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Beitrag
Schreibwettbewerb 2005
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Cappuccino gegen die Schreibblockade
Der Beruf des Schriftstellers erfordert viel Selbstdisziplin - und jede Menge Geduld bis zum Durchbruch.
Von Katja Macher
Es ist Montagmorgen, einer dieser Montage, an denen die meisten Menschen zur Arbeit müssen und diejenigen beneiden, die zu Hause bleiben können, weil sie nicht die Pflicht ruft. Manche jedoch bleiben zu Hause und der Ruf der Pflicht dringt trotzdem an ihr Ohr - Schriftsteller zum Beispiel.
Katharina Schäfer, eine junge Frau Anfang zwanzig, macht sich einen riesigen Cappuccino und fährt den Laptop hoch. "Das geht jeden Morgen so", sagt sie und lächelt, während sie sich den nächsten Cappuccino macht, weil sie den ersten bereits ausgetrunken hat. "Ohne Kaffee geht nichts, Cappuccino ist Inspiration, bringt die Sprache ins Fließen", murmelt Schäfer, die in einem Ort nahe Chemnitz wohnt. Dann setzt sie sich vor den Laptop.
Schreiben geht vor Freunde treffen
"Der Beruf des Schriftstellers ist schwer", sagt Katharina Schäfer. Er muss wissen, was das Publikum in ein, zwei Jahren lesen möchte, muss so schreiben, dass er von den Verlagen beachtet wird und sollte dabei noch wissen, was er eigentlich selbst sagen möchte. Das erfordert enorm viel Selbstdisziplin."
Nicht jedem Schriftsteller wird der Erfolg einer Joanne K. Rowling zuteil. Foto: www.carlsen.de
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Vergangene Nacht hat Schäfer wieder an ihrem neuen Roman gearbeitet. "Manchmal sage ich allen meinen Freunden ab, weil ich das Gefühl habe, dass ich an dem Abend gut schreiben kann. Es ist ein komisches Gefühl, wenn die Ideen und Gedanken langsam aus dem Inneren aufsteigen. Dann muss ich schweigen, um zu hören, welche Sprache meine Gedanken sprechen. Oft verfliegt diese wunderbare Sprache aus dem Inneren wieder und dann sitze ich vor dem Laptop und kann nicht schreiben. Wie ein Musiker, der seine Noten vergessen hat."
Elektro-Musik hilft beim Tippen
Katharina Schäfer trinkt bereits ihren vierten Cappuccino. Sie legt eine CD ein, ruhige Elektronikmusik. "Das hilft beim Schreiben", erklärt sie.
Zu Beginn eines neuen Projektes überlege Schäfer, welche Erzählform und Erzählzeit sie wählen sollte, welche Zeitform die beste ist, wie sie die Kapitel aufteilen sollte, ob sie viele Dialoge verwenden möchte, mit Rückblicken arbeiten könnte, wie das Problem oder die Sache sich zuspitzt und all die Dinge. "Nur die Auflösung will ich selbst im Voraus nicht wissen, sonst macht das Schreiben keinen Spaß mehr", sagt sie. "Denn ich lebe beim Schreiben auch in der Geschichte. Oft gehen mir nach dem Arbeiten meine Figuren nicht aus dem Kopf, sie sind irgendwie immer da."
Nach einer halben Stunde des Aufwärmens bei Cappuccino und Lesen des Geschriebenen hat Schäfer endlich den richtigen Dreh gefunden. Ihre Finger gleiten flink über die Tasten. Schnell füllt sich der Bildschirm mit Wörtern, Sätzen, Absätzen, Kapiteln.
Leben in Einzelhaft mit Schreibmaschine
Schriftsteller zu sein klingt anfangs wie ein Traum vieler: Ohne Chef, in den eigenen Räumen zu arbeiten, wann und wie man möchte. Doch Schriftsteller zu sein, so meinte einst die österreichische Schriftstellerin Barbara Frischmuth, sei ein Leben in Einzelhaft vor der Schreibmaschine.
Auch Katharina Schäfer hat eine Meinung zur Schriftstellerei: "Die Leute glauben, ich lebe in voller Freiheit, dabei bin ich ständig auf der Jagd. Auf der Jagd nach neuen Wörtern und Ideen und auf der Jagd nach einer Sprache, die den Verlagen und Lesern gefällt. Es ist eine nervenaufreibende Jagd, die mich auch nachts nicht loslässt. Geregelte Freizeit gibt es nicht. Ich lebe ja ständig mein Hobby, meinen die Leute und beneiden mich vielleicht. Aber die Jagd ist manchmal nicht nur ein schönes Hobby, es ist der Kampf um die Gunst der Verlage."
Mit zwei kleinen Jugendromanen ist Schäfer bei den Verlagshäusern hausieren gegangen. Immer kam die ablehnende Antwort, das Verlagsprogramm sei leider schon auf viele Jahre hinaus geplant und aus diesem Grund schon belegt oder es sei kein Geld vorhanden für Neuauflagen. "Es war immer wieder das Gleiche. Dabei waren viele meiner Bekannten ehrlich begeistert, denen ich die Texte zum Probelesen gegeben habe. Aber viele Monate Arbeit waren nur für die eigene Schublade", bedauert Schäfer.
Journalistik als Notlösung
Zurzeit lebt Schäfer noch von dem Geld ihrer Eltern. Damit sie auch eine berufliche Absicherung hat, studiert sie in Leipzig Literaturwissenschaft, Journalistik und Psychologie. Journalistik soll Schäfer dabei als zweites Standbein dienen: "Damit kann ich hin und wieder ein Taschengeld verdienen." Sie schreibt über Gartenausstellungen, Gründungen von neuen Vereinen, Goldene Hochzeitspaare und Großfamilien. "Es ist eine breite Palette. Und das Schreiben für die Zeitung macht mir mehr Spaß als das Grübeln über einem Roman. Vielleicht habe ich Glück und bekomme nach dem Studium einen Job als Journalistin. Damit hätte ich auch etwas mit Sprache zu tun. Aber so einfach will ich meinen Traum von der Schriftstellerei nicht aufgeben."
Informationen
zur Verfasserin: Katja Macher ist Studentin und wohnt in Pobershau.
zu
den Wettbewerbsbeiträgen 2005
Veröffentlicht
am 22.08.2006
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