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Beitrag
Schreibwettbewerb 2005
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Andere Länder, andere Art zu sprechen
Interkulturelle Kommunikation stellt Geschäftsleute immer wieder vor große Probleme
Von Astrid Schwarzenberger
"So nicht!" Jason Carmichael traute seinen Ohren nicht - mit einer solchen Reaktion seines Vorgesetzten hatte er nicht gerechnet. Er hatte doch dessen Frage, ob er mit zum Essen kommen wolle, mit einem enthusiastischen "Yeah, that would be great!" beantwortet - voll im Bewusstsein, dass es für ihn als amerikanischen Praktikanten eine Ehre darstellte, mit dem schon älteren Filialleiter der traditionsreichen englischen Bank zum Essen gehen zu dürfen. Und jetzt dieses empörte Gesicht und die spitze Bemerkung, mit so einer Einstellung sei er hier fehl am Platze? Jason verstand die Welt nicht mehr.
Vielleicht hätte sich Jason vor dem Beginn seines Praktikums ein paar Gedanken zum Thema Sprache im Beruf machen sollen. Zum einen, weil er sein Praktikum in einer Bank absolvierte, also in einer eher konservativen Branche, die auch entsprechende Erwartungen an die mündliche wie schriftliche Ausdrucksweise hat. Und zum anderen, weil er zwar nicht eine andere Sprache anwandte, aber die vertraute Sprache in einem anderen Land. Und der Spruch "andere Länder, andere Sitten" gilt eben auch in Bezug auf Kommunikation.
"Yes" ist nicht gleich "Yeah"
Jasons Vorgesetzter hätte von ihm einfach eine andere Wortwahl erwartet. Das "yeah" - eine für Jason völlig übliche und keineswegs unhöfliche Form von "Ja" - war nach dem Sprachverständnis des älteren englischen Bankdirektors eine viel zu umgangssprachliche Antwort, die wenig Respekt für den Rang des Vorgesetzten zu bezeugen schien. Der Bankdirektor hatte dies mit seinem Hinweis, eine solch laxe Einstellung sei hier nicht erwünscht, seiner Ansicht nach auch sehr deutlich kommuniziert. Da sich aber beide über die unterschiedliche Bedeutung des Wortes "yeah" im amerikanischen bzw. englischen Sprachraum nicht bewusst waren, verstand keiner den anderen richtig. Hätte Jason sich mit der in England üblichen Wortwahl vertraut gemacht und einfach nur "yes" anstelle von "yeah" geantwortet, hätte einem die Karriere fördernden Essen wohl nichts mehr im Wege gestanden.
Vielleicht ist es Jason gelungen, das Missverständnis noch aufzuklären, das sich also einzig und allein auf die Wortwahl bezogen hatte. Für jemanden aus einem von der englischen Kultur noch weiter entfernten Kulturkreis hätte es womöglich noch viel mehr Kommunikationsprobleme gegeben.
"Das wird sehr schwierig" heißt "Nein"
Für Missverständnisse in der interkulturellen Kommunikation gibt es eine Vielzahl von Quellen - viele von ihnen sind darauf zurückzuführen, dass es neben der "reinen Sprache", das heißt dem verbalen Kanal, noch weitere Kommunikationskanäle gibt und dass jede Kultur diesbezüglich unterschiedliche Gepflogenheiten hat. Das betrifft sowohl die mündliche wie auch die schriftliche Kommunikation. Da die meisten Verständigungsprobleme aber bei der mündlichen Kommunikation auftreten, soll hier nur die mündliche Kommunikation näher betrachtet werden.
Kommunikation in Japan ist anders.
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Wie Jasons Beispiel gezeigt hat, kann es aufgrund der Wortwahl bereits Probleme geben. Umso schwieriger wird es noch, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen ihre Botschaft mehr oder weniger deutlich aussprechen. Dass man in Geschäftsverhandlungen mit japanischen Partnern kaum je ein echtes "Nein" zu hören bekommen wird, kann inzwischen fast als allgemein bekannt gelten - ein Satz wie "Das wird sehr schwierig" gilt dort schon als überdeutliche Absage, die jede weitere Diskussion zum Scheitern verurteilt. Wohl dem, der sich dessen bewusst ist und nicht fragt, wie man denn die Schwierigkeiten beheben könnte...
