Professur Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit






Laufende Forschung

Habilitation

Gesine Mierke: Riskante Ordnungen. Von der "Kaiserchronik" zu Jans von Wien
Vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen um Verbrechen, Vergehen und Fehltritte als Verletzungen bestehender Ordnungen soll die Weltchronik des Jans Enikel als Archiv von brüchigen Geschichte(n) untersucht werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, inwiefern die einzelnen Erzählungen Überschreitungen formulieren, die an der Grenze zur Lächerlichkeit stehen, so dass die Absolutheit von Ordnungen für einen Moment angreifbar und relativierbar wird. 
Dissertation

Ralf Friedrich: Erfolgreiche und gescheiterte Vermittlungsversuche in Heinrich Wittenwilers Ring (Arbeitstitel)
Der um 1410 entstandene Versroman Ring Heinrich Wittenwilers beschreibt satirisch das Leben der Menschen in einem (fiktiven) Dorf am Bodensee. Das Forschungsvorhaben setzt sich zum Ziel, die urkundlich erfassbaren Tätigkeiten Wittenwilers als Mediator in die Interpretation des Gesamtwerkes einzubeziehen. Es soll aufgezeigt werden, inwiefern ein Schiedsmann des 14./15. Jahrhunderts seine Kenntnisse in sein literarisches Schaffen integriert hat und damit einen Einblick in Vorgänge spätmittelalterlicher Mediation gibt. Dabei werden sowohl die vielseitigen Varianten der Vermittlung und Beratung sowie die historische Situation um 1400 im Bodenseeraum (Appenzellerkriege) berücksichtigt.
Dissertation

Claudia Kanz: Hans Schneider und das historische Ereignis
Der spätmittelalterliche, im fränkisch-bayerischen Raum anzusiedelnde Spruchdichter Hans Schneider ist ein wenig bekannter, doch beispielhafter Vertreter der sog. 'Historischen Ereignisdichtung', die durch die mediale Revolution der beginnenden Frühen Neuzeit politische Publizistik mit Propaganda, literarische Traditionen mit Geschichtsschreibung und individuelle Perspektiven mit öffentlicher Meinungsbildung verbindet. Seine über 20 paargereimten Sprüche gilt es in diesem Zusammenhang zu untersuchen.
Dissertation

Nicole Lorenz: Das sächsische Reformationsdrama als Medium der Konfessionalisierung und Bindeglied zwischen mittelalterlichen und neuzeitlichen Aufführungsformen und protestantisches Sprachrohr im Konfessionskrieg
Obwohl das Reformationsdrama per definitionem die Reformation der christlichen Kirche voraussetzt und damit als neue Gattung unter gewandelten gesellschaftlichen Bedingungen firmiert, steht es doch stofflich wie formal in einer langen Tradition, die zumindest in Versatzstücken darin präsent sein dürfte. Das sächsische Reformationsdrama hebt sich von denen anderer Regionen durch einen gemäßigten Ton ab. Beachtenswert ist auch, dass die meisten Verfasser in enger Verbindung mit Wittenberg standen und zumindest zeitweise pädagogisch wirksam waren. So bilden sie einerseits einen Gegensatz zur Handwerkerdichtung Nürnbergs und erlauben anderseits eine genauere Untersuchung der Aufführung- und Wirkungsgeschichte, wurden sie doch (fast) alle für eine konkrete Aufführungssituation geschrieben.

Dissertation

Sara Rodefeld: Der Codex Weimar Q 565
Gegenstand der Dissertation ist der Codex Weimar Q 565. Die Sammlung fasst Texte unterschiedlicher Kleingattungen des 15., 16. und 17. Jahrhunderts, die häufig eine Gemeinsamkeit aufweisen: obszöne Inhalte. Über diese soll die Handschrift neu erschlossen und ins Gespräch gebracht werden. Denn obwohl 1982 ediert, sind Fragen nach den Textzusammenhängen, der Motivation der Sammlung und ihrer Bedeutung weitgehend unbeantwortet geblieben.

