ForschungProfessur Politische Theorie und IdeengeschichteForschungsschwerpunkt der Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte in Chemnitz ist das politische Denken im 19. und 20. Jahrhundert. Hierzu zählen insbesondere die politische und akademische Emigration nach 1933, die Remigration nach 1945 verbunden mit der Entwicklung der modernen politischen Theorie im Kontext der Internationalisierung des politischen Denkens. Im Zentrum steht dabei die „Westernisierung“ des politischen Denkens im 20. Jahrhundert, die durch Reflektionen zu deutsch-französischen und deutsch-russischen intellektuellen Austauschdiskursen nach 1789 flankiert wird. Die Forschungsarbeiten der Professur weisen Bezüge zu disziplingeschichtlichen, literaturwissenschaftlichen, philosophischen und juristischen Fragestellungen auf. |
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Alexander Gallus
Die »Weltbühne« war eine der herausragenden politisch-kulturellen Zeitschriften der Weimarer Republik. Sie galt schon früh als Inbegriff für kritisches Engagement in Deutschland, und von ihr ging eine weit über ihr Verbot im März 1933 hinausreichende Wirkungskraft aus. Für viele Intellektuelle bildete sie eine geistige Heimat, deren Verlust sie melancholisch stimmte und die sie wiederbeleben wollten. Zu diesen »heimatlosen« Intellektuellen zählten Axel Eggebrecht, Kurt Hiller, William S. Schlamm und Peter Alfons Steiniger. Alexander Gallus zeigt anhand ihrer Biografien eine facettenreiche Intellektuellengeschichte des 20. Jahrhunderts. Er zeichnet ihr politisches Denken von den 1920er Jahren an bis in die 1970er Jahre hinein nach, untersucht ihr intellektuelles Rollenverständnis und ihre Positionierung in der politischen Öffentlichkeit. |
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Frank Schale / Ellen Thümmler / Michael Vollmer (Hrsg.) Eine Intellektuellengeschichte des 20. Jahrhunderts muss die geistigen Einflüsse deutscher Wissenschaftsemigranten zwischen 1933 und 1945 berücksichtigen. Zu einschneidend prägte sie das literarische, kulturelle und politische Denken diesseits und jenseits des Atlantiks. Aus einem breiten Verständnis von Ideengeschichte heraus werden nicht nur prominente Emigranten wie Hannah Arendt, Arnold Bergstraesser und Franz L. Neumann, sondern zugleich dem drohenden Vergessen anheim fallende Flüchtlinge wie Sigmund Neumann, Ferdinand Hermens und Otto Neurath oder bisher kaum beachtete Biographien von André Gorz und Romain Rolland vorgestellt. Einerseits rekonstruieren die Beiträge die dramatischen Lebenslinien sowie die oft unter beklemmenden Bedingungen angefertigten politischen, gesellschafts-, kultur- und wissenschaftstheoretischen Arbeiten. Andererseits wagen sie auch einen Blick auf die Perspektiven der Emigrationsforschung heute. |
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Alfons Söllner (Hrsg.) Das vorliegende Buch sucht einen neuen Zugang zu den deutsch-französischen Beziehungen in der Zwischenkriegszeit und konzentriert sich dafür auf 13 deutsche Autoren, die über den westlichen Nachbarn geschrieben haben. Eingerahmt von prominenten Schriftstellern wie Thomas und Heinrich Mann werden bekannte Essayisten wie Friedrich Sieburg und Walter Benjamin, aber auch weniger bekannte Autoren wie Waldemar Gurian und Johannes Stoye behandelt; hinzu treten Emigranten wie Karl Loewenstein und Hannah Arendt. |
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Ellen Thümmler Waldemar Gurian (1902-1954) gilt als vergessener Kopf und politischer Stichwortgeber im 20. Jahrhundert. Er reiht sich in das intellektuelle Beziehungsgeflecht von Carl Schmitt über Hannah Arendt bis hin zu Hans J. Morgenthau ein. Die Werkanalyse entdeckt den Autor neu und bereitet teils unbekannte Quellen und Briefe auf. Im Mittelpunkt steht die These, dass Gurian sich durch die Emigration vom Literaturrezensenten und Schriftsteller der Weimarer Jahre zum Politikwissenschaftler, Totalitarismustheoretiker und Politikberater in Amerika wandelt. Gurian ist Oszillograph der europäischen Geistesgeschichte. Damit leistet die Studie einen wichtigen Beitrag zur Intellektuellengeschichtsschreibung. |
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Robert Christian van Ooyen / Frank Schale (Hrsg.) Kann ein Linksintellektueller, der an der Idee des Staates und seinen Institutionen zweifelt, ein „Staatsdenker“ sein? Originär im Ansatz und „düster“ in den Prognosen ist Otto Kirchheimer keiner Schule zuzuordnen, sondern hat aus Carl Schmitt, dem soziologischen und juristischen Positivismus sowie den „Frankfurtern“ genau das extrahiert, was er für die Analyse von Verfassung und Gesellschaft benötigt. Seine „Kritische Verfassungspolitologie“ oszilliert zwischen sozialwissenschaftlichem Staatsverständnis, normativem Postulat bürgerlicher Rechtsstaatlichkeit und aufklärungskritischer Dialektik moderner Massengesellschaften. In vier Kapiteln (Biographisches – Verfassungslehre und NS-Diktatur – parlamentarischer Parteienstaat – politische Justiz) wird dieser „transdisziplinäre“ Ansatz erörtert. |