Satzmelodie ist regional unterschiedlich
Es geht aber nicht nur um das, was gesagt wird, sondern auch darum, wie es gesagt wird: Auch im Bereich der paraverbalen Kommunikation gibt es Fallstricke. Jede Sprache hat ihren eigenen Rhythmus, folgt festen Sprachmelodien und misst Pausen zwischen verschiedenen Gesprächsbeiträgen eine mehr oder weniger große Bedeutung bei. Wenn man diese Regeln, derer man sich meist gar nicht bewusst ist, auf eine andere Sprache überträgt, kann sich die Botschaft plötzlich ungewollt verändern. Sprechen Sie den Satz "Können Sie mir folgen?" einmal laut vor sich hin, so wie Sie ihn freundlich in ein Gespräch einfließen lassen würden, um sich zu vergewissern, dass Ihr Gegenüber Ihre Ausführungen verstanden hat. Haben Sie gehört, wie Sie am Satzende mit der Stimme hochgegangen sind? Klar, das macht man im Deutschen eben, um eine Frage zu markieren. Nun probieren Sie es noch einmal mit pakistanischer Fragesatzmelodie: Dabei geht Ihre Stimme am Satzende nicht hoch. Na, wie hört sich das an? So sehr Sie sich Mühe geben, es klingt in Ihren deutschen Ohren nicht mehr freundlich, oder? Und auch nicht nach einer echten Frage. Fast sollte man meinen, Sie wollten unterstellen, der Gesprächspartner sei in jedem Fall zu blöd, Sie zu verstehen. Auf diese Weise kann ein Pakistani sein deutsches Gegenüber auch mit durchweg freundlich gemeinten Fragen schnell brüskieren, ohne es zu wollen.
Wie viel Augenkontakt ist richtig?
Man braucht kein Pantomime zu sein - auch jede normale Kommunikation im Berufsalltag ist ohne nonverbale Elemente kaum vorstellbar. Und auch hier gibt es wieder interkulturelle Unterschiede, die manche Geschäftsverhandlung erschweren können. Dass es etwa in arabischen Ländern als beleidigend gilt, wenn man dem Gegenüber die Schuhsohlen zeigt, ist eines der Standardbeispiele für Kommunikationsprobleme im Bereich der Körpersprache. Aber auch in Bezug auf den Blickkontakt können Unterschiede auftreten. So gibt es in jeder Kultur eine gewisse als normal empfundene Zeitspanne dafür, wie lange man einem Geschäftspartner bei einem Gespräch direkt in die Augen sieht (wenn dies denn überhaupt üblich ist - direkter Augenkontakt ist in manchen Ländern keine Selbstverständlichkeit).
Augenkontakt halten oder nicht? Quelle: http://gis.geo.fhm.edu
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Auch das können Sie in jedem Gespräch selbst ausprobieren: Sehen Sie Ihrem Gegenüber einfach ohne Pause in die Augen, lassen Sie Ihren Blick nicht zwischendurch woandershin wandern - auch nicht bei Gesprächspausen. Sie können sich ziemlich sicher sein, dass sich ein Deutscher nach einiger Zeit unwohl zu fühlen beginnt - er fühlt sich nun wirklich beobachtet. Misstraut man ihm etwa? Vielleicht ist es sogar Ihnen selbst schwer gefallen, Ihren Blick so lange nur auf die andere Person zu richten? Nun, in Brasilien zum Beispiel dauert der durchschnittliche direkte Augenkontakt länger als hierzulande, wo man auch in sehr konzentrierten Gesprächen die Augen auch mal woandershin richtet, z.B. auf die eigenen Unterlagen. Wenn Sie ein brasilianischer Geschäftspartner also länger ansieht, als es Ihnen normal erscheinen würde, heißt das nicht, dass er Sie scharf beobachten will, sondern er hört Ihnen eben konzentriert und höflich zu.
Pünktlichkeit ist auch Kommunikation
Kommunikation ist aber auch noch über einen Kanal möglich, der mit der eigentlichen, verbalen Kommunikation gar nichts mehr zu tun hat und darum extraverbal genannt wird. Zum Beispiel ist Pünktlichkeit ein Element paraverbaler Kommunikation: Mit ihr kann man einem Geschäftspartner signalisieren, dass er einem wichtig ist - problematisch ist allerdings, dass es je nach Kultur unterschiedliche Auffassungen davon gibt, was pünktlich ist. Deutsche haben hier andere Vorstellungen als etwa Ägypter. Eine Anpassung an die ägyptischen Gepflogenheiten kann sich aber als falsch erweisen: Deutsche gelten in Ägypten als sehr pünktlich, und diese Eigenschaft wird auch an ihnen geschätzt, daher wird vielfach von ihnen erwartet, wirklich genau zum verabredeten Termin zu erscheinen.
Interkulturelle Kommunikation birgt also etliche Probleme, die sogar noch über die "reine" Sprache hinausgehen. Sie sind aber vermeidbar, wenn man sich die zugrunde liegenden Unterschiede zwischen den Kulturen bewusst macht. Hoffen wir also, dass Jason sich das nächste Mal im Vorfeld besser informiert und keine Patzer in Bezug auf interkulturelle Kommunikation macht, wenn er sein nächstes Praktikum in China absolviert.
Informationen
zur Verfasserin: Astrid Schwarzenberger wohnt in Hannover und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschul-Informations-System GmbH.
zu
den Wettbewerbsbeiträgen 2005
Veröffentlicht
am 26.06.2006
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