Professur Europäische Regierungssysteme im Vergleich






Promotionskolleg "Politik- und Parteienentwicklung in Europa"

Sebastian-Frederik Kühnel M.A.

Volksparteien in der Krise? Eine typologisch-funktionalistische Analyse von Union und SPD im Ländervergleich

Die Dissertation setzt sich mit der grundlegenden Fragestellung "Sind Volksparteien in der Krise?" auseinander. Als Ausgangsproblematik der Untersuchung ist ein ambivalentes Bild der Volksparteien zu konstatieren: Auf der einen Seite kann ihre Zukunftsfähigkeit im Zuge von Entbindungsprozessen und einer mangelnden Integrationsfähigkeit angezweifelt werden. Auf der anderen Seite ist es ihnen gelungen, ihren Status als Machtträger zu konservieren und weiterhin elektorale Erfolge, zumeist auf Länderebene, zu verzeichnen.

Folgende Fragestellungen liegen insofern der Arbeit zugrunde: Sind die deutschen Volksparteien gegenwärtig in einer "Krise"? Inwiefern ist eine Volksparteienkrise zu konstatieren bzw. wie stark ist diese zu beziffern? Nach welchen Kriterien bemisst sich eine Krise der Volkspartei bzw. auf welchen Maßstäben beruht die Bewertung einer potentiellen Krise? Unter welchen Bedingungen lässt sich überhaupt von einer Krise sprechen? Warum kommt es zu einer krisenhaften Entwicklung und welche Ursachen sind dafür anzuführen?

Um diese Fragen beantworten zu können, wird im theoretischen Teil der Arbeit ein mehrdimensionales Konzept erstellt. Es beruht auf zwei grundlegenden Ausgangsfragen, die aus der Prämisse abgeleitet sind, dass die Bewertung der etwaigen Krise einer Volkspartei unabdingbar mit der Frage nach dem exakten Verständnis der Volkspartei selbst verknüpft ist: Was ist eine Volkspartei? Was ist eine "Krise" der Volkspartei?

Die Krisendiagnosen bisheriger Parteienforschung haben diese Fragen entweder ausgeschlossen bzw. nur in Teilen zur Grundlage ihrer Analyse genommen oder auf der Basis einer eindimensionalen Perspektive zu beantworten versucht, wobei das negative Ergebnis der Diagnose aufgrund der normativen an Erwartungsidealen zur Leistungsfähigkeit einer Volkspartei orientierten Sichtweise, die sich auf Entwicklungsprozesse einzelner Organisations- oder Funktionsbereiche stützt, kaum überrascht. Fraglich ist jedoch, ob eine derartige parteiexterne und auf Idealvorstellungen der Systemleistungen basierende Perspektive die Fähigkeit der Volkspartei zur Existenzsicherung abdeckt.

Deshalb setzt die Dissertation bei der Volkspartei selbst an und untersucht deren etwaige Krise von einem parteiinternen Standpunkt, so dass nicht Leistungen für die parteiexterne Umwelt, sondern Leistungen der Volkspartei, die für die eigene Existenzsicherung unabdingbar sind, als Grundlage der Krisenbewertung fungieren. Ausgehend vom Konzept der Volkspartei werden die für die Existenz distinktiven Merkmale generiert, aus denen sich die Funktionen als zentrale Elemente der Leistungsfähigkeit der Volksparteien ableiten. Darauf aufbauend wird unter Berücksichtigung parteiexterner und parteiinterner Determinanten die Krise der Volksparteien eingegrenzt und das daraus resultierende Analyseschema im empirischen Teil der Arbeit auf die deutschen Volksparteien Union und SPD angewendet, wobei die empirische Analyse sowohl die Bundes- als auch die Landesebene berücksichtigt.

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Sebastian-Frederik Kühnel M.A.

Betreuer der Dissertation: Prof. Dr. Gerd Strohmeier (TU Chemnitz)

Hochschulort: Chemnitz

Kontakt: E-Mail kuehnel.uni-passau@...