Das Zusammenwirken von Parteien und Verbänden ist eines der wichtigsten und faszinierendsten Elemente im politischen System der Bundesrepublik Deutschland. Fast schon als symbiotisch geltende Verbindungen wie beispielsweise zwischen den Gewerkschaften und der SPD stellten über Jahrzehnte Grundpfeiler des deutschen Parteiensystems dar. Aber auch an diesem Bereich gingen die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte nicht spurlos vorbei. Nicht nur die Arbeitswelt, das Lebensumfeld oder die Medienlandschaft veränderten sich dramatisch, auch die Binnenstruktur und die Größenverhältnisse von sozialen Gruppen sind einem grundlegenden Wandel unterzogen. Die Wirkung von veränderten sozialstrukturellen Rahmenbedingungen auf Verbindungen zwischen Parteien und Verbänden steht im Mittelpunkt dieses Promotionsvorhabens. Dabei konzentriert sich der Verfasser auf Reaktionen von Partei-Verband-Koalitionen auf zahlenmäßig geringer und heterogener werdende Klientelgruppen. Zentrale Fragestellung ist dabei: Wieso bleiben Netzwerke zwischen Parteien und Verbänden persistent, wenn doch die Bedeutung der vom Verband vertretenen sozialen Gruppe abnimmt? Ausgehende Problemstellung sowie konkreter Untersuchungsgegenstand ist dabei die Beziehung zwischen CSU und Sudetendeutscher Landsmannschaft, der trotz sinkendem Mitgliederpotential ein beständiger großer Einfluss auf die christlich-soziale Tschechienpolitik attestiert wird. Um die Fragestellung zu beantworten, bedient sich der Verfasser zweier Theoriestränge, die jeweils für sich eingeschränkte Erklärungsreichweite zur Fragestellung aufweisen. Zum einen werden sozialstrukturelle Theorien (Cleavage-Theorie) herangezogen, die den Ursprung von Parteien-Verbände-Koalitionen erklären können, bei abnehmender Bedeutung der sozialen Gruppe aber eine Lockerung der Beziehung voraussagen. Zum anderen die Methode der Politischen Netzwerkanalyse, mittels derer anhand des Netzwerktyps Klientelismus anschaulich der bestehende Einfluss des Verbandes auf die Partei dargestellt werden kann, nicht jedoch der Grund für das Fortbestehen des Netzwerkes selbst. Mittels einer Synthese beider Theoriestränge soll ein Variablenset erarbeitet werden, das durch die Überprüfung im empirischen Teil der Arbeit nach einer Erläuterung der abnehmenden Bedeutung der sozialen Gruppe, anhand eines Netzwerküberblicks, einer detaillierten Netzwerkanalyse sowie drei Fallbeispielen grundlegend neue theoretische Erkenntnisse zur Wechselwirkung von Parteien und Verbänden ergeben soll.

Betreuer der Dissertation: Prof. Dr. Martin Sebaldt
Hochschulort: Regensburg
Kontakt:
hopp_gerhard@...