Seniorenkolleg an der TU Chemnitz






Arbeitsgruppe PC & Internet, AG 1

Teilnehmer berichten über den Vortrag vom 12. 07. 2011

 

Ältere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt - Chancen und Risiken

Kay Senius

Bundesanstalt für Arbeit, Vorsitzender der Geschäftsführung  Sachsen - Sachsen-Anhalt  -  Thüringen

Halle/S.

 

Dass der Hörsaal diesmal nur etwa zur Hälfte gefüllt war, lag mit Sicherheit nicht am Thema und schon gar nicht am Referenten, sondern war vielmehr der Tatsache geschuldet , dass es die letzte Veranstaltung in diesem Seminar war und die Urlaubssaison in vollem Gang ist. Vielleicht nutzten die Gärtner auch die stabile schöne Wettersituation an diesem Tag.

Wie es auch sei, Herr Senius referierte in professioneller Art und Weise über das Thema. Und die durchweg Älteren verfolgten interessiert seinen Ausführungen. Diese waren gespickt mit einer Menge an Statistik, die insbesondere auch in die Zukunft projektiert wurde.

Herr Senius begann seinen Vortrag mit der grundsätzlichen Feststellung, dass der Arbeitsmarkt sich deutlich verbessert ha,t aber nach wie vor ein wichtiges Thema insbesondere auch oder gerade für die Politik bleibt. Bei einer derzeitigen Arbeitslosenquote von 6,9% für Deutschland und den damit verbundenen 2,97 Mio. Erwerbslosen im Januar 2011 ist gegenüber Januar 2006 mit 5,01 Mio. Erwerbslosen eine deutliche Verbesserung unverkennbar. Die Frage nach dem „German Job Wonder“ drängt sich da natürlich insbesondere auch für unsere europäischen Nachbarn auf. Nicht zuletzt deshalb muss man also bei der Ursachenforschung tiefer gehen. Wesentliche Gründe sind demnach:

  • Die Krise 2008/09 konnte in Deutschland u.a. auch durch die Konjunkturpakete der Regierung wesentlich moderater als in anderen Ländern gestaltet werden.

  • Die Solidarität zwischen Staat, Arbeitnehmern und Unternehmen mittels Verzicht an vielen Stellen, Schaffung von mildernden Rahmenbedingungen sowie langfristig angelegten Maßnahmen.

Es bleiben trotzdem für den deutschen Arbeitsmarkt eine gehörige Anzahl an Herausforderungen, denen sich die Politik, die Wirtschaft und nicht zuletzt auch die Arbeitnehmer stellen müssen. Im Einzelnen sind das u.a.:

  • Beseitigung vorhandener großer regionaler Unterschiede

  • Beachtung der Auswirkungen aus dem demografischen Wandel und der Verschiebung der Beschäftigungsformen hin zu atypischen Beschäftigungen

  • Einflussnahme auf Problemgruppen und internationale Risiken

  • Berücksichtigung der angespannten Lage der öffentlichen Haushalte

Bei positiver Einflussnahme erscheint eine Prognose für 2012 von kleiner 2,5 Mio. Erwerbslosen durchaus realistisch. Dabei sollte man aber auch nicht verschweigen, dass auch in Zukunft aus unterschiedlichen Gründen ca. 120-150 Tsd. Menschen nicht vermittelbar sein werden.

Sehr detailliert ging Herr Senius auf die Rolle bzw. Situation der älteren Arbeitnehmer ein.

Dabei machte er deutlich, dass ein Bewahren der Qualifikationen Älterer für die Wirtschaft unumgänglich ist und gleichzeitig der Ausbildung der Jüngeren mehr und differenzierter Beachtung geschenkt werden muss.

Der Strukturwandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft sowie der Fachkräftebedarf der Zukunft, der 2025 bei 6,5 Mio. liegt, erfordern eine Reihe tiefgreifender Maßnahmen. Unverständlich ist in diesem Zusammenhang, dass man sich ernsthaft mit dem Problem der Schulabbrecher befassen muss. Auch bei diesem Problem können Ältere mit ihren Erfahrungen der Lebensplanung Vorbild gegenüber den Jüngeren sein.

In den letzten 10 Jahren ist die Beschäftigungsquote der 60 bis 64jährigen von 11% auf 24% gestiegen. Die Tendenz ist steigend. Damit steigt aber auch der Ersatzbedarf insbesondere der qualifizierten Beschäftigungen, z.B. Ärzte und Ingenieure. Hier müssen die Rahmenbedingungen für die Älteren, die grundsätzlich zu Konzessionen bereit sind, verbessert werden. Das Verbleibensrisiko für diese Beschäftigtengruppe ist z. B. durch Teilzeitarbeit wesentlich höher.

In der anschließenden Diskussion wurden Fragen nach der „Halbwertzeit“ der einmal erlangten Bildung, der Rolle der Politik, der Hartz IV-Entwicklung sowie der Zukunft der BA gestellt und hinreichend beantwortet.

Mit einem treffenden Zitat der Bundesarbeitsministerin beendete Herr Senius diese Vorlesung und erhielt anerkennenden Beifall:

Die Jüngeren laufen schneller aber die Älteren kennen die Abkürzung

 

Siegfried Niefeld