Dr. Martin Treu, Wittenberg
Im Programm des Seniorenkollegs für das Sommersemester 2010 stand ein Vortrag von Herrn Dr. Stefan Rhein über die Vorbereitungen zum Lutherjubiläum 2017 in Wittenberg und Eisleben.
Doch Herr Dr. Rhein war verhindert und so war es Herr Dr. Treu, der uns Martin Luther auf eine andere, sicher ebenso interessante Weise näherbrachte.
Herr Dr. Treu ist in seiner Funktion am Erhalt und der Erweiterung der Gedenkstätten und der Sammlungen zur Reformation, an der Durchführung von Tagungen und Symposien, Herausgabe von Publikationen zum Thema Luther und der Reformation beteiligt. Umfangreiche organisatorische Vorbereitungen werden vor allem in Wittenberg und Eisleben getroffen, um den 500. Jahrestag der Reformation, den 31. 10. 2017, als Höhepunkt der Lutherdekade (2008-2017) gebührend zu begehen.
Luther leitete mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen einen weltgeschichtlichen Umsturz ein. Zum ersten Mal wagte jemand eine öffentliche Kritik an der katholischen Kirche und generell am Papsttum. Luther wurde auf Grund seiner wissenschaftlichen Arbeiten der theologische Urheber und Lehrer der Reformation. Sein weiteres großes Verdienst bestand in der Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache, so dass die Bibeltexte auch "vom Volk" verstanden wurden und gelesen werden konnten. In den deutschsprachigen Gebieten trug diese Übersetzung wesentlich zur Überwindung der Sprachbarrieren bei.
Durch die Weiterentwicklung des Buchdruckes konnten seine umfangreichen Schriften weit verbreitet unter die Leute gebracht werden . Z. B. erschienen von ihm 186 Titel allein in den Jahren 1518 bis 1525. Vielfach wurden seine Arbeiten schon damals auch in andere Sprachen übersetzt.
Luther war schon in seiner Zeit weit über die Grenzen seiner Wohn- und Arbeitsstätten hinaus bekannt. Bereits zu seinen Lebzeiten gab es zahlreiche Bilder von ihm, am bekanntesten ist wohl das Lutherbild von Lucas Cranach dem Älteren.
Die Verehrung Luthers setzte sich über die Jahrhunderte fort. Unter der Herrschaft der Hohenzollern wurde das Wirken Luthers nationalistisch gedeutet und seine Person für politische Zwecke vereinnahmt. Auch die Nationalsozialisten beriefen sich auf Luther, insbesondere war es hier seine zwiespältige Haltung gegenüber den Juden, die den Nazis bei der Rechtmäßigkeit der Judenverfolgung gelegen kam.
In der ehemaligen DDR wandelte sich das Lutherbild im Laufe der Jahre. Auf Grund seiner Rolle in den Bauernkriegen betitelte man ihn zunächst mit "Fürstenknecht", später wurde er zum "großen Sohn des deutschen Volkes".
Herr Dr. Treu informierte in seinem interessanten Vortrag die Zuhörer auch über die bisher erfolgten und die weiteren geplanten Aktivitäten im Rahmen der Lutherdekade (z. B. Ausgrabungen im Lutherhaus, Rekonstruktion des Melanchthonhauses) und über weitere Vorbereitungen zum Jubiläum im Jahr 2017. Damit hat er unser Interesse an den Luthergedenkstätten geweckt.
Wittenberg - wir kommen!
Christiane Loose