Kaum einer unter den Hörern des Seniorenkollegs war wohl schon einmal im Jemen. Das Land erscheint einem irgendwie suspekt und als Urlaubsland nicht ausgesprochen verlockend.
Doch was Herr Dr. Reimann in seinem Vortrag schilderte, lässt schon eine andere Sichtweise auf „das Land der Königin von Saba“ zu. Kein Wunder, denn nach viermaligem, zum größten Teil beruflich bedingten Aufenthalt über insgesamt drei Jahre hat er Land und Leute kennengelernt und auch Freundschaften mit Jemeniten geschlossen. Seine Vorliebe für dieses Land war im Vortrag deutlich spürbar und die Begeisterung übertrug sich auch auf die Zuhörer.
Herr Dr. Reimann gab zunächst einen Überblick über die geographische Lage des Jemen (Nachbarstaaten sind der Oman und Saudi-Arabien) und über seine geschichtliche Entwicklung. Heute ist der Jemen eine Republik mit 23 Mio. Einwohnern, die Hauptstadt ist Sana’a. Von der wirtschaftlichen Seite aus betrachtet ist es ein armes, zurückgebliebenes Land, es gibt keine Bodenschätze, nur geringe Vorkommen an Erdöl und Erdgas. Die Landwirtschaft, die in den wenigen fruchtbaren Tälern betrieben wird, erzeugt Baumwolle, Getreide und Obst. 75 % der Grundnahrungsmittel müssen jedoch importiert werden. Um mehr bäuerliche Anbauflächen zu gewinnen, hat man Terrassenfelder angelegt, die bis in hohe Bergregionen hinaufreichen.
Was ist nun das Besondere am Jemen?
Der Koran gilt in diesem Land als das direkte Wort Gottes.
Den Besucher erwartet eine besondere Gastfreundschaft, die auch Herr Dr. Reimann persönlich erfahren durfte.
Für Reisende ist der Jemen nicht ganz gefahrlos. Ein altes arabisches Sprichwort sagt: Wer in den Jemen geht, kommt dort um. Für einige Europäer, die in der Vergangenheit das Land bereisten oder versuchten, dort Fuß zu fassen, trifft dies auch leider zu. Auch heute noch erfährt man von Entführungen und Anschlägen auf Touristen und sogar Diplomaten. Die Ursachen liegen zumeist in Streitereien zwischen der Zentralregierung und einzelnen Stämmen und haben in der Regel erpresserischen Hintergrund. Man sollte also gut vorbereitet und möglichst nicht allein in den Jemen reisen.
Anziehungspunkte im Land sind vor allem historische Bauten, von denen einige zum Weltkulturerbe zählen, wie z. B. die Altstadt von Sana’a, die Altstadt von Shibam und ihre historische Stadtmauer oder die Medina von Zabid. Sehenswert sind auch Siedlungen, die oftmals bis in die höchsten Felsenkuppen hineingebaut sind und Festungen gleichen. Auch die Hafenstadt Aden und die Küstenregion mit ca. 150 vorgelagerten Inseln sind sehr reizvoll.
Man sagt, dass der Jemen landschaftlich und kulturell zu den schönsten Ländern Arabiens gehört. Mit seinem aufschlussreichen Vortrag hat der Herr Dr. Reimann diese Aussage bekräftigt und das Interesse für dieses bemerkenswerte Land geweckt.
Dafür dankten ihm die Hörer mit viel Beifall.