Professur Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft






 

Verzeichnis der Lehrveranstaltungen des Sommersemesters 2012

Vorlesung

Prof. Dr. Bernadette Malinowski
Literatur und Naturwissenschaft
Di 09.15 - 10.45 Uhr, 2/D221
HörerInnen aller Jahrgänge und Studienrichtungen (B_Ge_4, B_Ge_6; B_MP, B_Ps, B_PW, B_AA, M_MK, M_Ko)
Literatur und (Natur-)Wissenschaft, oft aufgefasst als zwei einander entgegen gesetzte Weisen, die Welt zu erschließen, zu deuten und zu verstehen, treten insbesondere in der Moderne in eine ebenso komplexe wie spannende Beziehung. Diese Allianz zwischen ‚scientia‘ und ‚poetica‘ in der Literatur des 20. Jahrhunderts möchte die Vorlesung näher betrachten. Folgende Fragen werden uns dabei beschäftigen: Wie setzen sich literarische und poetologische Texte mit Theorie und Praxis der modernen Naturwissenschaften auseinander? Welche naturwissenschaftlichen Diskurse, Themen und Motive greift die Literatur auf? Wie sind wissenschaftliche Erkenntnisse in die Literatur integriert, wie werden sie dichterisch fortgesetzt, metaphorisch funktionalisiert und über die rationalen Grenzen hinaus fortgeschrieben? Prägen große naturwissenschaftliche Entdeckungen wie Relativitätstheorie und Quantenmechanik die Sprache, den Erzählstil, die Bildlichkeit von Literatur? Was leistet die Literatur – für sich selbst, für die Gesellschaft, für die Wissenschaft –, wenn sie Wissenschaft rezipiert? – Ausgehend von einem historischen Rückblick, der relevante Stationen im Verhältnis von Wissenschaft und Literatur skizzieren wird, legt die Vorlesung den Fokus auf prominente Fallbeispiele der europäischen und amerikanischen ‚Wissenschaftsliteratur‘. Auf der Grundlage ausgewählter Texte von Hermann Broch, Bertolt Brecht und Vladimir Nabokov über Italo Calvino und Wolfgang Koeppen bis hin zu Thomas Pynchon, Michel Houellebeque und Daniel Kehlmann soll ein Bogen von der klassischen Moderne über die Postmoderne bis zum Ende des 20. Jahrhunderts gespannt und maßgebliche Entwicklungen jenes ebenso kritischen wie produktiven Dialogs zwischen ‚science‘ und ‚fiction‘ aufgezeigt werden.

