Am 23. und 24. März 2000 beschloss der Europäische Rat auf einer Sondertagung in Lissabon ein ambitioniertes Programm: Bis zum Jahr 2010 sollte die Europäische Union (EU) zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt werden, „einem Wirtschaftsraum der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen“. Dieser als „Lissabon-Strategie“ bekannte Ansatz ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Zum einen definiert er Ziele, die nur politikfeldübergreifend zu erreichen sind. Zum anderen lässt sich eine Mischung der Verfahren konstatieren, die bei der Umsetzung der Strategie zum Einsatz kommen müssten, um die vorgegeben Ziele zu erreichen. Gerade weil die Lissabon-Strategie eine Vielzahl unterschiedlicher Politikfelder einschließt, koordinieren sich die an der Umsetzung beteiligten Akteure höchst unterschiedlich, da die Steuerungsmodi der einzelnen Politikfelder sich historisch unterschiedlich herausgebildet haben.
Diese Dissertation stellt die Frage nach den Wirkungen der neu ausgerichteten Strategie von Lissabon für die (weitere) Europäisierung der von ihr betroffenen Politikfeldern für die nationale Ebene, d. h. in diesem Fall für Deutschland. Als Fallbeispiele dienen dabei die Politikfelder Wettbewerbspolitik und Beschäftigungspolitik. Die methodischen Grundlagen der Untersuchung liefert die politikwissenschaftliche Europäisierungsforschung, die für die Erforschung von Wechselwirkungen zwischen europäischer und mitgliedstaatlicher Ebene umfassende Analyseschemata zur Verfügung stellt. Da Europäisierung Aus- und Wechselwirkungen in allen drei Bereichen des Politikbegriffs – policy, politics und polity – zeigt, wird diese Arbeit alle drei Dimensionen entsprechend berücksichtigen.

Betreuer der Dissertation: Prof. Dr. Roland Sturm (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
Hochschulort: Erlangen
Kontakt:
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