Sag
mir , wie viel Sternlein stehen...
und
wie sie alle heißen!
Von Michael Chlebusch
Mystisch,
romantisch, unendlich.. es gibt tausend Arten das nächtliche Himmelsgewölbe
zu beschreiben. Aber nur wenige wissen die Namen dessen, was sie da sehen.
„Mein
Vater Erklärt Mir
Jeden Sonntag Uns're Neun
Planeten.“
Ein schöner Merksatz aus der Schulzeit für alle, die sich die Namen
der Planeten unseres Sonnensystems nicht merken können: Merkur, Venus,
Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Beigebracht wurde uns
das im Fach Astronomie, welches sich ja dem Namen nach, anders als die Astrologie,
nicht mit der Deutung , sondern mit der Benennung von Himmelsobjekten beschäftigt.
Aber wonach werden Himmelsobjekte denn eigentlich benannt?
Ordnung muss sein
Nur die wenigsten Gestirne haben wirkliche Namen. Sterne mit Eigennamen sind
meist sehr hell oder auffällig und wurden daher schon in der Antike oder
dem Mittelalter beobachtet und benannt.
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Wer
soll sie alle kennen?
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Meist tragen sie griechische oder
arabische Namen, wie Sirius, griechisch für ‚flammend',
oder Denebola, arabisch für ‚Schwanz des Löwen'.
Latein spricht man dagegen eher selten am Firmament, von den Götternamen
der neun Planeten und den mythologischen Sternbildern einmal abgesehen.
Natürlich kennt
jede Sprache auch eigene Bezeichnungen für einige dieser Objekte und
so kann es passieren, dass ein Stern wie Vega über 40 bekannte Titel
trägt. Vor Missverständnissen ist dieses System demnach nicht gefeit,
war doch die Venus im Volksmund einst auch als Morgenstern und Abendstern
bekannt.
Ein recht großes Chaos, in welchem der deutsche Astronom Johann Bayer
Ordnung schaffen wollte. Die 1603 von ihm eingeführte Bayer-Bezeichnung
verbindet einfach den Ort des Sternes mit dessen Leuchtkraft: Dem lateinischen
Genitiv des Namens des Sternbildes geht dabei ein griechischer Buchstabe voran.
Alpha-Centauri ist wahrscheinlich der bekannteste Vertreter dieser
Art und stellt den hellsten Stern im Bild Zentaur dar.
Ein ähnliches System
entwickelte der Brite Flamsteed, der die Sterne nach den Bildern nummerierte.
Doch mit steigender Genauigkeit der Beobachtung und rapide steigender Zahl
der entdeckten Objekte gerieten auch diese Methoden schnell an ihre Grenzen.
Ein
Stern namens Ilse
„Eine der romantischsten und phantasievollsten Ideen ist die Sterntaufe. Ein
Geschenk von höchster Symbolkraft!“ heißt es werbewirksam auf einer
Internetseite, die den Kauf von Sternennamen anbietet. Für nur 130 Euro
gibt es dort ein ungerahmtes Zertifikat samt Sternenkarte und Broschüre.
Ein tolles Angebot für die Benennung eines Sternes oder sogar eines ganzen
Sternhaufens! Doch kein Wissenschaftler, kein Hobbyastronom wird den Namen
des Käufers oder dessen großer Liebe jemals erfahren oder benutzen.
Denn dieser funkelt lediglich in der Datenbank der anbietenden Firmen.
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NGC
6537, Die Rote Spinne
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Wer wirklich einen Stern benennen
will, der muss sich heutzutage an die IAU wenden, die Internationale Astronomische
Union. Und deren Bezeichnungsvor- schriften sind alles andere als romantisch.
Acronym^Sequence^(Specifier) lautet dort die offizielle Namensgebungs-
vorschrift für „astronomische Strahlungs- quellen außerhalb des
Sonnensystems“. Das Acronym ist ein Kürzel für den Katalog oder
die Beobachtungsreihe, in der das Objekt erscheint, die Sequenz bezieht
sich auf dessen Koordinaten am Himmel , der Specifier ist optional, um eventuelle
Verwechslungen zu vermeiden. Die Folge sind Namen wie H2O G123.4+57.6 (VLSR=-185).
Natürlich erhalten einige besonders auffällige Objekte auch nach
wie vor Eigennamen. So sind der Ameisennebel (Mz3) oder NGC 6537,
der Red Spider Nebel, Belege, dass auch Astronomen noch Phantasie
und Kreativität in ihre Arbeit einbringen.
Eine Möglichkeit gibt es dennoch, an das eigene Himmelsobjekt zu gelangen.
Wer genug Glück und Geduld hat, als erster einen Asteroiden oder Kometen
zu entdecken, dessen Name wird in ihm verewigt. Und wer weiß, vielleicht
wird dieser Komet ja einmal mit der Erde kollidieren - eine Erwähnung
in den Abendnachrichten ist dann sicher.
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Der
Ameisennebel Mz3
Bilder:
Nasa (www.nasa.org)
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Weiteres zur Namenskunde bei LEO:
Wie wir Kinder benennen: Friedrich
hat mehr Sex-Appeal als Otto. Vom Segen und Fluch der Vornamen.
Auch Fisch-Gene haben Namen: Wie
benennen Entwicklungsbiologen Genmutanten?
Webseite
der Internationalen Astronomischen Union
(IAU).
Mehr schöne Bilder des Hubble Space
Telescopes.
Veröffentlicht
am 13.12.2005
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