Professur Europäische Regierungssysteme im Vergleich






Promotionskolleg "Politik- und Parteienentwicklung in Europa"

Dipl.-Pol. Marleen Gambel

Politischer Extremismus in Deutschland. Eine Risikofeldanalyse

Ungeachtet der Vielzahl an Publikationen zum Themenkomplex des politischen Extremismus existieren auch heute noch erhebliche Forschungsdefizite, so dass zu Recht von der Extremismusforschung als einem Stiefkind der Politikwissenschaft gesprochen werden kann.

Während sich die Erforschung des Rechtsextremismus mit einer wahren Flut von Studien – je nach tagespolitischer Aktualität gewissen konjunkturellen Schwankungen unterworfen – großer Beliebtheit erfreut, scheint es im Bereich des Linksextremismus bei vielen Sozialwissenschaftlern weiterhin Berührungsängste zu geben, so dass das Wissen um dieses Phänomen weitaus geringer ist. Noch seltener sind vergleichende Untersuchungen. Dabei mangelt es sowohl an Länder-Vergleichen, als auch insbesondere an Vergleichen zwischen rechts- und linksextremistischen Erscheinungen. Obwohl die meisten der vorhandenen Untersuchungen implizit von einer Gefährdung des demokratischen Verfassungsstaates durch extremistische Bestrebungen ausgehen, herrscht weiterhin ein deutlicher Mangel an Systematik bei der Gefahrenanalyse vor.

Das hier geplante Dissertationsprojekt soll einen Beitrag dazu leisten, diese Forschungslücke zu schließen. Ziel der Arbeit ist es, ein Modell zu entwickeln, das eine qualitative Bewertung des vom politischen Extremismus ausgehenden Gefahrenpotentials ermöglicht, anstelle der bisher vorherrschenden quantitativen Beurteilung anhand von Personenpotentialen, Wählerzustimmung oder Anzahl der Straftaten.

Nachdem hierfür zunächst die wichtigsten extremismustheoretischen Konzepte und Begriffe diskutiert und eine Zuordnung "demokratischer Zweifelsfälle" wie REP und die Linke vorgenommen werden, steht die Frage im Mittelpunkt, inwieweit sich die bisher in der Extremismusforschung gängige Rechts-Links-Dichotomie zur Untersuchung des aktuellen Gefahrensituation eignet und wie die unterschiedlichen Erscheinungsformen des politischen Extremismus jenseits der ideologischen Trennlinie alternativ sinnvoll kategorisiert werden können. Dabei soll erforscht werden, welche Art der Gefährdung von den einzelnen Kategorien ausgeht, welche Indikatoren geeignet erscheinen, die jeweiligen spezifischen Risiken zu ermitteln und zu bewerten und wie diese zu gewichten sind.