Professur Europäische Regierungssysteme im Vergleich






Promotionskolleg "Politik- und Parteienentwicklung in Europa"

Alexander Löcher M.A.

Im Spannungsfeld von Politik und Verwaltung. Eine empirische Untersuchung zur Regierungskultur am Beispiel der sächsischen Ministerialbürokratie und des Landtags

Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Beobachtung, dass die öffentliche Verwaltung über erhebliche eigene Handlungsspielräume verfügt, die ihr eine wesentliche, wenn nicht gar eine herausragende Position im politisch-administrativen Entscheidungsprozess zukommen lässt. Speziell die Ministerialverwaltung, als direkt am politischen Prozess beteiligtes Organ, nimmt heute weit reichende gestaltende Funktionen war. Insgesamt lässt sich etwa seit Mitte der 70er Jahre ein grundlegender Funktionswandel der staatlichen Bürokratie beobachten – von der Anpassungs- zur Gestaltungsplanung. Das Muster des klassischen Bürokratiemodells, in organisatorischer wie personeller Hinsicht, scheint somit überholt. Neben den grundsätzlichen strukturellen Veränderungen zeichnet sich auch ein kultureller Wandel ab. Das stereotype Bild des klassischen Bürokraten – pflichterfüllt und staatshörig – entspricht nur noch vereinzelt der Realität. Zwar kann das administrative Teilsystem gegenüber seiner Umwelt als relativ geschlossener Normen- und Regelkomplex mit formal-hierarchischer Ausgestaltung begriffen werden, moderne Managementpraktiken, Internationalisierungs- und Politisierungstendenzen haben auch hier Einzug gehalten. Das Geflecht zwischen Politik, Wirtschaft und Verwaltung hat inzwischen einen Umfang angenommen, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Zugespitzt formuliert könnte man sagen, dass mit der Zunahme gesamtgesellschaftlicher Steuerungsfunktionen und dem scheinbaren Defizit an politischer Führung (Entparlamentarisierungstendenzen) der politischen Verwaltung ein wachsendes Gewicht im Willensbildungsprozess zukommt. Die zentrale Frage ist dabei: Ob sich spezifische kulturelle Faktoren (Muster) identifizieren lassen, welche die Einflussnahme von Ministerialbeamten auf den politisch-administrativen Prozess der Programmformulierung und der Programmdurchführung (Implementation) belegen? Neben den strukturellen Merkmalen der Ministerialorganisation rücken dabei besonders die vorherrschenden Orientierungen in und gegenüber der Ministerialverwaltung in den Blickpunkt, die ein solches Interesse zur Einflussnahme begünstigen. Um den in der Fragestellung formulierten Zusammenhang zwischen Struktur, Kultur und Verhalten möglichst umfassend zu beantworten, bedient sich der Verfasser systemtheoretischer, struktur-funktionalistischer und handlungstheoretischer Ansätze aus der Politische Kultur- und Verwaltungskulturforschung. Durch die Synthese dieser Theoriestränge soll ein rollentheoretischer Analyserahmen geschaffen werden, der die Wechselbeziehung zwischen Orientierungen und Verhalten herstellen kann. Als empirische Basis dient das politisch-administrative System des Freistaat Sachsens. Anhand einer zweigliedrigen Befragung in den sächsischen Ministerien und dem sächsischen Landtag sollen die möglichen Unterschiede in den Orientierungsmustern zwischen politischen und administrativen Akteuren erfasst werden, um Aussagen über den Einfluss der sächsischen Ministerialverwaltung auf den politischen Entscheidungsprozess treffen zu können.

Foto Löcher
Alexander Löcher M.A.

Betreuer der Dissertation: Prof. Dr. Eckhard Jesse (TU Chemnitz)

Hochschulort: Chemnitz

Kontakt: E-Mail Alexander.Loecher@...