Seniorenkolleg an der TU Chemnitz






Arbeitsgruppe 3 PC & Internet

Die Teilnehmer berichten über den Vortrag vom 15.12.09

Zur Entwicklung der Gesellschaft des langen Lebens in Japan
Herr Prof. Ueda Koji, Leiter des Japanischen Kulturinstituts in Köln

Die Vorlesung wurde durch den Rektor der TU Chemnitz, Herrn Prof. Mathes eröffnet. Diese erfolgreiche Reihe wurde im Gründungsjahr 1993 von ca. 150 Teilnehmern besucht, heute sind es ca.  800, ein Beweis für die große Attraktivität des Seniorenkollegs an der TU Chemnitz.

Die o.g.  Einrichtung, mit Sitz in Köln, ist etwa mit dem Goethe Institut vergleichbar und wird von Herrn Prof. Ueda Koji als vergleichenden Historiker geleitet.

Der locker, in deutscher Sprache, interpretierte Vortrag informiert über die schnell alternde Gesellschaft in Japan. An vielen Stellen war die Analogie zur deutschen Gesellschaft nicht zu überhören.

Beeindruckend sind jedoch einige Fakten, wie :

  •  30000 Menschen in Japan sind älter als 100 Jahre,
  •   Lebenserwartung der Männer in Japan 80 Jahre
  •   Lebenserwartung der Frauen  in Japan 85 Jahre.

Diesen Zahlen für die älteren Japaner stehen jedoch nur relativ wenige jüngere Japaner gegenüber, man erwartet, dass im Jahre 2017   2,2 berufstätige Japaner  einem pensionierten Japaner gegenüberstehen. Nicht unwesentlich an dieser Entwicklung ist die ab ca. 1950 erlaubte Abtreibung, die den Babyboom der Jahre 1947 bis 1949 stoppten.

Zur Zeit gehen die Menschen in Pension, die während des Babybooms ( 1945 bis 1950 ) geboren wurden. In Japan kann man  ab 58 Jahren in Pension gehen, die volle Pension erhalten jedoch nur die, die das 63. Lebensjahr erreicht haben. Das Eintrittsalter in die Pension soll in den nächsten Jahren auf 65 Jahre steigen.

Diese Gruppe der Bevölkerung stellt ein enormes Potential für den Markt dar, sie besitzt im wesentlichen Häuser oder Wohnungen, zum Teil beträchtliche Barvermögen, da mit dem Ausscheiden aus dem Berufsleben in den meisten Fällen und in den großen Betrieben Abfindungen in 2 bis 3- facher Höhe eines Jahresverdienstes ausgezahlt werden. Auch werden  in einigen Fällen noch Betriebsrenten ( zum Teil im Berufsleben selbst mit finanziert ) gezahlt.

Es wird geschätzt, dass 10 % der Bevölkerung über ein Vermögen von unter 20 000 €, aber ca. 40 % der Bevölkerung über 80 000 €  verfügen.

Verständlich ist deshalb, dass der Markt gerade diese Gruppe besonders mit seinen Angeboten lockt, nicht unerheblich ist der Wunsch dieser Menschen, nach Produkten, in  den jüngeren Jahren nicht erschwinglich waren. Aber die japanischen Pensionäre sind auch sehr offen für den Erwerb von Erzeugnissen mit allerneuester Technik.

Dem Marktpotential der älteren Generation, steht die, sich schneller verändernde, soziale Struktur gegenüber. Nur 30 % der Bevölkerung lebten als Ehepaar, obwohl die Kernfamilie ( Mann, Frau, Kind ) zunimmt leben heute viele Menschen ( ca. 16 % ) in Einpersonenhaushalten. Insbesondere Frauen leben allein
( ca. 20 % ).

Die alten Regeln des Konfuzius, u. a.  zur Achtung der alten Menschen verlieren ständig an Bedeutung. Das Wissen der Älteren ist nicht mehr so gefragt wie früher, auch weil sich der Wissenszuwachs enorm beschleunigt hat. Die Hilfe der Älteren hat jedoch in Japan einen hohen Stellenwert, orientiert sich aber mehr an materiellen Werten, wie Geschenke, familiäre Unterstutzung ( ganz besonders Babybetreuung ). Dies ist ein Grund für eine eigene Wohnung in der Stadt, aber in vertretbarer  Entfernung zur Familie.




Verfasser: Karl-Heinz Brandt