Seniorenkolleg an der TU Chemnitz






Erzgebirgischer Hutzenabend im Seniorenkolleg

Mit Familie Salzer aus Zwönitz

                                      

Ein unterhaltsames Thema im Seniorenkolleg, Brauchtum aus dem Erzgebirge anschaulich dargeboten. Der Hörsaal wurde zur Bühne. Lieder, Gedichte und Geschichten von Herrn Salzer und Herrn Mehlhorn vorgetragen. Es begann mit einer vorweihnachtlichen Reise ins  Erzgebirge.
Was ist eigentlich ein Hutzenabend? Hutzen bedeutet nichts anderes als Zusammenrücken. Die Erzgebirger fanden sich zur Dämmerung in der kleinen Stube beim Nachbarn ein, um ihr Heizmaterial und Essen zu sparen. Es wurde geklöppelt und geschnitzt, geplaudert, getrunken und gesungen. Jedes Mal bewirtete eine andere Familie die Nachbarsleute.
Familie Salzer hat es sich zur Aufgabe gemacht das Hutzen wieder zu beleben und der Öffentlichkeit zu erschließen.
Dazu wurde ein altes Umgebinde - Wohn - Stallhaus in Zwönitz OT Kühnhaide zu neuem Leben erweckt. Der neue Hausherr, Frank Salzer war als junger Mann in die Fremde gezogen, doch das Heimweh führte ihn nach Jahren wieder  zurück in die Heimat und der Entschluss stand fest, sesshaft zu werden, eine Familie zu gründen und altes Brauchtum wieder zu beleben.

Im zweiten Teil des Vortrags wurde der erzgebirgische Bergbau in Liedern, Gedichten und Berichten vorgestellt und beleuchtet. Die ständige Dunkelheit, die die Bergleute umgab: sie fuhren frühmorgens bei Dunkelheit ins Bergwerk ein, während der Arbeit war es dunkel und wenn sie abends nach Hause kamen umfing sie auch wieder Dunkelheit. Da war die Sehnsucht nach Licht groß. So wurden in der Vorweihnachtszeit Lichter in die Fenster gestellt, um die Bergleute zu Hause zu begrüßen, ihnen heimzuleuchten.
Aus dieser Tradition heraus entstanden die Schwibbögen. Der Schwibbogen stellt in seiner Form das Mundloch des Bergwerkes dar, die Lichter zeigen den Eingang zum Bergwerk.
Der Beruf des Bergmanns war früher ein sehr harter Broterwerb. Mit primitivem Werkzeug (Hammer und Schlägel) wurde das Erz aus dem Fels gebrochen. Der Lohn war gering und die Familien mussten sich noch andere Einnahmequellen suchen um zu überleben.
So entstanden Handwerkskünste wie das Spitzenklöppeln, Sticken, Schnitzen, Drechseln. Daraus entstand später ein ganz neuer Industriezweig.
Wurde ein Bergmann bei seiner Arbeit schwer verletzt, gab es keinerlei Unterstützung, schon gar keine Berufsunfähigkeitsrente. So begann der Bergmann nach einer Lösung zu suchen, um seine Familie zu ernähren. Es entstanden die „Buckelbergwerke“. In einem Kasten wurden in Miniatur ein Bergwerk und die Arbeit des Bergmanns dargestellt. Diese Kästen wurden auf dem Rücken getragen und auf Jahrmärkten gegen einen Obolus gezeigt. Wieder war ein kleiner Nebenerwerb entstanden.
Bergmann und Engelfiguren im Fenster hatten die Bedeutung zu zeigen, wie viele Kinder in der Familie sind: jeder Bergmann steht für einen Jungen, jeder Engel für ein Mädchen. Das alles sind Traditionen, die versucht werden zu bewahren und der Nachwelt zu erhalten.
Ein anderer Brauch ist das Neunerlei am Heiligabend. Da hat jede Speise seine Bedeutung.
Was sein muss: Etwas vom Land (Rauchfleisch oder Bratwurst vom Schwein), aus dem Wasser(Heringssalat) und aus der Luft(Gänsebraten), dazu Linsen, Sauerkraut, Sellerie, rote Rüben, Semmelmilch mit Nüssen.

Am 1.März 1991 fuhr der letzte Hundt aus dem Bergwerk der Wismut. Aber die bergmännische Tradition lebt weiter in vielen Vereinen.

Eine interessante Darstellung aus dem Leben im Erzgebirge mit viel Arrangement, Begeisterung und Liebe  zur Heimat ausgeführt. Die Zeit verging wie im Fluge, deshalb kam es nicht mehr zur Fragerunde.

Ernst Martin