"Mal
verliert man und mal gewinnen die anderen."
Der
Schiedsrichter Spielleiter oder Spielverderber?
Von Robby Rösner
Nach seiner Pfeife
tanzen alle. Eigentlich!
Eigentlich
ist er eine Respektsperson. Er leitet das Spiel im Sinne geltender Regeln
und verhängt Strafen da, wo die Gesetze gebrochen werden. Er allein ist
das zuständige Gericht für Streitigkeiten, sein Gerichtsstand ist
das Spielfeld. Sein Schiedsspruch ist unanfechtbar, seine Person in jedem
Fall unantastbar. Verkündet sein Pfiff die unparteiische Entscheidung,
so ergeht das Urteil im Namen des Gesetzes. Eigentlich ist er eine Respektsperson.
Ein Blick in die gegenwärtige
Fußballpraxis jedoch stellt alle Theorie ins graue Abseits. Man kritisiert,
beschimpft und schubst ihn, seine Entscheidungen werden von den Rängen
oftmals mit Buh-Rufen kommentiert. Sein Job ist höchst brisant, denn
jeder Pfiff für die eine Mannschaft ist ein Pfiff gegen die andere. Nicht
selten wird dabei die Regelauslegung zum Zankapfel der gegnerischen Teams,
besteht doch jedes Team auf eine Interpretation der Statuten im eigenen Interesse.
"Der Schiedsrichter
entscheidet auf Strafstoß…"
Ist der Kampf um den Ball erst einmal verloren, fahren so manche Rasenkämpfer
ihre schweren Verbalgeschütze auf und feuern hemmungslos auf den ausgemachten
Spielverderber. Die von ihm getroffenen Entscheidungen werden nicht mehr einfach
akzeptiert, sondern per se angezweifelt. Von allen Seiten wird zur verbalen
Attacke auf den Unparteiischen geblasen. Da wollen Entscheidungen revidiert,
der Wille gebrochen und letztlich das Spiel gekippt werden. Es kommt zur typischen
Rudelbildung, an der Seitenlinie läuft der Trainer Amok und von den Rängen
grölt das Publikum.
Selbst nach dem Schlusspfiff, wenn
die aufgebrachte Fangemeinde noch immer schreit und vorgibt zu wissen, wo
des Schiris Auto steht, muss sich dieser vor Kameras und Mikrofonen noch einmal
für seine Entscheidungen rechtfertigen. Zu hören sind dann höchstens
ein paar kurze Sätze zum Geschehen, meist noch ein zitierter Paragraph
aus dem Lehrbuch, das war's dann auch schon: "So ein schweres Foul muss
man mit Rot ahnden. So verlangt es die Regel, meine Herren. Mehr hab ich im
Moment dazu nicht zu sagen…"
Ein Pfiff genügt
Auch auf dem Rasen ist er kein Mann der großen Worte. Was er zu sagen
hat, wird kurz und knapp mit der Pfeife getan oder durch konventionelle Gesten
zum Ausdruck gebracht. Verwarnt wird mit der gelben, der Feldverweis erfolgt
durch Zeigen der roten Karte. Seine Mitstreiter, die beflaggten Assistenten
an der Seitenlinie, unterstützen ihn da, wo sein Auge nicht hinkommt.
Spieler im Abseits Fahne hoch Schiri pfeift. Eigentlich ein einfaches
Informationsübertragungssystem, doch manchmal kommt es eben doch zu Fehlentscheidungen,
die postwendend heftige Diskussionen herbeiführen.

Quelle: www.fussball-knowhow.de
Immer bessere Übertragungstechnik
macht auch die kleinsten Fehler des Referees sichtbar und überführt
den somit zweifelhaft gewordenen Hüter der Regeln seiner eigenen Verfehlungen.
Schnell wird dann der Richter selbst zum Angeklagten und ist am Ende wieder
einmal der Dumme. Gerade die Trainer machen das Versagen der eigenen Mannschaft
immer häufiger an den Entscheidungen des Schiedsgerichtes fest. Man habe
für die Gegner gepfiffen, man sei parteiisch oder gar blind, so hört
man es für gewöhnlich von deren Seite. Immer häufiger kommt
es zu Tätlichkeiten wie damals beim Frankfurter Trainer Reimann, der ungehalten auf einen Schiedsrichter losging. Da zwängt
sich die doch Frage auf, wie sehr das Image der Schiedsrichterinstanz gelitten
hat und ob es überhaupt noch welche gibt, denen sowohl Spieler als auch
Trainer mit Ehrfurcht entgegentreten.
Italienisch-deutsche
Imagekosmetik
Pierluigi Collina
Kann man diesem Blick widerstehen?
Quelle: www.schaepp.de
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In der Tat, es gab sie mal und es gibt sie noch! Ihnen voran ein sympathischer Glatzkopf aus Italien, der
das schiefe Bild einer umstrittenen Gilde wieder gerade rückte. Seine
Mimik und Gestik, vor allem der stechende Blick, machten seinerzeit alles Weitere überflüssig
und brachte sogar die aufmüpfigen Millionenverdiener zur Räson.
Pierluigi Collina ist der Bekannteste seiner Zunft
und genießt auch nach Karriereende noch großes Prestige. Allein die fünfmalige
Auszeichnung zum Weltschiedsrichter zeugt von seiner Qualität. Seine
Geradlinigkeit, Konsequenz, der Verzicht auf überbordende Gestik
und nicht zuletzt sein Charme haben ihn längst selbst zu einem Stars
gemacht. |
| Zu den Besten
seines Faches zählt auch der Deutsche Markus Merk, als Zahnarzt ja
Schmerzpatienten gewohnt. Mit seiner piepsigen Stimme macht er wenig her,
aber sobald er Schwarzkittel an und Pfeife im Mund hat, wächst er
über sich hinaus. Er gehört als einziger Deutscher dem erlesenen Kreis derer an, die die WM-Spiele leiten dürfen. |
Dr. Markus Merk
Quelle: www.sport1.de
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Hoffen wir also, dass er und seine
Kollegen in den anstehenden WM-Partien einen kühlen Kopf bewahren,
den richtigen Ton und die gerechten Entscheidungen treffen. Dem Image der
Pfeifenzunft würde es sicher gut tun.
Schade nur, dass man Merk nicht
im Finale erleben wird, denn bei deutscher Finalbeteiligung dürfen nun
mal keine deutschen Referees pfeifen.
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Veröffentlicht
am 17.06.2004; zuletzt geändert am 08.06.2006
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