TU Chemnitz : IKK : Forschung : Lehrforschung : Indiengeschichten
Professur für Interkulturelle Kommunikation & Juniorprofessur für Interkulturelles Training





Lehrforschungsprojekt "Indiengeschichten"

Indiengeschichten – Konstitution von und Umgang mit kultureller Differenz in den reisebiografischen Erzählungen von deutschen Indientouristen

(Leitung: Dipl.-Psych. Arne Weidemann SS 2008 - WS 2008/2009 )

Seit der Romantik hat Indien das Interesse und die Sehnsucht deutscher Dichter und Denker beflügelt, und mit der Unabhängigkeit Indiens nach dem 2. Weltkrieg und den zunehmend besseren Reisemöglichkeiten haben sich immer mehr Reisende auf den Weg gemacht, um das Land und seine verschiedenen Facetten kennen zu lernen.
Die Gründe, nach Indien zu reisen, sind so vielfältig wie das Land selbst. Gleichzeitig kann man leicht feststellen, dass das kollektive, medial verbreitete Indienbild sich aus wenigen Stereotypen in immer neuen Variationen zusammensetzt, deren Entwicklung einerseits zwar kontingent ist, die sich andererseits aber trotz massiver objektiver Veränderungen der indischen Wirklichkeit auch hartnäckig halten. Mit Sicherheit kann man sagen, dass niemand als Tourist oder ‚Traveller’ nach Indien reist, ohne ein solches Indienbild als ‚kulturelles Gepäck’ mitzubringen. Dieses Indienbild speist sich einerseits aus dem kollektiven Indienbild, andererseits aus den individuellen Sehnsüchten, Fantasien und Erfahrungen – und es präfiguriert nicht nur, was ein Reisender dann in Indien zu erleben erwartet, sondern auch seine Handlungen einerseits wie auch die Bewertung eigener und fremder Handlungen andererseits.

Bei touristischen Reisen wird (kulturelle) Differenz (zum Alltag daheim) oft angestrebt und unter großen Mühen aufgesucht. Die gilt in besonderem Maße für exotische Fernreiseziele. Tatsächliche oder vermeintliche (kulturelle) Differenzen werden dabei insbesondere auch narrativ, z.B. in den Reiseerzählungen, konstituiert und bearbeitet.

In diesem Lehrforschungsprojekt sollen deshalb Personen, die als Touristen Indien bereist haben, mithilfe eines narrativ-biografischen Interviews zu ihrer ‚Indiengeschichte’ befragt werden – wie sie darauf verfallen sind, nach Indien zu reisen, über ihre Vorbereitungen, die Reise selbst mit ihren verschiedenen Stationen bis hin zu Rückkehr und weiteren Auseinandersetzung mit Indien und ihrer/ihren Reise(n) dorthin.

Hierbei soll gleichzeitig ein Augenmerk auf von den Indienreisenden erwähnte Medien (Reiseführer, Bücher, Fotoausstellungen, Spiel- und Dokumentarfilme, Diashows etc.) gelegt werden, die diese mit der Reise nach Indien in Verbindung bringen bzw.  die sie für die und auf der Reise genutzt haben.
Diese Medien sollen im Rahmen der Auswertung zur Analyse pragma-semantischer Zusammenhänge mit herangezogen werden, ergänzt u.U. durch die Analyse seitens der  Interviewpartner erstellter Objektivationen (Fotos, Weblogs etc.).

Auf diese Weise soll neben der Analyse des jeweiligen Indienbildes und seiner Veränderung das pragma-semantische Netz (re-)konstruiert werden, in dem die jeweilige(n) Reise(n) als sinnhafte Erlebnisse bedeutungsstrukturiert und Bedeutung strukturierend ‚aufgespannt’ sind.

Beispielberichte

Bethmann, Christine (2009): Indien zwischen Faszination und Strapaze. Inhaltliche und narrative Bearbeitung kultureller Differenz in der reisebiografischen Erzählung einer deutschen Indienreisenden. Chemnitz: Professur für interkulturelle Kommunikation. (Download PDF)