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Pressemitteilung

 

Erwachsenenbildung zwischen Steuerung, Regulation und Gestaltung

 

Professur für Erwachsenenbildung und Weiterbildung der TU Chemnitz richtet vom 23. bis 25. September 2010 die Jahrestagung der Sektion Erwachsenenbildung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) aus.

Foto: privat (zum Vergrößern anklicken)

 

 


Mehr als 120 Wissenschaftler der Erwachsenenbildung und Weiterbildung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz treffen sich vom 23. bis zum 25. September 2010 in Chemnitz. Die Professur Erwachsenenbildung und Weiterbildung richtet an der TU die Jahrestagung der Sektion Erwachsenenbildung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) aus. "Die Veranstaltung wird wie in jedem Jahr einen Ort des theoretischen und empirischen Austauschs bieten", schätzt Prof. Dr. Sabine Schmidt-Lauff ein.

"Steuerung - Regulation - Gestaltung. Governance-Prozesse in der Erwachsenenbildung zwischen Struktur und Handlung" lautet das Thema der Tagung. Die Erwachsenenbildung und Weiterbildung arbeitet ohne Lehrpläne und richtet sich nach dem gesellschaftlichen Bedarf und der individuellen Nachfrage. "Die Beteiligung und das Interesse an Weiterbildung steigt seit Jahren fast durchgängig", sagt Schmidt-Lauff und ergänzt: "Das Tagungsthema führt in den Kern des Wechselspiels von Angebot und Nachfrage, lebensbegleitenden Bildungsinteressen und Steuerungsimpulsen für lebenslanges Lernen ein." Das zeigt sich auch in der großen Nachfrage von Studierenden der Pädagogik an der TU Chemnitz. Sie werden im Studienschwerpunkt Erwachsenenbildung/Weiterbildung auf die spätere professionelle Gestaltung dieses Wechselspiels vorbereitet.

Die Tagung liefert Beiträge zu den theoretischen und methodischen Herausforderungen, die sich für die Forschung aus den aktuellen nationalen und internationalen Bildungsreformen und Gesellschaftsveränderungen ergeben. Und sie beschäftigt sich mit den Fragen, wie das Lernen Erwachsener mit neuen Lernarrangements und Selbstlernarchitekturen gesteuert wird und ob die Bildungsinteressen dazu korrespondieren. Als Rahmen der Erwachsenenbildung und Weiterbildung werden auch Menschen- und Gesellschaftsbilder sowie institutionelle Bedingungen für die wissenschaftstheoretische und methodische Verortungen des Fachgebietes reflektiert.

 

Pressemitteilung der TUC vom 20.05.2010

 

Tagungsbericht

 

Schmidt-Lauff/Fleige

"Steuerung - Regulation - Gestaltung. Governance-Prozesse in der Erwachsenenbildung zwischen Struktur und Handlung"

 

Jahrestagung der Sektion Erwachsenenbildung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE), 23.9.-25.9.2010 an der Technischen Universität Chemnitz

 

Vom 23.-25. September richtete die Professur für Erwachsenenbildung und Weiterbildung (Prof. Sabine Schmidt-Lauff) der Technischen Universität Chemnitz die diesjährige Jahrestagung der Sektion Erwachsenenbildung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) aus. Mehr als 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Erwachsenenbildung und Weiterbildung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz diskutierten drei Tage lang Fragen der Steuerung, der Regulation und der Gestaltung von Erwachsenenbildung und Weiterbildung.

 

