WIRTSCHAFT
Feature
LEO Schuld Corporate TV


Audiovisuelle Imagepflege

Corporate TV ist ein wenig Hollywood mit viel Information


Von Katja Schuld


Mitarbeiter M. sieht fern. Während der Mittagspause im Unternehmen. Neugierig steht er mit seiner Wurstsemmel in der Hand und den Kollegen vor einem Fernseher, der im Pausenraum aufgestellt ist. Sie sehen und hören die latest news der bevorstehenden Fusion. Der Artikel in der Mitarbeiterzeitung, die seit gestern in der Kantine liegt, ist schon wieder überholt. Zu viele neue Nachrichten prasseln zurzeit auf die Mitarbeiter ein. Da heißt es Überblick bewahren. Und am besten bekommt man diesen mit einem schnelleren Medium.


Corporate TV bei Douglas
Quelle: jpp.de

Das Fernsehen wird als Informationsinstrument immer mehr wahrgenommen und als zusätzliche Komponente in das vorliegende Kommunikationskonzept des Unternehmens integriert.

Die Kommunikationsabteilungen machen sich dabei zunutze, dass das Fernsehschauen eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung des Menschen ist. Es löst ein gewisses Freizeitempfinden aus und man nimmt dadurch sofort eine entspanntere Haltung ein. Die Aufnahmefähigkeit kann möglicherweise so gesteigert werden, gerade bei Botschaften, die von der Unternehmensleitung kommen.

Das Fernsehen wird als Informationsinstrument immer mehr wahrgenommen und als zusätzliche Komponente in das vorliegende Kommunikationskonzept des Unternehmens integriert. Die Kommunikationsabteilungen machen sich dabei zunutze, dass das Fernsehschauen eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung des Menschen ist. Es löst ein gewisses Freizeitempfinden aus und man nimmt dadurch sofort eine entspanntere Haltung ein. Die Aufnahmefähigkeit kann möglicherweise so gesteigert werden, gerade bei Botschaften, die von der Unternehmensleitung kommen.

Vom Business TV zum Corporate TV
Viele Unternehmen setzen das Instrument nicht regelmäßig ein. In Zeiten von Fusionen und strukturellen Veränderungen hat sich das Corporate TV bewährt, aber als flächendeckende Investition ist es vielen noch zu teuer. Etwa 50 bis 70 Unternehmen in Deutschland bieten heute Corporate TV an, früher unter dem Namen Business TV bekannt. „Der Begriff wurde Mitte der achtziger Jahre geprägt, um sich von den bis dahin allgemeinen Bezeichnungen wie Teleconferencing und Videoconferencing abzuheben. Im Wesentlichen geht es darum, die Produktion und Verteilung von Fernsehprogrammen für geschlossene Nutzergruppen zu erreichen“ schreibt Michael Broßmann in einem Aufsatz von 1997.

Die Corporate TV Association (CTVA), ein Verein für Bewegtbild-Kommunikation in München, versteht unter dem heute gängigen Begriff des Corporate TV „alle Bewegtbild-Maßnahmen eines Unternehmens oder einer Institution, die nicht unter die Begriffe Rundfunk oder Werbung fallen“. Die CTVA unterscheidet das Corporate TV nach Funktionen, Inhalten und technischen Formen: Unter „funktional“ fallen unter anderem die Begriffe Firmen-, Mitarbeiter- oder Kundenfernsehen und Sendefenster. „Inhaltlich“ werden Unternehmenskommunikation, E-Learning und Marketing genannt. Der „technischen“ Seite werden die Begriffe der Übertragung wie Internet, Intranet, UMTS oder Offlinemedien (CD, DVD, etc.) zugeordnet.


Weiterbildung heute: Seminar per Video und E-Learning
Quelle: jpp.de

Dialog mit dem Ziel der Identifikation
Corporate TV ist eine der nachhaltigsten Formen, um völlig unabhängig von Ort und Zeit den Dialog zu pflegen, denn via Television werden die Verantwortlichen gesehen und gehört. Das baut Barrieren ab und ermöglicht einen direkt spürbaren Kontakt. Das Medium sollte daher nicht als Plattform für eine Selbstdarstellung der Konzernführung dienen. Es geht vielmehr darum, dass über Hierarchieebenen hinweg alle die gleichen Informationen bekommen. So können oftmals Gerüchteküchen vermieden werden. Das zusätzliche Angebot zur Interaktion soll Mitarbeiter motivieren. Das heißt, dass zum Beispiel bei Live-Sendungen die Mitarbeiter aufgefordert werden, zu einem bestimmten Thema per Email oder Telefon Stellung zu beziehen. Weiter soll Corporate TV dabei helfen, dass sie sich besser mit dem Unternehmen und seiner Philosophie identifizieren können.

