Nomen est omen
Der Konzern mit dem Stern in Namensnöten
Von Katja Schuld
Einen Namen für einen neuen Erdenbürger
zu finden ist freilich eine Sache, die man nicht zwischen Tür und Angel bespricht.
Er mag wohl überlegt sein, der Name. Immerhin hat der Mensch den Namen sein
Leben lang und er hat eine Identifikationsfunktion.
Auch Produkte werden über
den Namen identifiziert. Mit dem Namen Daimler Chrysler verband man fast ein
Jahrzehnt eine Unternehmensmarke. Doch damit ist es nun vorbei. Neun Jahre
nach der Fusion von Daimler Benz und dem amerikanischen Konzern Chrysler trennte
man sich vergangene Woche von Chrysler. Ein Minusgeschäft par exellence
und ein Beispiel dafür, wie man es nicht macht. Kaum ist die Autobauerehe
geschieden, wird darüber spekuliert, wie das alte, neue Kind nun heißen
soll.
Glaubt man den Berichten des Konzerns,
so haben die Stuttgarter wohl wieder Glück gehabt, denn sie „schaffet
weiter beim Daimler“. Nur die Mannheimer, die „beim Benz schaffe“ schauen
in die Röhre. Es sieht fast so aus, als ob sie im Zuge der neuen Diskussion
um die Namensgebung jetzt wieder den Kürzeren ziehen. Die Region im Rhein-Neckar-Dreieck
ist wenig erfreut, hinsichtlich der Entscheidung, die der Vorstandsvorsitzende
Zetsche verkündete. In der Stuttgarter Konzernzentrale gingen daraufhin
zahlreiche Protestanrufe ein. Aber der Autobauer bleibt hart: Das künftige
Unternehmen wird Daimler AG heißen.

Hergestellt wird die Edelkarosse nach wie vor. Aber wie soll
sie heißen?
Ein Zurück zum traditionellen
Daimler Benz wird ausgeschlossen. Da nützte bisher auch ein Antrag von
Aktionären auf der Hauptversammlung im April nichts, die den alten Namen
forderten. Auch der Mannheimer Stadtrat, der sich in einer Resolution gegen
die Namensgebung zu Wehr setzte, biss mit seinem Schreiben auf Granit. Die
Mannheimer argumentieren, dass zum einen schon beim letzten Konzernumbau 1998
der Namensbestandteil Benz verloren ging. Zum anderen – was noch viel wichtiger
scheint – der Name Carl Benz einen bedeutenden Platz in der weltweiten Automobilgeschichte
einnimmt. Immerhin wurde in Mannheim das erste patentierte Auto gebaut. Der
Autobauer reagiert prompt: Die Entscheidung für den Namen Daimler AG
soll nicht so gesehen werden, dass man dem berühmtesten Sohn der Stadt
Mannheim geringe Wertschätzung entgegen bringe. Aus rein markenrechtlichen
und strategischen Gründen halte man an der verkündeten Namensgebung
fest. Würde man zum traditionellen Namen Daimler Benz AG zurückkehren,
gäbe es eine Vermischung von Unternehmens- und Produktmarke. Fragt sich
nur, warum es früher keinen gejuckt hat, dass die Namen gemixt wurden.
Zudem werden kritische Stimmen
laut, dass der Konzern sich mit dem alten Namen eingestehen müsste, dass
die Fusion gescheitert wäre – was ja nun schließlich Fakt ist.
Und vertuschen lässt sich da auch nichts mehr. Also, warum nicht zurück
zum alten Namen? Mit dem Eingestehen von Fehlern kann man mitunter mehr Größe
beweisen, als sich nun einen neuen Namen zu basteln. Und man suggeriert, zumindest
nach außen, die Rückkehr zur Kernkompetenz. Oder denken die Manager
in Stuttgart, dass sich mit einem neuen Namen mehr Automobile verkaufen lassen?
Man weiß es nicht. Zetsche wehrt sich auf jeden Fall vehement gegen
den alten Namen. Es soll nicht der Eindruck entstehen, man fange wieder dort
an, wo man vor vielen Jahren schon einmal stand, ist das Argument.
Was für allerdings für
den Namen Daimler AG sprechen würde, ist der Umstand, dass man theoretisch
auf den alten Briefbögen, Schildern und Visitenkarten lediglich mit einem
schwarzen Edding das Chrysler übermalt. Einen Haufen Geld kann man damit
einsparen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, denn
der Namenänderung muss eine außerordentlich einberufene Hauptversammlung
zustimmen. Und bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein runter. Es
bleibt bei der Entscheidung jedoch zu bedenken, dass kein Mensch einen Daimler
fährt, sondern höchstens einen Benz oder einen Mercedes.
Veröffentlicht
am 22.05.2007
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