Eine konzeptionelle Grundidee in diesem Jahr bestand in der Umsetzung einer neu-gestalteten Verlaufsstruktur. Sie ermöglichte nicht nur die bewährte Form einer inhaltlich parallelen Auseinandersetzung mit der Thematik in vier verschiedenen Arbeitsgruppen (Politik, Organisationen, Bildungs-/Vermittlungsprozesse, Untersuchungsverfahren), sondern sollte durch ein freies Zeitfenster für die Posterpräsentationen, einen weiteren Hauptvortrag am zweiten Tag und eine Podiumsdiskussion zum Abschluss auch die innerdisziplinäre Reflexion über Perspektivverknüpfungen wieder stärken. Gerahmt durch ein umfangreiches  Kulturprogramm (Kulturkaufhaus „Tietz“ mit seinem „steinernem Wald“,  Naturkundemuseum und der örtlichen VHS, wie drei weiteren Stationen Chemnitzer Stadt- und Kulturgeschichte: Karl-Marx-Büste, den Kunstsammlungen und an dem für die Industrie- und Gründerzeit bedeutsamen Stadtviertel Chemnitz-Kaßberg). Bisherige Rückmeldungen zeigen, dass dieses Konzept offenbar sehr großen Anklang gefunden hat. Insgesamt war auch der zukünftige und aktuelle wissenschaftliche Nachwuchs auf der Tagung wieder stark vertreten und präsentierte sich neben den Arbeitsgruppen insbesondere im Rahmen der erneut durchgeführten Posterpräsentationen.

 

Inhaltlich konzentrierte sich die Jahrestagung auf die Frage, welche Steuerungs-, Regulations- und Gestaltungsaktivitäten in der Erwachsenenbildung(-spraxis) derzeit beobachtbar sind und wie diese empirisch und theoretisch untersucht werden. Unter dem Titel „Governance-Prozesse in der Erwachsenenbildung zwischen Struktur und Handlung“ fokussierte die Tagung auch theoretische, empirische und methodische Herausforderungen, die sich für die Erwachsenenbildungswissenschaft insbesondere aus den aktuellen nationalen und internationalen Bildungsreformen und Gesellschaftsveränderungen ergeben. Sie beschäftigte sich mit Fragen danach, wie das Lernen Erwachsener mit neuen Lernarrangements gesteuert wird, ob die Bildungsinteressen dazu korrespondieren und welche Auswirkungen auf die Professionalisierung der erwachsenenpädagogischen Akteure zu erkennen bzw. durch diese zu gestalten sind. Hinsichtlich der Rahmen-, Struktur- und Prozessbedingungen der Weiterbildung wurden auch Menschen- und Gesellschaftsbilder sowie institutionelle Bedingungen für die wissenschaftstheoretische und methodische Verortungen des Fachgebietes reflektiert. Konkret standen folgende Fragestellungen im Mittelpunkt der Diskussion:

 

·          Was wird als Gegenstand von Steuerungs- und Gestaltungsprozessen konzipiert?

·          Welche Konzeptionen und Ziele werden mit unterschiedlichen Steuerungsmodellen verfolgt?

           Wie und in welche Richtung wird gesteuert bzw. gestaltet?

·          Welche Einflussmöglichkeiten werden den Akteuren in den Bildungsinstitutionen von ihnen selbst und von außen zugeschrieben?

·          Mit welchen Steuerungsmodellen wird gearbeitet, wie werden diese begründet oder legitimiert?

·          Wie reflektiert die Erwachsenenbildungswissenschaft Steuerung?

 

Dabei startete die Tagung mit Ausführungen von Prof. Thomas Brüsemeister (Universität Gießen) zu „Educational Governance“ und ihren „Perspektiven für die empirische Bildungsforschung“. Modellhaft legte Brüsemeister dar, in welchen Modi und unter welchen Begründungslagen Akteure wie Politik und Zivilgesellschaft auf die Weiterbildung einwirken und Programmplanung beeinflussen. Besonders interessant war hierbei sein interdisziplinär, (bildungs-)soziologischer Blick und daraus folgende theoretische und methodische Ansätze für eine empirische Analyse des Feldes.