Seminare Bachelor

Prof. Dr. Bernadette Malinowski
Jurek Becker
Mo 15.30 - 17.00 Uhr, 2/Eb5
B_Ge_2, B_MP, B_Ps, B_PW, B_AA, M_Ko, M_MK
Modul C1
In diesem Jahr wäre Jurek Becker, einer der renommiertesten Schriftsteller der DDR und der BRD, 75 Jahre alt geworden. Das Seminar wird ein möglichst umfassendes Porträt dieses vielseitigen Schriftstellers, Publizisten und Drehbuchautors erarbeiten und im kulturellen und politisch-historischen Kontext seiner Zeit näher profilieren. Im Zentrum stehen vor allem seine großen Romane "Jakob der Lügner" und "Bronsteins Kinder" und deren filmische Adaptationen, aber auch Erzählungen, Briefe und Aufsätze.
Am 26.04.2012, 19 Uhr, findet in der Stadtbibliothek Chemnitz eine Lesung aus dem Werk Beckers statt, bei der auch seine Frau, Christine Becker, zu Gast sein und den Seminarteilnehmern als Gesprächspartnerin zur Verfügung stehen wird.
Prof. Dr. Uwe Hentschel
Künstlererzählung im 18. und 19. Jahrhundert
Mo 11.30–14.15 Uhr, 14-täglich, 4/105
B_AA_2+4+6 B_Ge_2 B_MP_2+4+6 B_Ps_2+4+6 B_PW_2+4+6 M_Ko_2+4 M_MK_2+4
Modul C1
Am Ausgang des 18. Jahrhunderts entstand die Künstlererzählung. Dies war keineswegs zufällig. In einer modernen Lebenswelt wurde der Künstler in der Literatur mehr und mehr zum gesuchten idealen Typus. War es ihm doch in besonderer Weise möglich, sich in einer arbeitsteilig ausgerichteten und funktional strukturierten Gesellschaft seine individuelle Ganzheitlichkeit zu bewahren. Diese exponierte Sonderstellung verband sich jedoch mit Problemen und Fragen, denen sich ein Autor in der Moderne stellen musste: Sollte angesichts bürgerlicher Verhältnisse an den vorrevolutionären Idealen festgehalten werden? Wo findet sich in der "Prosa des Alltags" (Hegel) der poetische Stoff? Viele Autoren versuchen in ihren Künstlererzählungen auf diese und andere sie bedrängende Fragen Antworten zu geben. Mit ihren Texten schreiben sie gleichsam eine Geschichte des modernen Autors. Diese anhand zentraler Werke des 18. bis 20. Jahrhunderts nachzuzeichnen, ist ein Ziel der Veranstaltung.
Beginn: 16. April. Die Einschreibung erfolgt per E-Mail: uwe.hentschel@phil.tuchemnitz.de
PD Dr. Wolfram Ette
Ovids Metamorphosen – Stimmen der Verwandlung
Do 19.00–20.30 Uhr, 2/D201
B_Ge_2, B_MP, B_Ps, B_PW, B_AA, M_Ko, M_MK
Modul C1
Ovids "Metamorphosen" sind neben der Bibel das am meisten rezipierte Werk der Antike. Allerdings ist ihre Rezeption außergewöhnlichen Schwankungen ausgesetzt gewesen. Hochgeschätzt im Mittelalter, erschien das System von 250 Verwandlungsgeschichten der Neuzeit als ein der Unterhaltung dienendes, mehr oder weniger formloses Sammelsurium frivoler Geschichten, die weder ernst gemeint waren noch ernst genommen werden sollten. Diese Einschätzung wird zwar jetzt nur noch von wenigen geteilt; dennoch bleibt eine Auseinandersetzung mit den gesamten "Metamorphosen", diesem "vielleicht erstaunlichsten Buch der europäischen Literatur" (Klaus Heinrich), die Ausnahme. Diesem Ziel wollen wir uns in dem Seminar zumindest annähern - und zwar theoretisch wie praktisch. Das heißt konkret, dass wir neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit ausgewählten Verwandlungsgeschichten ein Hörstück produzieren werden, in dem die narrative Gesamtkonstruktion des Werks erkennbar werden soll.
Das Seminar beginnt mit einem sechstündigen Workshop am 29. April. Hier werden wir eine Rohfassung des Hörspiels erstellen, die aus von Ihnen ausgewählten und eingesprochenen Mythen besteht. Daran schließen sich sechs normale Seminarsitzungen an, in denen wir uns mit der Forschungsliteratur zu einzelnen Mythen auseinandersetzen. Ein Schwerpunkt ist dabei die Psychoanalyse. Den Abschluss bildet wiederum ein sechsstündiger Workshop (am 1. Juli), in dem die Rohfassung des Hörspiels am Rechner überarbeitet und ergänzt werden soll. Das Seminar richtet sich also an alle, die immer schon mal die "Metamorphosen" lesen wollten und die nicht nur der wissenschaftlichen Diskussion, sondern auch der radiophonen Aneignung etwas abgewinnen können.
Eine Vorbesprechung findet am 19. April um 19 Uhr statt; sie ist für alle TeilnehmerInnen obligatorisch. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen Sie die "Metamorphosen" gelesen und sich für die Verwandlungsmythen entschieden haben, die Sie einsprechen wollen.
