Professur Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit






Verzeichnis der Lehrveranstaltungen des Sommersemesters 2012

Vorlesung

Prof. Dr. Christoph Fasbender
Ironie
Mi 09.15 - 10.45 Uhr, 2/N010
HörerInnen aller Jahrgänge und Studienrichtungen (B_Ge_2+4+6; M_Ge_2+4; B_AA_2+4+6; B_MP_4+6; B_Ps_2+4+6; B_PW_2+4+6; M_Ko_2+4; M_MK_2+4)
V
Gelegentlich ist zu lesen, das Mittelalter sei zur Ironie nicht fähig - oder doch nicht bereit - gewesen. Das mag ein wenig daran liegen, dass die mediävistischen Disziplinen das Phänomen Ironie lange Zeit nicht hinlänglich in den Blick genommen haben. Mit der Einführung, die Gerd Althoff und Christel Meier nun (2011) vorgelegt haben, gibt es zumindest einen Orientierungspunkt aus Historiker-Perspektive. Die Vorlesung setzt sich zum Ziel, Ironie in ihrer Bedingtheit eingehend zu durchleuchten. Sie legt linguistische Eckdaten fest, verfolgt das Phänomen von seinen antiken und biblischen Wurzeln über Ironie-affine Gattungen und spezifische Kommunikationsformen der Vormoderne und verliert sich schließlich in der 'romantischen Ironie' um 1800. Wiewohl sie mit durchaus konkreten Beispielen arbeiten wird, versteht sich die Veranstaltung nicht als praktische Einführung.
Gerd Althoff / Christel Meier: Ironie im Mittelalter. Hermeneutik - Dichtung - Politik. Darmstadt 2011.
Leistungsnachweise nach Absprache und spezifischem Bedarf möglich.