Dissertation

Romy Steiger: Erklärungsmuster in Mahrtenehengeschichten. Reihung, Variation und Schemabruch in 'Der Ritter von Staufenberg', 'Partonopier und Meliur' und in den spätmittelalterlichen Melusinenromanen
'Der Ritter von Staufenberg', Konrads von Würzburg 'Partonopier und Meliur', Couldrettes 'Mélusine ou Le Roman de Parthenay' sowie Thürings 'Melusine' werden nach dem Erzählmuster der sog. Mahrtenehe erzählt: Die Verbindung eines Ritters mit einer Fee garantiert großes Glück, solange er ihr Geheimnis wahrt. Da der Ritter (wie schemaüblich) das Tabu bricht, ist der Verlust der Fee und aller Glücksgüter die Folge. Während das Handlungsgeschehen einiger Texte nahezu vollständig durch das Mahrtenschema erklärt wird, sind die meisten von ihnen jedoch weitaus komplexer: Es treten sog. Erklärungsmuster hinzu, welche die Texte zusätzlich strukturieren. Die Möglichkeiten reichen von der Variation des Kernschemas bis hin zum Schemabruch. Ausgehend von der Narratologie Clemens Lugowskis sollen o. g. Mahrtenehengeschichten auf ihre Erzählstruktur und Handlungsmotivation hin untersucht werden. Ziel der Dissertation ist es, eine Typologie von Mahrtenehengeschichten zu erstellen.
Dissertation

Stefanie Weiß: Fiktionalität im höfischen Roman – der Lanzelet Ulrichs von Zatzikhoven (Arbeitstitel)
Während in der Forschung unbestritten ist, dass die Autoren der "klassischen" Artusromane Fiktionalität bewusst als literarisches Instrument einsetzen, wurde dies bezogen auf die sogenannten "nachklassischen" Romane, zu denen der Lanzelet gehört, lange in Frage gestellt. Dem anfänglichen Vorwurf des "Epigonentums" bzw. des "wirren Abenteuerwesens" folgte zwar eine gewisse Rehabilitation, problematisch ist allerdings immer noch, dass diese Texte nach wie vor auf der Folie des Chrétienschen Modells gelesen werden. Die Dissertation setzt sich zum Ziel, mittels einer narratologischen Analyse das epistemologische Programm des Lanzelet zu verstehen, ohne auf dem Romanschema Chrétiens als alleinigem Bezugspunkt des Textes zu beharren. Methodischer Ausgangspunkt der Arbeit ist deshalb eine erzähltheoretische Untersuchung der fiktionalen Elemente, der Handlungsmotivation bzw. der Funktion von Motiven und Strukturen, da literarische Erkenntnis im Text nicht direkt mitgeteilt werden kann, sondern immer an einen Vermittlungs- und Verstehensprozess gebunden ist, der durch den Einsatz von Fiktionalität realisiert wird.

Dissertation

Karen Werner: Die schulische Rezeption mittelalterlicher Literatur (1918-1990)
Seit der Gründung des Wilhelminischen Obrigkeitsstaates wurde der deutsche Schulunterricht, besonders der Geschichts- und Literaturunterricht, verstärkt zur national-ethischen Charakterbildung einbezogen und u. a. zu behandelnde Unterrichtsstoffe offenkundig mit politisch-weltanschaulichen Absichten versehen. Das Forschungsvorhaben will auf der Basis einer Lesebuch- und Lehrplanrecherche aus über 70 Jahren Zeitgeschichte der Frage nachgehen, unter welchen Gesichtspunkten speziell die Literatur des Mittelalters in den Deutschunterricht der WR, des NS, der DDR und BRD integriert wurde. Ein diachroner Vergleich ausgewählter Einzelwerke, die auf ihre faktische Rezeption hin untersucht werden, soll zeigen, wie sich die Einschätzung der Werke verändert hat und inwiefern gesinnungsbildende Denkmuster über weltanschauliche Grenzen hinweg tradiert wurden.

Transkriptionsprojekt

Thore Wilkens: Von der Deklination des Leibes. Die kommentierte Abschrift der Ringer Kunst des Fabian von Auerswald
Diese Abschrift des 1539 gefertigten Ringkampftraktats hat in der Forschung bisher nur wenig Beachtung gefunden, obwohl sie wesentlich zum Verständnis der auerswaldschen Ringkampflehre beiträgt. Darüber hinaus gewährt sie einen unvergleichlichen Einblick in das technische Niveau des mittelalterlichen Ringkampfes und seiner Vermittlung.