Eine Anschaffung der"Metamorphosen" ist erforderlich. Die meines Wissen beste Übersetzung ist die von Erich Rösch in der zweisprachigen Tusculum-Ausgabe. Sie wäre ideal, ist aber recht teuer. Ansonsten können wir auch mit anderen Übersetzungen arbeiten, der Reiz des Hörstücks würde dadurch möglicherweise nur gewinnen.
Andreas Freidl, M. A.
Mythisch und märchenhaft – Zwischen mündlicher Tradition und Schriftlichkeit
Di 13.45 - 15.15 Uhr, 2/N106
B_Ge_4 (MediumLiteratur)
In der Antike wurden Dichter von den so genannten Musen geküsst: Mittels dieses "Kusses" erlangte er in-spirative Eingebungen, welche er dann in Dichtung umzusetzen verstand. Dementsprechend werden zu Beginn des Seminars Autorschaftsmodelle der Antike thematisiert werden; mit dem Schwerpunkt auf Homer und Hesiod. Dem Übergang von einer oralen Tradition hin zur Verschriftlichung derselben soll nachgespürt werden. Dem schließen sich die Fragen an, was denn ein Mythos im Grunde sei und wer letztendlich als "Verfasser" oder "Autor" eines antiken Mythos zu nennen ist.
In einem weiteren Schritt wird zu den Märchen übergegangen, im Speziellen zu deren "romantischer" Ausformung. Vornehmlich die Sammeltätigkeit und entsprechende poetologische Überlegungen der Gebrüder Grimm sollen den Fragen nach der Autorschaft eines so genannten Volksmärchens Kontur verleihen. Ergänzt wird die Märchenuntersuchung, indem auch eine tiefenpsychologische Herangehensweise thematisiert und aufgegriffen werden soll.
Dr. Jörg Pottbeckers
Popliteratur
Mi 15.30 - 17.00 Uhr, 2/W037
B_Ge_4 (Medium Literatur)
Modul C2
Versuch einer Definition, polemisch: Popliteratur ist der Tendenz nach alles, was Martin Walser nicht ist. Vorurteile, gängige: Popliteratur ist oberflächlich, unpolitisch, trivial, es geht nur um Partys, Drogen, Konsum und andere Marginalien juveniler Inhaltslosigkeit. Popliteratur, Zeitraum: Mitte/Ende der 1990er Jahre. Deutsche Popliteraten, selbsternannte: keine. Deutsche Popliteraten, fremdernannte: Christian Kracht, Benjamin von Stuckrad-Barre, Rolf Dieter Brinkmann. Deutsche Popliteratur, Ursprung: USA, Beat Generation. Seminarziel, theoretisch: Popliteratur als Popliteratur zu verstehen. Seminarziel, praktisch: Tristesse Royal.
Diana Pottbeckers, M. A.
Die Marquise auf der Loveparade – Filmische Bearbeitungen von Werken Heinrich von Kleists
Do 11.30 - 15.15 Uhr, 14-täglich, 2/N005
B_Ge_4 (Medium Literatur)
Modul C2
Die Marquise von O… tanzt auf der Loveparade und Michael Kohlhaas rebelliert inmitten der 68er-Bewegung. Radikale "Vergegenwärtigungen" finden sich unter den Kleist-Verfilmungen, ebenso aber auch überbordende Kostümfilme. Verfilmungen gehören zur Rezeptionsgeschichte literarischer Werke und spiegeln auf ihre ganz eigene Art den jeweiligen Zeitgeist ihrer Entstehung wider. Sie sind Interpretationen, deren Facettenreichtum es mit Begriffen und Methoden der Filmanalyse zu ergründen gilt.
Die erste Sitzung findet am Donnerstag, 12.04. von 11.30 bis 13.00 Uhr im Thüringer Weg 11, Raum 205 statt.
Prof. Dr. Bernadette Malinowski
Literarische Wissenschaftsrezeption
Di 15.30 - 17.00 Uhr, 2/N005
B_Ge_4 (Profilierer NDVL)
Modul C4
C. P. Snows berühmt gewordenes Diktum von den zwei Kulturen, "literary intellectuals at one pole – at the other scientists", steht zwar längst auf dem Prüfstand, hat jedoch an unserer grundlegenden Auffassung, dass Literatur und (Natur-) Wissenschaft zwei klar voneinander geschiedene kulturelle Bereiche darstellen, praktisch wenig geändert. Dabei macht das gründliche Studium sowohl literarischer als auch naturwissenschaftlicher Texte deutlich, dass Literatur und Wissenschaft bei aller gegenseitiger Konkurrenz, Skepsis und Kritik immer auch in sehr vielfältigen und produktiven Wechselbeziehungen zueinander stehen. Ausgehend von Beispielen aus der europäischen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts – als prominente Repräsentanten einer ‚scientia poetica‘ seien exemplarisch J. W. Goethe, H. v. Kleist, Novalis, A. Holz, A. Pope, E. A. Poe, E. Zola genannt –, wird das Seminar vor allem der Frage nachgehen, wie sich literarische und literaturtheoretische bzw. poetologische Texte mit Theorie und Praxis der modernen Naturwissenschaften auseinandersetzen. Im Zentrum des Seminars wird die Analyse ausgewählter Beispiele aus der europäischen und amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts stehen (u. a. Werke von Hermann Broch, Bertolt Brecht, Italo Calvino, Wolfgang Koeppen).

