Unter dem Begriff des Konvertitentums wird in der Arbeit gefragt, warum sozialdemokratische Politiker wie Wilhelm Höcker, Carl Moltmann, Otto Buchwitz und Heinrich Hoffmann zu Parteigängern der SED wurden. Aus der zentralen Fragestellung heraus gilt es zu klären, wann und wie sich die vier Politiker von ihren sozialdemokratischen Traditionen lösten, die Politik der SED mittrugen und ob sie ihre politische Karriere in der Partei fortsetzten oder, vor allem im Zuge der Stalinisierung der SED, scheiterten. Fragen nach Überzeugungen, Prägungen, Vorbildern und deren Beständigkeit sowie die individuelle Erkenntnis- und Wandlungsfähigkeit werden berücksichtigt. Ebenso geht es um die Frage, ob es so etwas wie den „roten weltanschaulichen Faden" im Leben der vier Politiker gab.
Die Betrachtungsperspektive auf das Individuum und dessen Lebenslauf und Motive rückt in das Zentrum der Untersuchung. Doch die Suche nach den Motiven erfordert eine kritische Analyse sowohl der politischen Strukturen und deren Möglichkeiten und Alternativen als auch der persönlichen Verhaltensmuster. Beides wird in der Arbeit vernetzt. Sie soll, vor dem Hintergrund fehlender Alternativen der SPD in der SBZ, anhand von Quellenstudien und mit Hilfe eines Fragenkatalogs nachweisen, dass es Sozialdemokraten gab, die sich aktiv an der Politik der KPD/SED beteiligten und sich mit ihr identifizierten. Die Parallelbiografien sollen somit eine Gruppe von Politikern beleuchten, die für die frühe Legitimation der SED-Diktatur von besonderer Bedeutung waren und die nominell wichtige Ämter in den deutschen Landesverwaltungen innehatten, ohne zugleich an den Schalthebeln der Macht zu sitzen.