Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, ob und inwieweit die Staatsorganisation der zu untersuchenden Länder (föderal oder einheitsstaatlich) und – innerhalb der Staatsorganisation – der Zentralisierungs- bzw. Dezentralisierungsgrad der Aufgabenverteilung mit dem unterschiedlichen Ausmaß der Ganztagskinderbetreuung zusammenhängt. Um die Interaktion von territorialer Herrschaftsstruktur und dem Angebot an Kinderbetreuung analysieren zu können, sollen auf der Basis eines qualitativen Vier-Länder-Vergleichs folgende Punkte geklärt werden:
Zur Aufdeckung von Zentralisierungs- und Dezentralisierungsprozessen muss die Entwicklung der Verteilung familienpolitischer Staatsaufgaben innerhalb der territorialen Herrschaftsstruktur in den vier Ländern historisch nachgezeichnet werden. Dazu bedarf es der Herausarbeitung derjenigen Umstände und Faktoren, welche die Verlagerung familienpolitischer Kompetenzen sowohl auf die nationale Ebene als auch auf die subnationalen Ebenen ausgelöst haben. In einem letzten Schritt sollen dann die verschiedenen Modi und Konsequenzen der Dezentralisierung analysiert werden. Hier geht es um die Frage, welche Formen die Dezentralisierung jeweils annimmt und welche Auswirkungen diese Formen auf den Ausbau bzw. den Bestand der Kinderbetreuung haben.
Der Arbeit liegt die Hypothese zugrunde, dass das Konzept der Dezentralisierung nicht nur für eine Flexibilisierung des politischen Handelns steht, sondern auch für einen vergrößerten Handlungsspielraum subnationaler Einheiten, die dadurch die Möglichkeit erhalten, Innovationen herbeizuführen. Bedeutet Dezentralisierung in diesem Sinne Innovationswettbewerb und stellt sie kein "race-to-the-bottom" um knappe finanzielle Ressourcen dar, birgt sie Chancen, um Antworten auf die immer komplizierter werdenden Regierungsprobleme zu finden.

Betreuer der Dissertation: Prof. Dr. Eckhard Jesse (TU Chemnitz)
Hochschulort: Chemnitz
Kontakt:
Sandra.Fischer@...