Seminare Master und Magister

Dr. Michael Ostheimer
Chronotopoi der DDR-Literatur
Mo 17.15–18.45 Uhr, 3/B012
M_Ge_2, M_Ge_4 (Seminartyp Kultur), Magisterstudiengänge der Germanistik im Hauptstudium
Modul B
Im Rückgriff auf den von Michail Bachtin (1895–1975) geprägten erzähltheoretischen Begriff "Chronotopos", der sich auf die wechselseitige Beziehung von Raum und Zeit bezieht, möchte das Seminar am Beispiel der DDR- bzw. Post-DDR-Literatur die Kategorien Raum, Geschichtsphilosophie und Erinnerung miteinander verkoppeln. Für die DDR-Literatur ist das Konzept des Chronotopos insofern einschlägig, als es über den Raum zwei Perspektiven miteinander zu vermitteln imstande ist, die man gemeinhin voneinander trennt: eine geschichtsphilosophisch imprägnierte politisch-utopische Perspektive, etwa der frühen DDR-Literatur (Aufbauliteratur), und eine Erinnerungsperspektive, die zumal die Post-DDR-Literatur an den Tag legt. Am Beispiel paradigmatischer DDR-(Erinnerungs-)Orte wie Buchenwald, der Mauer und der sozialistischen Planstadt Halle-Neustadt soll erarbeitet werden, wie das Chronotopos-Konzept zur literarischen Historisierung der DDR-Literatur unter der Dialektik von Zukunfts- und Vergangenheitsperspektive beiträgt.
Prof. Dr. Dietmar Schubert
Sozietäten und Dichterkreise im Deutschland des 17. Jahrhunderts
Do 11.30 - 15.55 Uhr, 14-täglich, 2/N005
M_Ge_2, M_Ge_4 (Seminartyp Medium), Magisterstudiengänge der Germanistik im Hauptstudium
Modul B
Im Deutschland des 17. Jahrhunderts stellten sich Sozietäten und Dichterkreise die Aufgabe, deutschsprachige Dichtungen auf humanistischer Grundlage zu schaffen. Obwohl sie sich alle diesem Ziel verbunden wussten, waren die gewählten Wege und die poetische Praxis doch höchst unterschiedlich. Untersuchungen zum Wirken der Fruchtbringenden Gesellschaft, des Königsberger und des Leipziger Dichterkreises, der Nürnberger Pegnitz-Schäfer, des Elbschwanenordens in Wedel und der Hamburger Deutschgesinnten Genossenschaft sollen Einblicke in die Vielgestaltigkeit der Themen und Texte gewähren und damit zugleich den Blick für deren Besonderheiten und heutige Wirkungsmöglichkeiten schärfen.
Beginn: 12. April
Prof. Dr. Bernadett Malinowski
Kolloquium für Examenskandidaten
Mo 11.30 - 13.00 Uhr, 2/NK003
B_Ge_6, M_Ge_4, fortgeschrittene Studierende des Magister-Studienganges
Modul G
Das Kolloquium dient der gezielten Vorbereitung des Examens und soll vor allem über Fragen nach einer möglichst ökonomischen Organisation der Vorbereitungszeit, nach der Wahl geeigneter Themen informieren, nach Techniken des Klausurschreibens (für Magisterkandidaten) sowie nach relevanten Kriterien für die mündliche Prüfung informieren (ebenfalls für Magisterkandidaten). Ferner bietet es - auch in Form von möglichen Präsentationen - die Gelegenheit zur inhaltlichen Begleitung der BA-, MA- bzw. Magister-Arbeiten. Die konkrete Ausrichtung des Kolloquiums wird jedoch von der Nachfrage und den Bedürfnissen der Examenskandidaten abhängen.

Übergreifende Veranstaltungen

Prof. Dr. Bernadette Malinowski / Dr. Michael Ostheimer
Chronotopos Getto Lodz
Unter der Leitung von Krystyna Radziszewska (Universität Lodz), Bernadette Malinowski und Michael Ostheimer findet vom 20. bis 26. Mai an der Universität Lodz ein Kompaktseminar zum Thema „Chronotopos Getto Lodz. Zwischen Erinnerungskultur und utopischem Entwurf“ statt. Das Kompaktseminar gliedert sich in folgende thematische Einheiten: Konzeptuelle Grundbegriffe: Chronotopos – Erinnerungskultur – Utopie (Michail Bachtin, Jan und Aleida Assmann, Wilhelm Voßkamp). Literarische Repräsentation des jüdischen Lebens um 1930 in Lodz (Alfred Döblin). Getto-Chronik: Medien und Praktiken der Chronologisierung im Spannungsfeld aus Dokumentation, Selbstverständigung und Zukunftsentwurf (Tagesmeldungen, Tagebücher, Zeitungen, Schriftstellerberichte). Ästhetik und Ethik der Lüge (Jurek Becker). Dialog der Zeiten? Das Lodz der Gegenwart (Juli Zeh). Begegnungen (Rundgang durch das Gettogebiet; Besuch in der jüdischen Gemeinde; auf deutschen Spuren durch Lodz).Ziel ist es, einen fundierten deutsch-polnischen Dialog zu ermöglichen, die interkulturelle Zusammenarbeit zu vertiefen und nationale Identitäten im Medium der Literatur und ihrer Kontexte historisch aufgeklärt zu reflektieren. Neben literarhistorischen und literaturtheoretischen Fragestellungen vermittelt das Kompaktseminar auch Fähigkeiten in interkultureller Zusammenarbeit bzw. Kommunikation und reflektiert den Umgang mit verschiedenen Ausprägungen nationaler Identitäten.
Moderationen und Referate werden in deutsch-polnischen Tandems vorgetragen. Näheres zu Ablauf, Organisation und Formalia bei der obligatorischen Vorbesprechung am 12. April um 17.30 Uhr (Raum 205).
Teilnehmen können Germanisten aller Studiengänge. Die Teilnehmerzahl ist auf 15 begrenzt. Um die Übernahme der Reise- und Unterkunftskosten bemühen wir uns (ein persönlicher Kostenbeitrag von bis zu 50 Euro kann jedoch nicht ausgeschlossen werden). Verbindliche Anmeldung bis zum 9. April per Mail bei Frau Kunz.

