Obwohl die institutionelle Verortung des MfS, seine Subordination unter die Staatspartei und das zentrale Verhältnis von SED und Staatssicherheit weitgehend erforscht sind, fehlt es bislang an grundlegenden exemplarischen Regionaluntersuchungen zum Verhältnis von SED und MfS. Folgt man der Grundannahme, das MfS sei das unabdingbare Herrschaftsinstrument der Partei gewesen, so waren die regionalen MfS-Dienststellen die bedeutungsvollen Mittelinstanzen der Partei. Hier war vor Ort Parteiarbeit zu leisten und die Rolle als "Schild und Schwert der Partei" auszufüllen. Die Staatssicherheit übernahm dabei die Funktion einer "Weltanschauungsexekutive" und agierte fernab jeglicher Rechtsstaatlichkeit. Die herausragende Stellung des MfS im DDR-System führt zu zwei Leitfragen, die den Kern der Untersuchung darstellen:
Folgende Unterfragen werden dabei zu beantworten sein: Gab es einheitliche Umsetzungspläne der Parteiaufträge und inwieweit stand die Praxis der Staatssicherheit den zugewiesenen Aufgaben entgegen? Wie stark war die Bindung des "kämpfenden" Organs an die Staatspartei? Wie transparent war die Arbeit des MfS für die SED-Führung? Wie wurde auf Kompetenzüberschreitungen des MfS reagiert? War die Rollenverteilung von Befehlsempfänger und Befehlsgeber stets eindeutig? Die Beantwortung dieser Fragen trägt insbesondere dazu bei, Wirkungszusammenhänge und Funktionsmechanismen der DDR-Diktatur und der in ihr agierenden Staatspartei herauszustellen und zu generalisierbaren Aussagen zu gelangen.

Betreuer der Dissertation: Prof. Dr. Eckhard Jesse (TU Chemnitz)
Hochschulort: Chemnitz
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