Seminare Bachelor

Stefanie Weiß, M. A.
Mhd. Liebesdichtung vom Kürenberger bis Walther von der Vogelweide
Mi 13.45 - 15.15 Uhr, 3/B109
B_Ge_2
Ü, Modul B1
Saget mir ieman, waz ist minne? Was ist Liebe? Wie liebt man richtig - und vor allem wen? Die minne, die (unerfüllte) Liebe ist eines der großen Themen der deutschen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts. Sie liefert den Stoff für große Heldenepen wie das Nibelungenlied, für die höfischen Romane und besonders für die Lyrik.
Diese Übung befasst sich mit den lyrischen Texten des Kürenbergers, Dietmars von Aist, Heinrichs von Veldeke, Hartmanns von Aue, Wolframs von Eschenbach und Walthers von der Vogelweide. An ausgewählten Beispielen werden wir uns dem Übersetzen, Analysieren und Interpretieren widmen. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit den kultur- und literaturhistorischen Hintergründen, der handschriftlichen Überlieferung (z. B. im Codex Manesse) sowie den verschiedenen Editionsverfahren.
Zu Beginn des Semesters wird ein Reader bereitgestellt.
Prüfungsleistung: Klausur (90 min.) – 4 ECTS.
Sylvia Jurchen
Heinrich Kaufringer
Di 17.15 - 18.45 Uhr, 2/D1
B_Ge_2
Ü, Modul B1
Wer hat Recht? Und was ist richtig? Heinrich Kaufringer, wohl Jurist in Landsberg am Lech, hat diese Fragen wie kein anderer Verfasser von Novellen (Mären) gestellt und mehr als einmal auf die Spitze getrieben. Kaufringers Welt ist eine bizarre, im ständigen Geschlechterkampf sich zuspitzende Groteske - sie ist schnell zu durchschauen, aber nicht immer leicht zu verstehen und noch viel weniger leicht im Sinne der oben gestellten Fragen  zu beurteilen. Wir wollen uns einige der 'Klassiker' (u. a. Die unschuldige Mörderin, Die Rache des Ehemannes, Der feige Ehemann) aus Kaufringers 23 Erzählungen umfassendem Repertoire genauer ansehen. Die Veranstaltung knüpft an die Einführung in das Mittelhochdeutsche an.
Die Texte werden als Reader bereitgestellt. Grundlage: Heinrich Kaufringer. Werke, hrsg. von Paul Sappler, Bd. 1: Text, Tübingen 1972.
Der Übersetzungskurs wird (zusammen mit der Einführung in das Mhd. aus dem 1. Semester) in einer Klausur abgeprüft (4 ECTS).
Dr. Gesine Mierke
Verwandtschaft und Genealogie: Wolfram von Eschenbach Parzival
Mi 11.30 - 13.00 Uhr, 3/B109
B_Ge_4
S, Modul B2 (Medien- und Kulturgeschichte)
Der Parzival Wolframs von Eschenbach gehört zu den populärsten und gleichzeitig komplexesten höfischen Romanen des 13. Jahrhunderts (und der Folgezeit). Er erzählt von Parzivals Kindheit in der Einöde, seinem Weg als Artusritter und seiner Berufung zum Gralskönigtum. Die Handlung ist eingebettet in ein vielschichtiges Netz verwandtschaftlicher Beziehungen, deren weitreichende Bedeutung nicht nur der Protagonist sondern auch der Rezipient erkennen muss. Neben einer erschließenden Lektüre wollen wir uns im Seminar vor allem mit Fragen nach der Struktur des Textes, den Figuren- und Verwandtschaftskonstellationen sowie den genalogischen Mustern beschäftigen.
Gründliche Textkenntnis ist Voraussetzung für eine aktive Teilnahme am Seminar. Folgende Ausgaben werden empfohlen: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Übersetzt von Peter Knecht. 2. Auflage, Berlin; New York 2003. oder: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Nach der Ausgabe Karl Lachmanns revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann. Übertragen von Dieter Kühn. 2 Bde. (Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch 7) Frankfurt am Main 2006. Weitere Literaturempfehlungen werden im Seminar gegeben.
Das Seminar wird mit einer Hausarbeit abgeschlossen.
Claudia Kanz, M. A.
Als(o) Hans Schneider gesprochen hat
Mi 11.30 - 13.00 Uhr, 2/Eb6
B_Ge_4
S, Modul B2 (Medien- und Kulturgeschichte)
Über die Lektüre und über den Vortrag ausgewählter Dichtungen des spätmittelalterlichen Augsburger und Nürnberger Spruchsprechers sollen übergeordnet Überlieferungs- und Gattungsfragen, Epochenkategorien und biographische Aspekte ebenso diskutiert werden wie Verständnis, Übersetzung und sprachliche Besonderheiten der Texte. Sein Märe, die drei Minnereden, das Stadtlob auf Annaberg, ein Gebet und mehrere Ereignisgedichte, unter anderem zu Erdbeben, Hinrichtung, Jerusalem-Meerfahrt, bilden die Grundlage des Seminars.
Die Texte werden bereitgestellt.
Das Seminar wird mit einer Hausarbeit abgeschlossen.
Sylvia Jurchen
Vokabulare
Do 11.30 - 13.00 Uhr, 2/TW11/205
B_Ge_4 und Interessierte
S, Modul B3 (Sprachgeschichte)
Vokabulare haben seit dem Frühmittelalter einen hohen Erkenntniswert, nicht nur in sprachgeographischer, sondern auch in bildungsgeschichtlicher Hinsicht. Mitunter sind sie das einzige Hilfsmittel der Schüler und Studierenden im Mittelalter. Sie helfen dem Pfarrer bei der Vorbereitung der Predigt und dem Kanzleischreiber beim Abfassen von Urkunden. Der Humanist Heinrich Boger soll sogar eine Vorlesung gehalten haben, die allein darin bestand, den Vocabularius Ex quo zu diktieren! Wir wollen uns die Gattung im Diachronen vom Vocabularius Sancti Galli bis zu den großen Glossaren des Spätmittelalters ansehen. Wie heißt die Blaubeere im Schwäbischen? Und wie die Katze im Sächsischen?
Die Texte werden als Reader bereitgestellt.
Der Leistungsnachweis besteht im Abfassen einer Hausarbeit (6 ECTS, ohne HA: 4 ECTS), sofern diese nicht im Modul B3, Medien- und Kulturgeschichte, geschrieben wird.

Seminare Master und Magister

Prof. Dr. Christoph Fasbender
De amore deutsch
Do 9.15 - 10.45 Uhr, 2/N105
M_Ge_2+4, MHG, MNG
S
Der Hofkaplan Andreas, über den wir sonst nichts wissen, hat im 12. Jahrhundert einen unmöglichen Traktat über die Liebe abgefasst. 'De amore' versteht Liebe als eine "angeborene Krankheit", der Andreas mit allen Mitteln der Argumentationskunst zu Leibe rückt. Dabei gibt er nicht nur eine Systematik der Liebes-Pathologie, sondern ganz handfeste Beispiele für geglückte und erfolglose Versuche der Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht. Wir wollen uns, mit dem Traktat in (neueren) Übersetzungen bekannt gemacht, dann vor allem auf die volkssprachlichen narrativen Umsetzungen von 'De amore' einlassen, wie sie sich etwa in Mären (Die Heidin, Moriz von Craun) oder Minnedidaxe finden (Warnung an hartherzige Frauen, Der Minne Regel).
Alle Texte werden durch einen Reader zugänglich gemacht.
Leistungsnachweis: Hausarbeit.
Dr. Gesine Mierke
Kolloquium für Examenskandidaten
Mi 13.45 - 15.15 Uhr, 2/ThW/205
MHG; MNG, M_Ge, B_Ge
Das Kolloquium bietet fortgeschrittenen Studierenden (Magister, B. A., M. A.) die Möglichkeit, sich auf ihre Abschlussprüfungen und -arbeiten vorzubereiten. Verschiedene prüfungsrelevante Themen, die zu Beginn des Semesters festgelegt werden, sollen diskutiert und auf ihre Problemhorizonte hin fokussiert werden. Die Einteilung der Gruppen und Festlegung der Sitzungstermine findet in der ersten Sitzung statt.
Literatur wird zu jeder Seminarsitzung bekannt gegeben.