Dr. Jörg Pottbeckers / Stefanie Weiß, M. A. (/ Andreas Freidl, M. A. / Claudia Kanz, M. A.)
Alles Literatur – oder was? Texte um Fiktionalität vom Mittel­alter bis heute
14-täglich, Mi 17.15 - 19.30 Uhr; 11.04., 25.04., 02.05, 16.05., 30.05., 13.06., 27.06., 04.07.: 2/TW11/205
B_Ge_2+4+6, M_Ge_2+4, MHG, MNG
S
Harry Potter hat nie gelebt, Gregor Samsa auch nicht, Parzival erst recht nicht. Eine solche Behauptung wird wohl kaum jemanden überraschen, schließlich entstammen diese Figuren allesamt literarischen Texten, die per se keinerlei Wahrheitsanspruch erheben und deren Personen oder Gegenstände nicht existieren (müssen). Ganz im Gegensatz zu faktualen Texten (z. B. Zeitungsartikeln), die sich auf außertextliche, reale Objekte, Personen, Orte und Zeiten beziehen. Kurz: Fiktionale Texte unterscheiden sich grundlegend von nicht-fiktionalen. Aber stimmt das eigentlich? Was ist es denn genau, das einen Text zur Literatur macht? Der Begriff Fiktionalität umreißt zwar, grob gesprochen, ein spezifisches Verhältnis von Texten zur realen Welt, allerdings ist die Trennlinie zwischen fiktionalen und faktualen Texten nicht immer eindeutig zu ziehen. Im Seminar, einer Kooperation der Älteren mit der Neueren Deutschen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, soll sich dem Fiktionalitätsbegriff aus verschiedenen Richtungen angenähert werden: Unter anderem über die Transformation von Historie in Literatur (Schedel, Runciman, Ransmayr), über Fiktionalität im höfischen Roman (Gottfrieds von Straßburgs Tristan-Prolog), über die These, dass Lyrik nicht fiktional sei (Käthe Hamburger), hin zur subjektiven Erinnerung zwischen Authentizität und Fiktionalität (Harald Welzer & Jorge Semprun).
Ein Reader mit Texten wird bereitgestellt. Zur Einstimmung wird empfohlen: Walter Haug, Literaturtheorie im deutschen Mittelalter. Von den Anfängen bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, Darmstadt 2009; Frank Zipfel: Fiktion, Fiktivität, Fiktionalität. Analysen zur Fiktion in der Literatur und zum Fiktionsbegriff in der Literaturwissenschaft, Berlin 2001.
Leistungspunkte bzw. Leistungsnachweise für Bachelor, Magister und Master nach Absprache.

Andreas Freidl, M. A. / Claudia Kanz, M. A.
Werkstatt Schreiben
Di 19.00 - 20.30 Uhr, 2/ThW/205
Schreibinteressierte
Ü
Vielleicht könnte Literatur, könnte das Herstellen, Produzieren, Machen von Literatur ein leichtes Spiel sein. Ein Als-Ob, in dem Fragen wie "Was soll ich tun?", "Was muss ich wissen?" keine logischen Begründungen suchen, sondern um etwas kreisen, was Wahrheit sein könnte oder auch nur Gattung, Metapher und Form. Womöglich verstünde man besser, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem Schreiben als Mittel und dem Schreiben als Zweck, dass aber zugleich der Zweck des Schreibens immer Mittel des Denkens sein wird. Über das eigene Schreiben über Literatur als solche und ihre Mittel, über das Was und Wie zu reflektieren, soll Inhalt und Zweck und Mittel der Werkstatt sein und im Prozess erst werden.