Gegenstand der Dissertation ist das Problem von Kontinuität und Wandel im intellektuellen Leben des französischen Philosophen Alain de Benoist sowie seine Bedeutung für das moderne politische Denken. Das geistige Schaffen von Alain de Benoist, dem unangefochtenen Protagonisten der französischen „Nouvelle Droite" und Gründungsmitgliedes des „Groupement de récherche et des études sur la civilisation européene" (GRECE) wird von der Forschung im allgemeinen als klar rechtsextrem bezeichnet. Gleichwohl überrascht de Benoist immer wieder durch liberale und linksintellektuelle Standpunkte. Bezeichnend ist in das Recht auf kulturelle Differenz und die antikapitalistische Komponente im Denken von Alain de Benoist. Es ist indessen eine Tatsache, dass die doktrinären Konstrukte von Alain de Benoist trotz ihrer Komplexität oder gerade wegen ihr eine große Attraktivität für rechtsextremistische und rechtspopulistische Strömungen haben.
Gerade im Hinblick auf den zu beobachtenden Rechtspopulismus in Europa soll untersucht werden, ob das Denken von de Benoist in all seinen Kontinuitäten und Wandlungen als rechtsextrem zu charakterisieren ist, oder ob nicht vielmehr von einer „verflachenden" Aneignung der ideologischen Konstrukte durch rechtsradikale und rechtspopulistische Strömungen („Front National"; „Neue Rechte"; „Thule-Seminar") auszugehen ist. Eingedenk der Tatsache, dass die bisherige de Benoist-Forschung im ideengeschichtlichen Vergleich weitestgehend unter ihren Analysemöglichkeiten geblieben ist, soll des weiteren mit dem wissenssoziologischen Ansatz der Versuch unternommen werden, die konstituierenden Faktoren dieses Denkens zu klären.