Professur Europäische Regierungssysteme im Vergleich






Promotionskolleg "Politik- und Parteienentwicklung in Europa"

Dipl.-Pol. Alexander Niedermeier

Gemeinsames Projekt oder Dominanz partikularer nationaler Interessen? Der Dualismus von nationaler und gemeinsamer europäischer Außen- und Sicherheitspolitiken und die Chancen weiterer EU-Integration. Eine interpretivistisch-realistische Studie der europäischen Beziehungen zum Nahen Osten seit dem Zweiten Weltkrieg

Bei der Dissertation handelt sich um eine auf Grundlage klassischer Theorien der Internationalen Beziehungen beziehungsweise Europäischer Integrationstheorien basierende Analyse ausgewählter europäischer Politiken gegenüber dem Nahen Osten. In ihr soll der Dualismus spezifisch nationalstaatlichen und gesamteuropäischen Engagements in der Region untersucht werden, wobei das jeweilige nationalstaatliche Interesse als handlungsleitende Analysegröße eine zentrale Rolle einnimmt. Konkret wird gefragt, ob und inwiefern sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges die grundlegenden Interessen beziehungsweise die konkreten Ausprägungen dieser Interessen von Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien grundsätzlich gewandelt haben beziehungsweise ob signifikante Kontinuitäten erkennbar ist. Dieser Aspekt spielt insofern eine wichtige Rolle, da aus ihm Rückschlüsse darüber erhofft werden, wie bestimmte Methoden im Umfeld der jeweiligen Nahostpolitiken zu bewerten sind: Konkret stellt sich die Frage, ob es bei gemeinsamen Politikansätzen um ein echtes gemeinsames europäisches Unternehmen geht, oder aber ob es sich bei diesen vielmehr um ein Phänomen handelt, bei welchem die Beförderung ureigenster nationalstaatlicher Interessen erreicht werden soll. Eine solche Erkenntnis wäre nicht zuletzt mit Hinblick auf den weiteren europäischen Integrationsprozess von Relevanz: Sollte sich der Nachweis eines nationale Interessen transzendierenden europäischen Gesamtinteresses ergeben, ließen sich GASP und ESVP durchaus als Vorboten eines supranationalen Europa interpretieren. Falls sich jedoch gemeinschaftliche Politiken als Instrument des jeweiligen nationalen Interesses erweisen sollten, würde dies die These einer intergouvernementalen Zukunft Europas stärken. Zugleich ließe sich zeigen, ob (neo-)realistische Denkansätze mit ihren Kernelementen Macht, nationales Interesse und Mächtegleichgewicht noch immer von Bedeutung sind, oder aber ob alternative Erklärungsmuster sich als tragfähiger zur Erklärung des gegenwärtigen internationalen Systems erweisen.