Physik in Chemnitz
Die Geschichte der TU Chemnitz
Die TU Chemnitz ist eine junge Universität. Ihr Ursprung lässt sich auf die 1836 gegründete "Königliche Gewerbschule" zurückführen, aus der 1953 die Hochschule für Maschinenbau entstand. Diese entwickelte sich bis 1963 zur Technischen Hochschule. 1986 erfolgte die Ernennung zur Technischen Universität. Mit der Gründung der Philosophischen Fakultät im Jahr 1994 erweiterte sich der universitäre Charakter über das Fächerspektrum einer reinen Technischen Universität hinaus, indem die wichtigsten geisteswissenschaftlichen Disziplinen in Chemnitz etabliert wurden und seitdem die Ausbildung in den Wirtschafts- und lngenieurwissenschaften sowie den Naturwissenschaften und der Mathematik ergänzen. Im Rahmen der Neustrukturierung wurde die Gelegenheit ergriffen, interdisziplinäre Ausbildungsgänge mit naturwissenschaftlichen, technischen und wirtschaftswissenschaftlichen Komponenten zu bilden.
Entwicklung des Instituts für Physik
Bis 1989 konzentrierte sich in Chemnitz die Forschung auf eine stark anwendungsorientierte Experimentalphysik, die beachtliche Ergebnisse z. B. auf dem Gebiet harter Werkstoffe vorweisen konnte. Dies änderte sich, als der im Ergebnis der Evaluierung ausgesprochenen Empfehlung zum Ausbau der Physik in Chemnitz auf einem breiteren Spektrum durch die Sächsische Landesregierung entsprochen wurde und die Zahl der Professuren in Experimenteller Physik, Theoretischer Physik und Didaktik von 7 auf 17 angehoben wurde. Schnell reagierte man in Chemnitz auf die gebotenen Möglichkeiten und schloss auf der Grundlage eines innovativen Strukturkonzepts in kürzester Zeit die Berufungsverfahren ab. Vorrangig ging es dabei sowohl um die Stärkung der Grundlagenforschung als auch um die Erhaltung traditioneller Arbeitsrichtungen auf den Gebieten der Oberflächen- und Dünnschichttechnologien und der Physik des flüssigen Zustands. Im Ergebnis dieser Neugestaltung halten sich Theoretische und Experimentelle Physik, Grundlagen- und angewandte Forschung die Waage. Insbesondere wurden die numerischen Methoden in der Theoretischen Physik wesentlich verstärkt, Laserverfahren zur Untersuchung molekularer Systeme, von Halbleitergrenzflächen und gespeicherten Ionen etabliert, und die Untersuchung elektronischer Eigenschaften amorpher Systeme bis zur Temperatur des flüssigen Heliums ermöglicht.
Die Integration von Forschung und Lehre ermöglicht eine wissenschaftsorientierte Ausbildung. Neue zukunftsorientierte Bachelor- und Master-Studiengänge wie Computational Science und Materialwissenschaft wurden eingeführt. Im Jahr 2003 konnte nach erfolgreich abgeschlossenem Berufungsverfahren erstmals eine Juniorprofessur für das Fachgebiet "Photonik und optische Materialien" besetzt werden.
Zusammen mit der Chemie bildet die Physik die Fakultät für Naturwissenschaften. Sie hat im Umfeld einer Technischen Universität engagiert einen Weg hin zu einem vielfältigen aber konzentrierten Forschungsschwerpunkt beschritten und sich damit dem nationalen und internationalen Vergleich gestellt. Dieser Weg wird durch die guten Ausbildungsmöglichkeiten unterstützt und sicher wieder auf diese zurückwirken.
Aktivitäten des Instituts
Mittlerweile haben die Forschungsaktivitäten und Lehrkapazitäten am Institut für Physik ein respektables Niveau erreicht. Dies wird quantitativ belegt durch den Umfang der Drittmittelaufträge von 1,742 Mio. EUR für das Jahr 2001. Die Qualität spiegelt sich sowohl in der Gründung des ersten in den neuen Bundesländern etablierten Graduiertenkollegs "Dünne Schichten und nichtkristalline Materialien" wider (Laufzeit von 1992 bis 2001), als auch in der Integration von Arbeitsgruppen des Instituts in die Sonderforschungsbereiche 379 "Mikromechanische Sensor- und Aktorarrays" und 393 "Numerische Simulation auf massiv parallelen Rechnern" sowie in den zahlreichen Kooperationen mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen.
Bereits 8 Mal in Folge haben Professoren des lnstituts für Physik jährlich eine 14-tägige WE-Heraeus-Ferienschule für Ca. 50 Studenten aus dem gesamten Bundesgebiet organisiert. Regelmäßig werden führende Wissenschaftler zu den "Chemnitzer Physikkolloquien" eingeladen.
Besonders hervorzuheben ist auch die Einrichtung des in der Physik der Bundesrepublik Deutschland ersten und mit 7,l Mio. DM aus Bundesmitteln geförderten Innovationskollegs "Methoden und Materialsysteme für den Nanometerbereich". Das Innovationskolleg wurde 1994 für 3 Jahre bewilligt und und nach zweijähriger Verlängerung 1999 erfolgreich abgeschlossen.
Das EU-finanzierte Ausbildungs- und Forschungsnetzwerk DIODE (Designing InorganicIOrganic DEvices) besteht aus 7 akademischen Forschungseinrichtungen in 5 Ländern sowie 3 assoziierten Industriepartnern und wird von Chemnitz aus koordiniert. Es hat sich das Ziel gesetzt, anorganische und organische Materialien in neuen Bauelementen zu integrieren. Arbeitsgruppen des lnstituts sind an vielen DFG-Schwerpunktprogrammen beteiligt. Beispielsweise kommen von bundesweit 26 Forschergruppen im DFG-Schwerpunkt "Quasikristalle" immerhin 3 aus Chemnitz. Professuren des Chemnitzer Physik-Instituts und der Universität Jena betreiben gemeinsam eine Forschergruppe auf dem Gebiet der Laborastrophysik. Auf mikrophysikalischer Ebene werden die Zusammensetzung, Eigenschaften sowie die Bildung und Zerstörung von Bestandteilen des interstellaren Mediums bestimmt. Ein Zentrum für Laserdiagnostik befindet sich im Aufbau. Am 1 . 10. 2002 startete das DFG-Graduiertenkolleg "Akkumulation von einzelnen Molekülen zu Nanostrukturen", das von Professuren der Institute für Chemie und Physik gemeinsam getragen wird. Dieses neue Kolleg wird zunächst für 3 Jahre mit Ca. 800.000 EUR finanziert. Es ist international orientiert: Derzeit kommen die 13 Stipendiaten und die 3 assozierten Kollegiaten aus 10 Ländern.