Professur Europäische Regierungssysteme im Vergleich






Promotionskolleg "Politik- und Parteienentwicklung in Europa"

Cathrin Gräber

Die nachgeholte Parteiwerdung der UMP – eine Analyse mit deutsch-französischer Perspektive

Die Ära der Parteien ist – allen Unkenrufen auf ihre schwindende Integrationskraft zum Trotz – noch lange nicht vorbei: erst recht nicht in Frankreich, obwohl Parteien dort traditionell als schwach bezeichnet werden. Die französischen Parteien sind überspitzt formuliert "besser als ihr Ruf", auch wenn Metamorphosen nach wie vor an der Tagesordnung sind. Durch die am Vorbild der deutschen Christdemokraten neu gegründete liberal-gaullistische Sammlungspartei Union pour un Mouvement Populaire (UMP) hat die bürgerliche Rechte in Frankreich einen qualitativen Bedeutungszuwachs erfahren. In Deutschland stellt die dauerhafte Etablierung der Linkspartei und die Schwierigkeit, strukturelle Mehrheiten zu erhalten, die bürgerlichen Parteien vor neue Aufgaben, was die CDU veranlasst, sich als politische Mitte zu definieren.

In der Dissertation soll eine Analyse der UMP unter Rückgriff auf die Situation der CDU erfolgen, so dass die beiden großen bürgerlichen Rechtsparteien in Frankreich und Deutschland in den Fokus rücken und erstmals in Bezug zueinander stehen: Anhand der CDU als Referenzmodell analysiert die Autorin die organisatorische Transformation der UMP seit 2002. Die Hypothese einer "europäischen Banalisierung" der bürgerlichen Rechten in Frankreich, die zu einer ideologischen und organisatorischen Konvergenz der europäischen Parteien führt, stellt die Grundlage der Gegenüberstellung dar. Die Verwendung des Begriffs der nachgeholten Parteiwerdung, ursprünglich für die CDU in den siebziger Jahren entwickelt, erklärt sich durch die auffallend ähnliche, "verspätete" Entwicklung der Parteistrukturen der UMP im zeitversetzten Vergleich zur CDU. Die Annahme ist, dass die Parteiorganisation sowie die innerparteiliche Demokratie eine Aufwertung erfahren haben.

Diese beiden Aspekte einer politischen Partei, Organisation und innerparteiliche Demokratie, stehen im Fokus der Arbeit. Wie ist die Macht innerhalb der Partei verteilt und wie geschieht die Einbindung der Mitglieder? Kann man von einer "nachgeholten Parteiwerdung" der UMP sprechen? Institutionelle Einflüsse, historische Rahmenbedingungen, interne Entwicklungen sowie der Einfluss von Führungspersönlichkeiten kommen zum Tragen. Die Arbeit stützt sich auf den organisationstheoretischen Ansatz der vergleichenden Parteienforschung sowie auf theoretische Modelle, die die Veränderungen einer Partei erklären. Der Entwurf eines integrativen Modells zur Parteientwicklung von Chrysa Lamprinakou soll im Mittelpunkt stehen.

Foto Gräber
Cathrin Gräber

Betreuer der Dissertation: Prof. Dr. Eckhard Jesse (TU Chemnitz), Florence Haegel (CEVIPOF, Sciences Po Paris)

Hochschulort: Chemnitz, Paris

Kontakt: E-Mail cathrin.graeber@...