Informationen für alle Standorte
Die Kostenfrage lässt einige Unternehmen noch vor der Initiierung eines eigenen TV Programms im Betrieb zurückschrecken. Doch Sendungen können outgesourced werden. Sie werden in diesem Fall von außen stehenden Produktionsfirmen übernommen, die Schaffung eines eigenen Teams und die Anschaffung teurer Geräte entfallen somit. Gerade bei stark expandierenden Unternehmen kann sich das Fernsehen als Mittel der internen Kommunikation lohnen.

Zum Beispiel werden Nachrichten in den Sprachen Englisch und Deutsch redaktionell aufbereitet, produziert und können so um den gesamten Erdball zur Informationsweitergabe in allen Standorten genutzt werden. Die Hürde verschiedener Zeitzonen sollte kein Problem darstellen. Aktuelle Themen, Projekte oder Prozesse erreichen die Mitarbeiter sofort. Daneben spielt die Schnelligkeit eine große Rolle. Bis die Mitarbeiterzeitung den Redaktionsschluss erreicht hat oder aus dem Druck kommt, ist die Nachricht wahrscheinlich bereits veraltet und erzielt eventuell nicht mehr die erhoffte Wirkung.

Weiterbildung per TV
Der Informationsfluss lässt sich so mit Corporate TV im Unternehmen einfach und zentral steuern. Komplexe Zusammenhänge und Entwicklungen in der Unternehmenspolitik können mit diesem Instrument transparent und verständlich gemacht werden. Die Nutzung des audiovisuellen Mediums beschränkt sich zudem nicht nur auf die Weitergabe von Informationen, sondern kann auch zur Vermittlung von Fachwissen oder Schulung von Mitarbeitern eingesetzt werden. Beim Thema Weiterbildung bietet Corporate TV eine günstigere Möglichkeit des E-Learnings und eine zielgruppengerechte Wissensvermittlung. Eine multimediale Darstellung von Lerninhalten mit Filmen und Grafiken lässt Informationen intensiver und nachhaltiger wirken. Das Medium bietet eine schnelle, kostengünstige und effektive Alternative zur herkömmlichen Wissensvermittlung bei Schulungen und Produkteinführungen, technischen Informationen und Arbeitssicherheit. Findet keine Weiterbildung statt, kann via Bildschirm unter dem Stichwort „Best Practice“ die Weitergabe von Erkenntnissen für alle anderen Bereiche eines Unternehmens zur ständigen Verbesserung der Prozesse genutzt werden.


Mal eben die News checken:
Walk-By-Station bei BMW
Quelle: pressebox.de

Und wie kommt das TV zum Mitarbeiter?
Ein Zugang zum firmeneigenen Intranet genügt, um Corporate TV zu empfangen. Leistungsfähige Datennetze und Schnittstellen zu den Usern erleichtern den schnellen und direkten Zugang zum Corporate TV. Die Technik Streaming Media garantiert, dass die Sendung oder der Beitrag mit stets gleich bleibender Qualität beim Zuschauer ankommt.


Mitarbeiter ohne Intranetzugang können aufgezeichnete Filme oder Sendungen über Monitore an stark frequentierten Aufenthaltsorten sehen. Dabei handelt es sich zumeist um den Einsatz von Infosäulen, so genannte „Walk-By-Stationen“, die zum Beispiel in Produktionshallen aufgestellt werden. Auch Pausenräume können einen solchen Treffpunkt darstellen. Für externe Zielgruppen wie Kunden, Vertriebs- oder Servicepartner empfiehlt sich ein limitierbarer Zugang zum Intranet – das Extranet. Zusätzlich können produzierte Filme auf der Internetseite des Unternehmens angeboten werden.

Glaubwürdigkeit ist das A und O
Corporate TV ist ein vielseitiges Instrument, das Zielgruppen effizient erreichen kann, sei es national oder weltweit. Gerade in Krisenzeiten kann es ein nützliches Kommunikationsinstrument sein. Auf keine andere Weise kann das Management negative Ereignisse weltweit so schnell kommentieren, zu Fragen Stellung beziehen und die eigene Person einbringen, um einen möglicherweise entstandenen Vertrauensbruch wieder zu festigen. Dabei muss immer der Grundsatz gelten: nur Glaubwürdigkeit sorgt für hohe Einschaltquoten. Aufmerksamkeit gibt es eben nur durch Quote. Und Wirkung nur durch Glaubwürdigkeit.

Mehr Informationen?

Bullinger, Hans-Jörg (Hrsg.) (1997): Business Television. Beginn einer neuen Informationskultur in den Unternehmen. Stuttgart: Schäffer-Poeschel.

Homepage der Corporate TV Association: http://www.ctva.de/ mit Beispielen von Unternehmen, die Corporate TV in ihrem Kommunikationskonzept bereits etabliert haben.

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Veröffentlicht am 22.11.2005
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