Übergreifende Veranstaltungen

Friedrich Staemmler / Gesine Mierke
Heilige(s) in Sachsen. Liturgie und Aufführungspraxis in Kunst und Literatur des Mittelalters
S
Aus interdisziplinärer Perspektive (Kunstgeschichte und Germanistik) möchten wir uns den Heiligen Sachsens, ihrer bildlichen Darstellung, geistlichen Spielen und ihrer Aufführung zuwenden. Das Seminar findet in Blockveranstaltungen im Schlossbergmuseum Chemnitz statt. Zwei Tagesexkursionen nach Annaberg und Zwickau sind geplant.
Die erste Sitzung findet am 03.04.12 um 13.45 Uhr, in Raum 2/ThW/205 statt.
InteressentInnen werden gebeten, sich per Mail bei Gesine Mierke anzumelden.

Stefanie Weiß, M. A. / Dr. Jörg Pottbeckers (/ Claudia Kanz, M. A. / Andreas Freidl, M. A.)
Alles Literatur – oder was? Texte um Fiktionalität vom Mittel­alter bis heute
14-täglich, Mi 17.15 - 19.30 Uhr; 11.04., 25.04., 02.05, 16.05., 30.05., 13.06., 27.06., 04.07.: 2/TW11/205
B_Ge_2+4+6, M_Ge_2+4, MHG, MNG
S
Harry Potter hat nie gelebt, Gregor Samsa auch nicht, Parzival erst recht nicht. Eine solche Behauptung wird wohl kaum jemanden überraschen, schließlich entstammen diese Figuren allesamt literarischen Texten, die per se keinerlei Wahrheitsanspruch erheben und deren Personen oder Gegenstände nicht existieren (müssen). Ganz im Gegensatz zu faktualen Texten (z. B. Zeitungsartikeln), die sich auf außertextliche, reale Objekte, Personen, Orte und Zeiten beziehen. Kurz: Fiktionale Texte unterscheiden sich grundlegend von nicht-fiktionalen. Aber stimmt das eigentlich? Was ist es denn genau, das einen Text zur Literatur macht? Der Begriff Fiktionalität umreißt zwar, grob gesprochen, ein spezifisches Verhältnis von Texten zur realen Welt, allerdings ist die Trennlinie zwischen fiktionalen und faktualen Texten nicht immer eindeutig zu ziehen. Im Seminar, einer Kooperation der Älteren mit der Neueren Deutschen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, soll sich dem Fiktionalitätsbegriff aus verschiedenen Richtungen angenähert werden: Unter anderem über die Transformation von Historie in Literatur (Schedel, Runciman, Ransmayr), über Fiktionalität im höfischen Roman (Gottfrieds von Straßburgs Tristan-Prolog), über die These, dass Lyrik nicht fiktional sei (Käthe Hamburger), hin zur subjektiven Erinnerung zwischen Authentizität und Fiktionalität (Harald Welzer & Jorge Semprun).
Ein Reader mit Texten wird bereitgestellt. Zur Einstimmung wird empfohlen: Walter Haug, Literaturtheorie im deutschen Mittelalter. Von den Anfängen bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, Darmstadt 2009; Frank Zipfel: Fiktion, Fiktivität, Fiktionalität. Analysen zur Fiktion in der Literatur und zum Fiktionsbegriff in der Literaturwissenschaft, Berlin 2001.
Leistungspunkte bzw. Leistungsnachweise für Bachelor, Magister und Master nach Absprache.

Claudia Kanz, M. A. / Andreas Freidl, M. A.
Werkstatt Schreiben
Di 19.00 - 20.30 Uhr, 2/ThW/205
Schreibinteressierte
Ü
Vielleicht könnte Literatur, könnte das Herstellen, Produzieren, Machen von Literatur ein leichtes Spiel sein. Ein Als-Ob, in dem Fragen wie "Was soll ich tun?", "Was muss ich wissen?" keine logischen Begründungen suchen, sondern um etwas kreisen, was Wahrheit sein könnte oder auch nur Gattung, Metapher und Form. Womöglich verstünde man besser, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem Schreiben als Mittel und dem Schreiben als Zweck, dass aber zugleich der Zweck des Schreibens immer Mittel des Denkens sein wird. Über das eigene Schreiben über Literatur als solche und ihre Mittel, über das Was und Wie zu reflektieren, soll Inhalt und Zweck und Mittel der Werkstatt sein und im Prozess erst werden.