TU Chemnitz : IKK : Initiativen/Outreaching Projects : Interkulturelle Projekttage für Schüler/innen
Professur für Interkulturelle Kommunikation





Aktuelle University Outreaching Projekte

‚Cultural Drumming’ als Bausstein einer interkulturellen Projektwoche für Mittelstufenschüler eines Chemnitzer Gymnasiums (22.-24. Juni 2010)

Fotos (privat): Schüler während Drums Alive® Aktionen und während der interaktiven Übungen

Wie trommelt man in Japan? – Diese Frage war zentrales Thema der Projektwoche ‚Cultural Drumming’. Dabei haben Studierende der TU Chemnitz gemeinsam mit Lehrern und Schülern des Chemnitzer Georgius-Agricola-Gymnasiums getrommelt und gelernt. 

Die Projektwoche fand vom 22. bis 24. Juni 2010 für ca. 60 SchülerInnen der 8. Klasse des Chemnitzer Georgius-Agricola-Gymnasiums auf dem Campus der TU Chemnitz statt. Ziel der interkulturellen Projektwoche war es, die SchülerInnen im Umgang mit kultureller Differenz, Fremdheit und Andersheit zu schulen.

‚Cultural Drumming’ steht für den speziell für diese Zielgruppe entwickelten didaktischen Baustein, der zur Vermittlung interkultureller Kompetenz in Verbindung mit landeskundlichen Lerngegenständen über Japan und den ostasiatischen Kulturraum eingesetzt wurde. Für die Umsetzung dieses bewegungs- und erfahrungsorientierten Lernansatzes wurde auf den Fitnesstrend Drums Alive® zurückgegriffen, welcher sich wie ein roter Faden durch die gesamte Projektwoche zog und Elemente aus den Bereichen Trommeln, Tanz und Aerobic vereinte.

Die SchülerInnen konnten im Rahmen eines fächerübergreifenden Unterrichts von Ethik, Musik, Geografie und Sport neue Themen- und Anwendungsfelder kennenlernen, wie z. B. interkulturelle Kommunikation, kulturelle Vielfalt und Identität, Taiko-Trommeln, Landeskunde Japans und feinmotorische Koordinationsübungen. Sie wurden auch angeleitet, Trommel-Choreographien einzustudieren und am letzten Projekttag zu präsentieren. In Rollenspielen, Workshops und interaktiven Lernsituationen konnten sich die SchülerInnen ausprobieren und ihre Teamfähigkeit schulen. Spaß gemacht haben den SchülerInnen die Projekttage auf jeden Fall. Besonders gut angenommen haben sie die vielen Trommelaktionen.

An der Durchführung waren sowohl drei interkulturelle Trainerinnen aus dem Studiengang Interkulturelle Kommunikation als auch drei Drums Alive®-Trainerinnen aus dem Bereich Sportwissenschaften beteiligt. Das Trainingscurriculum wurde von Hanka Kühn und Dr. Maik Arnold von der Professur für Interkulturelle Kommunikation in Zusammenarbeit mit Lehrern des Gymnasiums konzipiert, organisiert und wissenschaftlich begleitet. Die Projektwoche ist ein elementarer Bestandteil der kürzlich geschlossenen Rahmenvereinbarung zur längerfristigen Kooperation beider Bildungseinrichtungen. Zudem ist sie Teil des interfakultären und interdisziplinären Forschungs- und Praxistransferprojektes ‚THE DRUM BEAT’ an der TU Chemnitz, das gemeinsam vom Institut für Sportwissenschaften (Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften) und dem Fachbereich Interkulturelle Kommunikation (Philosophische Fakultät) durchgeführt wird. Die Weiterführung und Wiederholung dieser Projektwoche ist für das Schuljahr 2010/11 bereits geplant.

Die Professur für Interkulturelle Kommunikation dankt der Gesellschaft der Freunde der TU Chemnitz e.V. für die großzügige finanzielle Unterstützung.

Zur Pressemitteilung der TU Chemnitz

Weitere Informationen erteilen Frau Hanka Kühn (hanka.kuehn@s2002.tu-chemnitz.de) und Herr Dr. Maik Arnold (maik.arnold@phil.tu-chemnitz.de). 

(Autor/in: Maik Arnold, Hanka Kühn)

Interkultureller Projekttag am Gymnasium Zschopau: Studierende der Interkulturellen Kommunikation entwickeln ein Curriculum für Schüler/innen der 9. Klasse (März 2010)

Studierende der Interkulturellen Kommunikation an der TU Chemnitz entwickelten für Schüler/innen der Mittelstufe ein Curriculum zu einem interkulturellen Spiel, welches am 4. März 2010 im Gymnasium Zschopau durchgeführt wurde. Diese Unterrichtsveranstaltung war Bestandteil des diesjährigen zweiwöchigen fächerübergreifenden Unterrichts für Schüler/innen der 9. Klasse zum Thema ›Knigge für die Welt‹, welcher von Frau Kathrin Wach-Rangous (Französischlehrerin) an dieser Schule organisiert wurde. Gemeinsam geplant und umgesetzt wurde dieses Curriculum von den drei Studentinnen Madeleine Diab, Ulrike Schneider und Claudia Kirbach, die bereits einschlägige interkulturelle Lehrerfahrungen mit Schülern/innen besitzen. Wissenschaftlich begleitet wurde dieses studentische Projekt durch die Professur für Interkulturelle Kommunikation (Dr. Maik Arnold). 