 

Anders als in den Vorjahren, fand am zweiten Tag neben den Arbeitsgruppen mit insgesamt 21 Referent/-inn/-en ein weiterer Plenumsvortrag zur innerdisziplinären erwachsenenpädagogischen Perspektive statt. Prof. Josef Schrader (Universität Tübingen) legte den Fokus auf die wissenschaftstheoretische und fachdisziplinäre Schärfung des Begriffes der Steuerung und auf sich daraus ableitbare Forschungsfragen und zukünftige Forschungsaufgaben. Er kennzeichnete Steuerung und Gestaltung sowie Planung als alternative Kategorien zur Beschreibung der Genese von Weiterbildungskulturen, wobei Anregungen aus der Systemtheorie, dem Neo-Institutionalismus und anderen Organisationstheorien gewonnen wurden. Vor diesem Hintergrund lassen sich dann Modellannahmen über Gestaltung und Steuerung in Organisationen und im Mehrebenensystem der EB/WB ableiten. In diesem Sinne sind die Themen der Steuerung, Gestaltung etc. bereits in vielen empirischen Studien behandelt, ohne theoretisch in diese Richtungen zu operieren.

 

Ein weiteres neues Element am Ende der Tagung war die Podiumsdiskussion (Prof. Peter Faulstich (Universität Hamburg), Prof. Elke Gruber (Universität Klagenfurt, Österreich), Prof. Ortfried Schäffter (Humboldt-Universität zu Berlin); moderiert von Prof. Joachim Ludwig (Universität Potsdam))). Unter dem Titel „Steuerung und Gestaltung durch Wissenschaft? – Welche normativen Implikationen im Zugang auf Steuerung muss sich Erwachsenenbildungswissenschaft erlauben?“ fand die Tagung einen runden Abschluss. Es wurden spannende und auch kontroverse Aspekte zu Steuerungsimpulsen anhand wissenschaftsinterner Fragestellungen diskutiert, wie z.B. nach der Gegenstandskonstitution durch Wissenschaft, der Gewachsenheit und Ausprägung spezifischer Steuerungsmodelle und dem Wandel durch gesellschaftlich formulierte Steuerungsvorstellungen/-bedarfe. Der Aspekt einer kritischen Betrachtung der Interessenkonstellierungen spielte dabei ebenso eine Rolle, wie der der institutionellen Verfasstheit und Reaktionen aus der erwachsenenpädagogischen Disziplin heraus. Ein Blick in das Nachbarland Österreich ermöglichte einen knappen ‚internationalen Vergleich’ zur Umsetzung dieser Fragen durch die Erziehungswissenschaft im universitären Zusammenhang.

 

Es hat sich gezeigt, dass Steuerung insgesamt in der Erwachsenenbildung breit verstanden wird, als ein weites Spektrum der Beeinflussung und Koordination sozialer Handlungen und Prozesse auf unterschiedlichsten Ebenen (Politik, Institution, Organisation/Instrumentarien, Individuum). Mit diesem Verständnis – und besonders unter dem Aspekt der neuen Leitfigur des „Governance“ gerät eine Vielzahl von Steuerungsaktivitäten in den Blick, die das Weiterbildungssystem insgesamt, die agierenden Organisationen, verschiedene Akteurskonstellationen (Netzwerke) und auch die Nachfrage - sowie Lehr/Lernprozesse selbst - umfassen.

 

Die Ergebnisse der Tagung werden nachzulesen sein in einer im nächsten Jahr erscheinenden Dokumentation (Hof, C./Ludwig, J./Schäffer, B. (Hrsg.): Steuerung - Regulation - Gestaltung. Governance-Prozesse in der Erwachsenenbildung zwischen Struktur und Handlung. Bad Heilbrunn 2011).

 

In der sich – wie in jedem Jahr - an die Tagung anschließenden Mitgliederversammlung wurde der neue Vorstand der Sektion Erwachsenenbildung gewählt:

 

Prof. Sabine Schmidt-Lauff – Vorsitzende (TU Chemnitz; Arbeitsschwerpunkte: Zeitfragen und Temporalität in der Erwachsenenbildung, Professionalisierung und Professionalität, berufliche und betriebliche Weiterbildung, europäische Perspektiven des Lebenslangen Lernens)

Prof. Christiane Hof (ab Wintersemester 2010 Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Goetheuniversität Frankfurt/Main)

Prof. Heide von Felden – Kassenwartin (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Arbeitsschwerpunkte: qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Lernweltforschung, Lebenslanges Lernen, Gender)

 

Tagungsbilder

 

Eine Auswahl von Tagungsbildern