Auf dem Weg zur Schaffung des „neuen Menschen" diente der SED das Bildungswesen als wichtigstes Instrument zur Indoktrination, Ideologisierung und Ausmerzung religiöser Ideen. Wenngleich dieses Konzept grundsätzlich Erfolg hatte, erwiesen sich einzelne Gebiete der DDR als erstaunlich resistent gegenüber dem erzieherischen Einfluß des Staates. Dies gilt sowohl für das Eichsfeld, das größte geschlossene katholische Gebiet der DDR, als auch für einige Orte im Mittleren und Westerzgebirge, deren Einwohner durchgängig den evangelischen Kirchen angehörten. Hieraus ergibt sich die Leitfrage der Arbeit: Inwieweit wurde die DDR-Schule, als „Agentur zur Gegensozialisation" wider die Sozialisation in den familialen und christlichen Milieus betrachtet, ihrer Funktion gerecht?
Die Dissertation ist, wie folgt, aufgebaut: Nach der Problemstellung und der Begriffserklärung „Indoktrination" sowie „Sozialisation und Gegensozialisation" folgt der Forschungsstand und die Erklärung der Methode des angewandten „narrativen Interviews". Ein theoretischer Bezugsrahmen erörtert die Rolle der Kirchen und die Rolle der Bildung in der DDR. Die SED-Kirchenpolitik mit ihren Auswirkungen auf den Bildungsbereich untergliedert sich in folgende Phasen: „Integration" (1945-1947), „Konfrontation" (1947-1971), „Mäßigung" (1972-1989). Danach wird anhand von Zitaten aus Interviews und weiteren Quellen aufgezeigt, wie die Betroffenen die einzelnen Phasen im Eichsfeld und im Erzgebirge erlebt haben. Es folgt ein Vergleich beider untersuchter Gebiete. Die Schlußbetrachtung faßt die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammen, gefolgt von einem Ausblick und der Erörterung offen gebliebener Fragen.