MEDIEN
Bericht
LEO Tzschucke Mayer Vertrauen

 

Kein Vertrauen. Nirgends.

Auswertung der LEO-Umfrage zum Medienvertrauen im Irak-Krieg

Von Volker Tzschucke und Torsten Mayer


Ohne große Resonanz verlief die LEO-Umfrage zum Thema "Medienvertrauen bei der Kriegsberichterstattung", die im LEO-Spezial zum Irak-Krieg veröffentlicht worden war. Lediglich neun LEO-Leser beantworteten den Frage-Bogen (Schönen Danbk, aber das muss besser werden, liebe Leser, schließlich ist das Internet ein interaktives Medium!). Trotzdem sollen die Ergebnisse hier in einem kurzen Überblick veröffentlicht werden.

Alle Antwortenden informierten sich mehrmals täglich oder zumindest täglich über die aktuelle Lage an den Fronten im Irak. Dabei nutzten sie zumeist das Fernsehen, etwas weniger das Radio. Das Interesse am Kriegsverlauf hat sich dabei über die Kriegswochen hinweg nach Angaben der Teilnehmer nur wenig verringert. Dominierend waren für die LEO-Leser die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, was sich mit der "Zurückhaltung in der Berichterstattung" erklären lässt, die ein Leser bei diesen Sendern im Gegensatz zum privaten Rundfunk erkannt hat. Die meisten Nennungen erfuhren das ZDF im Bereich Fernsehen sowie der Deutschlandfunk im Bereich Radio. Im Internet waren die Web-Angebote von "Spiegel", "Süddeutscher Zeitung" und "Zeit" die bevorzugten Informationsquellen. Einen Überblick verschafften sich die LEO-Leser auch bei der Zeitungs- und Zeitschriftenlektüre, wobei ebenfalls die Angebote am häufigsten genutzt wurden, die eine hohe Qualität der Berichterstattung erwarten ließen: Die "Frankfurter Allgemeine", die "Süddeutsche Zeitung" sowie die "Neue Züricher Zeitung". Die Chemnitzer "Freie Presse" kann sich als lokales Medium ebenfalls über mehrere Nennungen freuen.


Jubelszenen in Bagdad:
Kann man den Bildern glauben?
Quelle: www.fr-aktuell.de

Diese Zusammenstellung der bevorzugten Medien weist bereits auch auf die Sprache hin, in der sich LEO-Leser zumeist informierten: Deutsch. Die Mehrzahl suchte aber auch nach englischen Informationen. Immerhin jeweils drei von neun Umfrage-Teilnehmern nutzten darüber hinaus aber auch französischsprachige oder arabische Angebote.

Große Differenzen zeigten sich bei der Einschätzung zum Vertrauen in verschiedene Informations-Quellen. Die unabhängigen Berichterstatter vor Ort genossen in Bezug auf die Verlässlichkeit ihrer Informationen einen etwas höheren Stellenwert für die LEO-Leser als die "eingebetteten Reporter" (Durchschnitt 3,7 zu 3,0 Punkten). Dazwischen liegen die zusammenfassenden Berichte der Heimat-Redaktionen mit einem Durchschnittswert von 3,3 Punkten - das in die Qualitätsmedien gesetzte Vertrauen scheint sich also nur bedingt als begründet erwiesen zu haben. Noch weniger Verlässlichkeit wurde den Informationsstäben der kriegführenden Parteien zugesprochen. "Comical Ali", der irakische Informationsminister erhielt schlappe 1,5 Punkte, auch der US-Generalstab hält sich mit 2,3 Punkten aber nur unwesentlich besser. Insgesamt war also eine große Skepsis in Bezug auf die Informationen aus dem Kriegsgebiet zu spüren. Diese äußert sich auch in den Antworten auf die offen gestellte Frage nach Unterschieden in der Berichterstattung: "Ich habe mich überall nicht richtig und vollständig informiert gefühlt", schreibt ein LEO-Leser hier. Auch die "immer gleichen Bilder" oder ein Hang zur "Dramatisierung und Emotionalisierung der Berichterstattung" wurden kritisiert.

Zu guter letzt: Keiner der neun Fragebogen-Beantwortenden informierte sich vor Ort, also im Irak, über den Ablauf der Geschehnisse.

Veröffentlicht am 08.08.2003
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