Gefördert durch das Sechste Rahmenprogramm der Europäischen Kommission (FP6).
Das Forschungsprojekt SeFoNe wird partnerschaftlich durchgeführt von der Universität Southampton (UK), der Universität Bern (Schweiz), der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (Foldrajztudomanyi Kutato Intezet), IMCS Intercollege Ltd. (Zypern), der Universität Catania (Universita Degli Studi Di Catania, Italien) sowie der Technischen Universität Chemnitz.
Das Projektteam setzt sich aus Forscherinnen und Forschern aus unterschiedlichen Disziplinen der Sozial-, Kultur- und Naturwissenschaften zusammen. An den Arbeitsstandorten in Deutschland, Italien, Ungarn und Zypern werden verschiedene Teilprojekte bearbeitet, die den im Vorhaben (s.u.) skizzierten Forschungssträngen zugeordnet sind.
Professur für Germanistische Sprachwissenschaft
(Philosophische Fakultät)
Leitung: Prof. Dr. Werner Holly
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Inken Carstensen-Egwuom
Geförderter Zeitraum: 01.03.07 bis 28.02.2010
Im Prozess der EU-Erweiterung werden die Bestrebungen, gute nachbarschaftliche Beziehungen zwischen und innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten herzustellen und zu pflegen, immer wieder auf die Probe gestellt. Widerstände entstehen unter anderem aus gesellschaftspolitischen Konflikten von vermeintlich 'nationalen' Dimensionen heraus, durch die Parteien und gesellschaftliche Gruppierungen der extremen Rechten auf den Plan gerufen werden. Das Projekt "Searching for Neighbours" (SeFoNe) untersucht Modelle 'translokaler' Nachbarschaft. Der Fokus ist dabei auf sich entwickelnde Diskurse in den EU-Mitgliedsstaaten und auf konkrete Beispiele mit Vorbildcharakter gerichtet, die sich jeweils einem von drei charakteristischen Erfahrungsbereichen des Neuen Europa zuordnen lassen:
Das Projekt stützt sich dabei auf folgende Annahme: Für den Aufbau 'guter Nachbarschaft' über Staatsgrenzen hinweg hinderliche oder (im Gegenzug) förderliche Prozesse lassen sich nur verstehen, wenn zugleich die Hindernisse, welche aus mentalen/symbolischen Trennungen erwachsen, verstanden und hinterfragt werden, gleichgültig wo diese auftreten und wirksam werden.
Das Forschungsprojekt untersucht die Dynamik sozio-kultureller und physischer Grenzen in der jüngst erweiterten Europäischen Union. Im Blickfeld stehen Grenzerfahrungen von Personen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund, mit dem Ziel, ihre Kompetenzen für Verständigung und Kulturaustausch zu stärken. Den Kern bilden die folgenden Zielsetzungen:
Das Projekt verbindet theoretische und empirische Ansätze zur Erforschung grenzübergreifender und migrantischer Gemeinschaften und Netze. Dies schließt die Erforschung sowohl räumlicher als auch virtuell konstituierter Nachbarschaften ein. Das komplexe und innovative Forschungsdesign gestattet neue Einblicke in Beziehungen sowohl innerhalb als auch zwischen drei unterschiedlichen Ebenen von 'grenzübergreifenden' Beziehungen. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand sind diese Bereiche bislang noch nicht systematisch und vergleichend untersucht worden.
Das Projekt baut auf umfangreichen Forschungsergebnissen über Grenzphänomene innerhalb Europas auf. Es erweitert bestehende Erkenntnisse und eröffnet zugleich neue Perspektiven auf die Wahrnehmung von Grenzen innerhalb des Europäischen Raums. Die im Projekt SeFoNe verfolgten Forschungsziele gründen dabei auf der Annahme, dass physische wie auch symbolische 'Grenzen' gleichermaßen Orte der Integration und der Desintegration darstellen.
Dabei geht die Forschung aus von der Einsicht, dass gegenwärtige Modelle von Europa ebenso wie die Wahrnehmung Europas auf Seiten seiner Bürger sich nicht mehr auf die Logik nationalstaatlicher Konzepte und deren Außengrenzen beschränken lassen. Während nationalstaatliche Außengrenzen nach wie vor sehr wichtige Institutionen darstellen, welche eine Politik der Inklusion und Exklusion regulieren, lassen sich zugleich eine Reihe interner Grenzen ausmachen. Obgleich diese mit Außengrenzen in Beziehung stehen, stellen sie dennoch keine bloßen Ableitungen dieser Außengrenzen dar.
Der 'Region' (also einer räumlich-territorial begrenzten Einheit) wurde in der Vergangenheit eine gemeinschaftsstiftende Eigenschaft im Rahmen europäischer Integrationsmodelle zugeschrieben. Diese Bedeutung kam ihr insbesondere für die Herausbildung politischer, kultureller und ökonomischer Identitäten zu. Während 'Regionen' vielfach entlang nationalstaatlicher Grenzen festgelegt wurden, lassen sich auch zahlreiche Beispiele nennen, wo Regionen ausdrücklich grenzüberschreitende Dimensionen haben, v.a. in den so genannten 'Europaregionen' (Euregio). Dieser Umstand legt nahe, dass integrative Maßnahmen auf lokalen Kooperationsformen aufbauen sollten, und nicht auf der (oftmals irreführenden) Logik nationalstaatlicher Einheiten.
Im Kontext der Globalisierungsprozesse wird ein drittes Modell von 'Grenzen' sichtbar, das sich einerseits deutlich auf das Konzept des Nationalstaats bezieht, das dieses jedoch andererseits ablöst bzw. – wie manche argumentieren – infrage stellt. 'Grenzüberschreitende Bewegungen' und daraus erwachsende Formen der Integration lassen sich dabei nicht einfach auf Territorien begrenzen, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Staatsgrenzen liegen. Vielmehr erstrecken sich diese quer durch den Europäischen Raum und umschließen damit auch die Provinzregionen, die im Forschungsvorhaben untersucht werden sollen. Für viele heutige Europäische Bürger (einschließlich derjenigen, die in Provinzregionen leben) ist die Frage lokaler Des‑/Integration eng verknüpft mit den Auswirkungen von Bewegungen und Mobilität innerhalb ihrer lokalen Gemeinschaften.
Aus den dargelegten Gründen liegt das innovative Potenzial des Forschungsvorhabens in einem komplexen, dreigliedrigen Vergleich, der verschiedene Typen von geopolitischen und mentalen Grenzbeziehungen umfasst und sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch über deren Außengrenzen hinaus zu den Nachbarn wirksam wird.
Weitere Informationen unter: www.sefone.net