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Beitrag
Schreibwettbewerb 2003
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Let´s
get ja was denn eigentlich?
Der Weg zum
Personal Workout oder: Seilspringen heißt jetzt Rope Skipping
Von Sabine Nunius
'Leichtathletik' erinnert Sie an endlose Sportstunden im glühend heißen
Stadion? Bei 'Fußball' denken Sie an die Matschwiese neben dem Spielplatz?
'Laufen' ruft bei Ihnen lediglich Erinnerungen an einsame Waldwege wach? Dann
gehören Sie offensichtlich zu der aussterbenden Minderheit der Bevölkerung,
bei der eine Dekade mediengestützter Sportentwicklung noch keine Spuren
hinterlassen hat.
Denn Sport bedeutet heute nicht mehr in erster Linie schwitzende Menschen,
die körperliche Extreme vollbringen, nein, Sport ist jetzt EVENT. Dass
dabei die Frisur englischer Fußballprofis oder das mehr oder weniger
öffentliche Privatleben ehemaliger Tennisstars wichtiger zu sein scheint
als Leistungen und Ergebnisse wen stört das schon. Hauptsache,
die Quote stimmt.
Fit oder Outfit?
Quelle: www.ndr.de
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Und wenn selbst hübsche Mädels auf dem Bildschirm
das Zuschauerinteresse nicht ausreichend anregen, muss eben flugs eine
Regeländerung her. Dank dieser sind wir nun von solch unästhetischen
Anblicken wie Hosen, die die Hälfte des weiblichen Oberschenkels
bedecken, befreit. Es lebe die offiziell reglementierte Schrittlänge
bei Damen-Volleyballhosen! |
Um mit dem ganzen Glamour mithalten zu können, musste sich natürlich
auch die Art und Weise, wie wir über den Sport reden, ändern. Da
ist es nicht mehr möglich, eine Begegnung als 'Spiel' anzukündigen
und damit möglicherweise Assoziationen wie 'Kinder-', 'Gesellschafts-'
oder 'Brett-' hervorzurufen. Der versierte TV-Kommentar spricht stattdessen
welterfahren vom kommenden match, in dem sich die beiden teams
unter der Leitung ihrer coaches gegenüberstehen werden. Falls
30 Sekunden Sendezeit noch nicht durch Werbeblöcke aufgebraucht sind,
darf am Rande auch eine kurze Erwähnung des referees erfolgen.
Schade eigentlich nur, dass die Bezeichnung 'football' schon von einer
anderen Sportart besetzt ist, aber zumindest bleibt uns ja noch die Champions
League.

Sackhüpfen ist out
- nicht nur bei Olympia
Damit neben Fußball auch Randsportarten endlich den Sprung in die first
division schaffen, betreibt man hier ebenfalls ein bisschen Sprach- und
damit Imagepflege: Wer sich vor dem Bildschirm verzweifelt fragt, was es mit
dem ominösen racket auf sich hat, wenn ein Tennisspieler doch
nur den Schläger wechselt und warum bestimmte Läufer, die pace
machen, obwohl sie sich kein bisschen anders als ihre Konkurrenten bewegen,
der ist eben einfach nicht als Fernsehzuschauer für das 21. Jahrhundert
geeignet. Sackhüpfen und Tauziehen wurden schließlich auch irgendwann
als olympische Disziplinen abgeschafft.
Dagegen kann sich der moderne, leistungs- und stilbewusste Mensch der Anziehungskraft
von so viel sonnenverbrannter, ausgemergelter, dafür aber von Coolness
strahlender Schönheit nicht entziehen. Do it yourself ist deshalb
angesagt. Da sowohl Turnschuhe als auch Radlerhose schon mal bessere Zeiten
gesehen haben, braucht es zunächst ein neues outfit. Dank des
freundlichen service-assistent im neu eröffneten sports shop
sind wir innerhalb einer halben Stunde um 500 Euro ärmer, dafür
aber Besitzer nagelneuer sneakers, shorts und multifunctional
t-shirts, angeblich alles high-performance equipment.

Seilspringen heißt
jetzt Rope Skipping
Quelle: www.bag.admin.ch
Nachdem es in den darauffolgenden zwei Wochen allerdings immer entweder zu
kalt, zu warm oder zu windig ist, um sich dem Joggen oder (Nordic)Walking
hinzugeben, entschließt sich der neugeworbene Fitnessjünger schließlich
zu einem Besuch im Fitnesscenter. Die Enttäuschung, dass Spinning
überraschend viel Ähnlichkeit mit Radfahren hat und einen die Kondition
beim rope skipping genauso schnell wie früher beim Seilspringen
verlässt, vermag den Enthusiasmus dabei nicht zu lähmen. Schließlich
steht einem ja der stets freundlich lächelnde instructor zur Seite
und versichert uns, dass wir die Power Hour nach vierwöchigem
personal workout (natürlich zum Starter-Preis mit Newcomer
Bonus) mit Sicherheit meistern werden. Und wenn wir es trotz bestem Willen
nach einem halben Jahr noch immer nicht zu einem jogger´s high gebracht
haben, dann liegt das wohl einfach an unserer fehlenden balance von
body, mind und soul.
| Informationen
zur Autorin: Sabine Nunius studiert Anglistik, Galloromanische Philologie
und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Nürnberg-Erlangen. |
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