Das Ende der Bücherregale?
Welche Rolle E-Books derzeit spielen
Von Claudia Feger
Ein kleiner Druck auf den Knopf und schon öffnet sich eine ganze Bibliothek. Auf der langen Bahnfahrt schnell noch einen Klassiker oder einen spannenden Krimi lesen? Dazu muss man nun keine schwere Büchertasche mehr mit sich herumschleppen. Elektronische Bücher, kurz E-Books genannt, machen es möglich.
Die erste Markteinführung vor fünf Jahren mit dem Vertrieb von E-Books via Internet floppte. Doch jetzt erlebt die Technologie eine Renaissance. Unzählig viele Buchtitel lassen sich problemlos aus dem Internet auf mobile Geräte, wie Laptop, Personal Digital Assistant (kurz: PDA) oder auch ein Smartphone mobil herunterladen – vorausgesetzt, der Speicherplatz ist vorhanden, denn gegenwärtig umfasst die Mobipocket-Version etwa 34 MegaByte.
Mit einem kostenlosen Leseprogramm, wie Adobe Acrobat oder Mobipocket, lassen sich die elektronischen Bücher problemlos öffnen. Der Mobipocket-Reader steht als Standardversion kostenlos zum Download bereit. Außer für Palm OS und Pocket PC gibt es Versionen der Lesesoftware für den Casio BE-300, den Franklin eBookman, Nokia 9210 Communicator, sowie für SonyEricsson P800 und Series-60-Geräte wie Nokia 7650.
Das Ende der Bücherregale naht. Foto: Claudia Feger
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Jedoch wird das vertraute Blättern der Seiten durch einen Knopfdruck ersetzt. Der Blick auf den Bildschirm oder das leuchtende Display ist gewöhnungsbedürftig: Nicht wenigen ungeübten E-Booklesern schmerzen nach wenigen Seiten die Augen.
Wer nicht das Gefühl vermisst, über einen Ledereinband eines Buches zu streichen, das Papier zu fühlen oder die Druckerschwärze zu riechen, dem bietet das E-Book zahlreiche Vorteile. Mehrere Bücher lassen sich auf einer nur wenige Gramm schweren Datenkarte speichern und in der Dunkelheit benötigt der Leser keine Lichtquelle mehr.
Obwohl für elektronische Bücher keine Seite mehr bedruckt werden muss, sind sie keineswegs billig. Derzeit liegen die Produktionspreise für einen Datensatz bei etwas achtzig Prozent der Druckausgabe. Und wie bei Musik-CDs besitzt diese Art von Literatur einen Kopierschutz. So lässt sich jedes gekaufte Buch nur auf jeweils zwei beliebigen Geräten aufrufen. Erst nach neunzig Tagen können diese Daten mit der dazugehörigen Lizenz auf einen weiteren Taschencomputer geöffnet werden. Das Angebot im Bereich der elektronischen Bücher ist noch überschaubar. Bei Libri.de sind derzeit circa 1.000 deutsche und 20.000 englische Titel lieferbar.
Aber auch kostenloses Lesefutter ist verfügbar. Bei dem deutschsprachigen Projekt Gutenberg sind circa 20.000 Werke zumeist klassischer Literatur erhältlich. Denn hier hält kein Verlag mehr die alleinigen Rechte für eine Veröffentlichung. Das Projekt Gutenberg stellt seit über zehn Jahren für jeden kostenlos Literatur ins Internet. 1994 als Freizeitprojekt begonnen, hat es sich zur größten Online-Literatursammlung deutscher Sprache entwickelt. Bis heute sind mehrere zehntausend Arbeitsstunden für das Projekt vom Gutenberg-Team aufgebracht worden.
Da schaut er, der Goethe. Foto: Frank Thiele
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Zeitgenössige Literatur ist eher in „privaten“ Tauschbörsen erhältlich. Privatpersonen scannen jede einzelne Seite eines Buches ein und stellen diese dann anonym in solch eine Tauschbörse. Rechtlich ist diese Aktion eher bedenklich und für die Nutzer solcher illegalen Angebote kann es rechtliche Konsequenzen, wie zum Beispiel Schadenersatzforderungen, vom betreffenden Verlag geben.
Eine Chance für unbekannte Schriftsteller sind E-Books. Denn Autoren, die noch keinen Verlag für ihre Arbeiten gefunden haben, können ihre Texte kostenlos, zum Beispiel beim Projekt Gutenberg, zur Verfügung stellen. In diesem Bereich überwiegen die Genres Fantasy und Science-Fiction.
Aktuell plant Google, Millionen von Büchern aus den bekanntesten Bibliotheken der Welt, wie zum Beispiel der New York Public Library, zu digitalisieren. Microsoft plante ebenfalls ein digitales Bucharchiv, welches vorerst nur wissenschaftliche Literatur, für die kein Copyright mehr existiert, beinhaltet. Jedoch kann es auch hier Urheberrechtsprobleme geben. Deshalb sind diese Projekte alle noch in der Planungsphase.
Dass heute kaum E-Books auf dem Markt sind, liegt vor allem am viel zu geringen Angebot von interessanten und spannenden Inhalten. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass der Nutzer das Gefühl, ein Buch in der Hand zu halten, und das Rascheln der Seiten nicht missen möchte. Zum anderen sind die Geräte, mit denen E-Books gelesen werden können, sehr kostspielig und empfindlich. Ein Praxistest zu Leseerfahrungen mit E-Books ist hier zu finden.
Gratisdownloads findet man zum Beispiel auf:
Projekt Gutenberg
Ree-Ebooks
Veröffentlicht
am 17.01.2006
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