In den fächerübergreifenden Unterricht wurden die Schulfächer Gemeinschaftskunde, Ethik, Religion und Französisch einbezogen. Die einzelnen Schulstunden fokussierten aus unterschiedlichen fachdisziplinären Zugängen verstärkt auf Aspekte der interkulturelle Kommunikation und Kooperation sowie interkulturellen Kompetenz und schafften damit die notwendigen Grundlagen für den von den ›studentischen Lehrerinnen‹ durchgeführten Unterricht. Dieser zielte auf eine kulturallgemeine Sensibilisierung für Differenz, Fremdheit und Andersheit. Das von Dr. Thiagi und Kollegen entwickelte BARNGA-Spiel bot hierfür ideale Möglichkeiten. Zum Einsatz kamen dabei vorwiegend erfahrungsorientierte Lehransätze bzw. experimentelle Lernformen. Die von den Studierenden durchgeführten Unterrichtseinheiten ergänzten und erweiterten den ›klassischen‹ Schulunterricht durch eine erlebnisnahe Vermittlung von fachübergreifenden sozialen und interkulturellen Kompetenzen, wie z. B. Empathievermögen, der Fähigkeit zum Perspektivwechsel und den Umgang mit Ambiguität.

Die Unterrichtseinheiten wurden wie folgt konzipiert und durchgeführt: Nach einer Vorstellungsrunde der ›Gastlehrer‹, bei der zwischen wahren und falschen Aussagen unterschieden werden musste, wurden die ca. 20 Schüler/innen an fünf im Klassenraum stehende Tische aufgeteilt. Die Spielaufgabe an den Tischen bestand darin, die Regeln des BARNGA-Kartenspiels zu erlernen und über die Dauer des Spiels einzuhalten. Es durfte weder gesprochen oder geschrieben noch gesungen werden. Das Spiel wurde über mehrere Runden durchgeführt. Der jeweilige Gewinner und Verlierer des Tischs wechselte entweder an den je nächsthöheren oder nächstniedrigeren Tisch. Schon kurz nach Spielbeginn stellte sich heraus, dass auch die selbstsicheren und im Kartenspiel erfahrenen Schüler/innen teilweise Orientierungs- und Verständnisschwierigkeiten hatten. Nach einem Tischwechsel sah man sie wild gestikulierend und auf bestimmte Blätter deutend ihre Karten einfordern. Die nonverbalen Kommunikationsregeln, die ständigen Versuche, die andere Perspektive der Mitspieler mitzudenken, und das Problem, sich den von Tisch zu Tisch teilweise unterschiedlichen Spiel- und Verhaltensregeln zu unterwerfen, gingen mit deutlichen Anzeichen von Frustration und Enttäuschung einher. Diese essentiellen Erfahrungen und Erlebnisse während des Spiels stellten letztlich die Grundlage für die sich daran anschließenden Gesprächsrunden dar. Für den ungebrochenen Spieleinsatz belohnt wurden alle Schüler/innen noch mit einem kleinen Dankeschön in Form von ›interkulturellen‹ Süßigkeiten aus Schweden, Russland, Thailand, Vietnam und der Türkei.

Mit diesem Spiel, das die Schüler/innen dazu anhielt, an jedem Tisch unterschiedliche Regeln zu befolgen, konnte eine Reflexion über die Grundlagen der konfliktfreien zwischenmenschlichen Kommunikation in kulturellen Überschneidungssituationen sowie eine Bewusstmachung von implizitem Regel- und Handlungswissen bewirkt werden. In authentischen Berichten und Erzählungen über selbsterlebte kulturelle Fremdheit wurde darüber hinaus auch ein Bezug zum Alltag der Schüler/innen hergestellt. Es hat sich gezeigt, dass die Schüler/innen am Thema interkulturelle Kommunikation und Kompetenz rege interessiert sind. Auch die Studentinnen haben etwas dazu gelernt: die selbstständige Planung, Konzeption und Durchführung eines interkulturellen Spiels für Schüler/innen der Mittelstufe. Einer Fortsetzung der beidseitigen Kooperation und Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen der TU Chemnitz und dem Gymnasium Zschopau wird derzeit diskutiert.

Mit der Durchführung dieses sog. ›Outreaching‹-Projektes verbindet sich auch ein allgemeines didaktisches Lehrziel des vorwiegend forschungsorientierten Studiengangs, welches in der praxisnahen Vermittlung von im Studium erworbenem Wissen über verschiedene Anwendungs- und Praxisfelder interkultureller Kommunikation und Kompetenz besteht. Außerdem bietet sich für die Studierenden bzw. zukünftigen Nachwuchskräfte auch die Möglichkeit, erste praxisbezogene Lehrerfahrungen in bestimmten Berufs- und Tätigkeitsfeldern zu sammeln, auf die der Studiengang unmittelbar vorbereitet. Darüber hinaus werden damit auch existierende studentische Initiativen zur Verbesserung von Lehre und Forschung an der TU Chemnitz unterstützt.

Zur Pressemitteilung der TU Chemnitz

(Autor/innen: Maik Arnold, Claudia Kirbach, Madeleine Diab, Ulrike Schneider, Foto: privat)