Seniorenkolleg an der TU Chemnitz






Arbeitsgruppe 3 PC & Internet

Die Teilnehmer berichten über den Vortrag vom 27.04.10

Ballettstudie zum Ballett Kaddish und Serenade

Lode Devos und Christiane Devos

Ein Thema aus dem Bereich Kunst stand am 27.04.10 auf dem Programm des Seniorenkollegs. Der Ballettdirektor der Theater Chemnitz, Herr Lode Devos, referierte über Tanz im umfassenden und im speziellen Sinn als Kunstform.
Herr Devos wurde 1965 in Belgien geboren und begann bereits mit sieben Jahren eine Ballettausbildung am Königlichen Konservatorium in Kortrijk (Belgien) und später in Antwerpen und Brüssel. Seine Tanzlaufbahn begann er im Europaballet und seine Solokarriere im Tanzforum Köln. Seit der Spielzeit 2006/07 ist er Ballettdirektor der Theater Chemnitz.

In seinem Vortrag stellte Herr Devos heraus, dass in Chemnitz die Ballettcompany keine klassische Tanzformation ist, sondern modernes Ballett zur Aufführung bringt. Dabei betonte der Referent den Zusammenhang zwischen der kulturellen Leistung des Balletts und dem Interesse des Publikums. Herr Devos schätzte ein, dass seitens der Politik generell zuwenig Gewicht auf die Kultur gelegt wird und es deshalb umso wichtiger ist, dass die Bevölkerung Interesse zeigt und die Aufführungen / Vorstellungen - hier konkret im Theater - besucht.

Herr Devos sprach dann über die Geschichte des Tanzes und zwar ausgehend davon, dass Tanz darstellende Kunst, aber auch Ritual, Brauchtum, Sportart, Therapieform, Gefühlsausdruck und Berufstätigkeit ist.

Als Kunstform - so Herr Devos - dient tanzen dazu, Gefühle und Handlungen bildlich darzustellen. Mimik, Gestik und ganzkörperliche Tanzbewegungen bilden zusammen mit der Musik das Arbeitsmaterial des künstlerischen Tanzes, wobei der Rhythmus die Verbindung von Tanz und Musik ist. Besonders wies der Referent darauf hin, dass Ludwig XIV. die Musikkultur (besonders Oper, Ballett) bis hin zu den Kostümen und Bühnenbildern stark förderte und dass deshalb bis heute die Tanzsprache französisch ist.

Zur Entstehung und Entwicklung des Tanzes in der Geschichte der Menschheit stellte der Referent folgende Schwerpunkte heraus:
- Der Tanz entstand zu einer Zeit, in der man begann, Werkzeuge herzustellen, das Feuer zu nutzen und die Natur zu beherrschen. Zuerst ging es vor allem darum, Ängste in Rituale einzubinden.
- Im antiken Ägypten gab es rituelle Tänze, die Tod und Wiedergeburt des Gottes Osiris darstellten und die technisch so anspruchsvoll waren, dass sie nur von professionellen Tänzern ausgeführt werden konnten.

- Die alten Griechen systematisierten den Tanz nach Gottheiten und den mit ihnen verbundenen Gefühlsausdrücken. In Griechenland wurde auch die Basis für unser Theater gelegt. Als wichtiges Zeitzeugnis gilt Homers Beschreibung des Tanzes Chorea in der Ilias aus dem 8. bis 6. Jahrhundert vor Christus. Ekstatische Tänze waren Teil der Dionysien, aus denen sich später Drama und Komödie entwickelten. In diesen Theaterformen spielte oft ein Chor mit, dessen Bewegungen als sogenannte Choreografie in den Stücken vermerkt wurde. Daraus entwickelte sich der moderne Begriff "Choreografie".

- In der mittelalterlichen Kultur sah man im Tanz ein notwendiges Übel. Im frühen 15. Jahrh. wurde der Gesellschaftstanz gemischter Paare an den europäischen Höfen ein beliebter Zeitvertreib. Bücher über den Tanz wurden ab dem 14. Jahrh. geschrieben.
- Im frühen 16. Jahrh. führte die Neigung zu Fröhlichkeit und freieren Sitten zur Einführung des "danse haute", der schnellere Bewegungen, Sprünge und damit körperliche Beweglichkeit  forderte. Tänze dieser Art waren z.B. die Gaillarde, Gavotte und Allemande.
Tanzbeispiele einer Gavotte und Allemande veranschaulichte Herr Devos in einem Video.
Die lebhaften, ausgelassenen Tänze der sozialen Oberschicht des 16. Jahrh. basierten auf den Tänzen der unteren Stände und wurden stilisiert übernommen.
In der 2. Hälfte des 16. Jahrh. wurden Tanzschulen gegründet.
- Im 19. Jahrh. wird der Spitzentanz aktuell.
- Im 20. Jahrh. wird das klassische Element des Tanzes im modernen Tanz weiterentwickelt.
Herr Devos ging dann in seinem Vortrag kurz auf die wesentlichsten Arten des Tanzes ein. So unterscheidet man rituelle Tänze mit religiösem Hintergrund, Volkstänze, die zum volkstümlichen Brauchtum gehören und Gesellschaftstänze, die zu gesellschaftlichen Anlässen aller Art getanzt werden.

Nach dem Zweck des Tanzes unterscheidet man vor allem den Kunsttanz (eigenständige Kunstform), den Turniertanz (dient sportlichem Wettkampf), den Showtanz (hat reinen Unterhaltungscharakter) und den Werbetanz (dient Partnerwerbung).

Tänzer der Ballettcompany demonstrierten sehr anschaulich die einzelnen Tanzpositionen sowohl im klassischen als auch im modernen Tanz.

Herr Devos lud zum Schluss interessierte Teilnehmer des Seniorenkollegs ein, am  02.06.10 die Generalprobe des Balletts "Bolero" - mit drei verschiedenen Choreografien - zu besuchen.
 


Renate Wolf