioren des Seniorenkollegs der TU-Chemnitz Herrn Piotter einen baldigen erfolgreichen Abschluss seiner Ausbildung zum Flugkapitän bei der Lufthansa Cargo.
 
                                                                                                   

Verfasser: Roland Lange