Präsentation: "Die Zukunft der Kulturhauptstädte aus Sicht der nächsten Generation" (pdf)
Bisherige Exkursionen
1) Das Konzept der europäischen Kulturhauptstädte: monokulturell, multikulturell, transkulturell?
Die Idee, jährlich eine andere europäische Stadt zur Kulturhauptstadt Europas zu küren, stammt von der früheren griechischen Kulturministerin Melina Mercouri. Seit 1985 hat der EU-Kulturministerrat die jährliche Kür übernommen (OJ C 153, 22.6.1985). 1999 legte das Europäische Parlament und der Europäische Rat neue Richtlinien fest (1419/1999/EC), die vor allem den Vergabemodus regeln. Ab dem Jahre 2005 werden danach die 15 EU-Länder in wechselnder Reihenfolge das Recht haben, in eigener Verantwortung eine oder mehrere Kulturhauptstädte vorzuschlagen (bis zum Jahre 2019 verbleibt das Vorschlagsrecht damit bei den jetzigen Mitgliedern). Eine internationale Jury aus unabhängigen Gutachtern wird jedes Jahr eine Empfehlung an das Europäische Parlament, den Rat und die Kommission abgeben. Die endgültige Entscheidung trifft der Rat.
Bis jetzt fehlt über die relativ dürren rechtlichen Bestimmungen hinaus jedoch ein übergreifendes Konzept; ein Netzwerk der Kulturhauptstädte (ECCM), das dazu beitragen könnte, ist erst in Planung. Ein erster Eindruck bei der Durchsicht der Programme zeigt, dass alle bisherigen Kulturhauptstädte sowohl mit ihren historischen Stadtteilen und Bauwerken früherer Epochen wie auch mit ihrer Weltoffenheit, Lebensqualität und Modernität werben. Präsentiert wird durchgehend die kulturelle Stadtlandschaft in vertikaler Richtung, d.h. der Abläufe der Epochen, die meist in einer Reihe von Gebäuden in den verschiedenen europäischen Baustilen und oft noch im Plan der historischen Stadtzentren sichtbar sind. Interessanter und unterschiedlicher wird es jedoch in der Präsentation einer horizontalen Perspektive. Damit ist die Vielfalt der in der Stadt heute gesprochenen Sprachen und Stadtdialekte gemeint, der bodenständigen wie der durch die Migranten mitgebrachten Lebensweisen, der Differenz zwischen den Wohnvierteln der über Generationen ansässigen Bevölkerungsgruppen im Gegensatz zu den Quartieren von Randgruppen der Gesellschaft, zu denen teilweise auch die Einwanderer gehören. In der Horizontalität liegt auch der stärkste Konfliktstoff in der Stadtpräsentation, da Tourismusmanager und städtische Kulturbeauftragte oft eine glatte, ästhetisch schöne Oberfläche der Stadt der Einbeziehung von Außenseitergruppen gegenüber vorziehen.
Es wird also zu hinterfragen sein, ob nicht in Werbeprospekten und offiziellen Stadtführungen nur ein (möglicherweise auch von vielen Touristen eingefordertes) aufgeschöntes Bild vermarktet wird, das weit entfernt ist von der Realität der Stadt als Lebens- und Kulturraum ihrer Bewohner. Eine zusätzliche Frage, die gestellt werden soll, ist die nach den zum Teil schon soziologisch festgestellten nicht mehr kompatiblen kulturellen Identitäten in europäischen Städten, die durch das Neben- und Gegeneinander von Migrantengruppen und gewachsener städtischer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten entstanden sind. Hier soll untersucht werden, ob die Programme der Kulturhauptstädte diese Problemfelder ansprechen und möglicherweise durch kreative Projekte zu ihrer Lösung in Form einer gemeinsamen, wenn auch vielfältigen Identitätsbildung unter Nutzung der kulturellen Differenzen beitragen oder ob sie eindimensional in nivellierender Stadtfolklore verharren. Ein weiterer Aspekt der Stadterfahrung mittels der Exkursion ist die Untersuchung des prekären Gleichgewichts in dem jeweiligen Programm zwischen der Präsentation der Tradition der Stadt in den durch ihre Bevölkerung selbst getragenen Projekten und der europäischen und teilweise globalen Multikulturalität und Transkulturalität einzelner Kunstausstellungen, Konzertveranstaltungen und Theaterfestivals, die nur von einer kleinen kosmopolitischen Elite wahrgenommen und besucht werden.
2) Zur Organisation der Veranstaltungen für Studierende
Die Veranstaltungsreihe umfasst Vorbereitungsseminare und Exkursionen zu dem Thema "Kulturhauptstädte Europas". In den Seminaren werden die Grundlagen der städtischen Geschiche und die Aspekte des kulturellen Programms der jeweiligen Kulturhauptstadt erarbeitet. Einzelne Fragestellungen, die dieses Programm aus verschiedenen Perspektiven beleuchten, betreffen:
An diesen Seminaren können Studierende der folgenden Fächer teilnehmen:
Die Teilnehmer der Exkursionen müssen als Vorleistung an einem Vorbereitungs-Seminar aktiv mitgearbeitet und einzeln und einzeln oder in Kleingruppen ein Thema vorgestellt haben. Auf den Exkursionen können sie einen Teil der Stadtführung übernehmen, "fieldwork" zu einem bestimmten Aspekt des Kulturprogramms durchführen, ein Interview mit Kulturschaffenden führen oder einen Teil mit Fotos oder Videos dokumentieren. Am Ende der gemeinsamen Arbeit soll ein Multipliktionseffekt durch Internetpräsentationen, Berichte für eine Zeitung oder der Öffentlichkeit zugängliche Vorträge stehen.
3) I. Exkursion und Exkursionsvorbereitung im Sommersemester 2003: Graz
Graz als zweitgrößte Stadt Österreichs ist durch seine Lage südlich des Alpenhauptkamms der Adria und dem Balkan näher als jede andere deutschsprachige Stadt. Dies schlägt sich einerseits in dem städtebaulichen Arrangement nieder, welches ein ausgesprochen südländisches Flair ausstrahlt. Die Altstadt ist mit den vielen Bauwerken aus Renaissance und Barock zum Weltkulturerbe der Unesco erklärt worden. Die exponierte Lage zum Südosten hin spiegelt sich ebenso in der ethnischen Zusammensetzung der Migranten, die zu eienm großen Teil aus dem ehemaligen Jugoslawien (Städtepartnerschaft mit Sarajewo), aber auch anderen Balkanländern stammen. Dies schlägt sich auch in der internationalen Zusammensetzung der Studentenschaft der drei Universitäten mit ihren insgesamt 40.000 Studierenden nieder.
Die Studierenden der TUC sollen durch das Vorbereitungsseminar und die Exkursion
Speziell in Graz gibt es durch den Termin der Anwesenheit der Exkursionsteilnehmer in der Stadt vom 15.-17.5.2003 folgende Möglichkeiten für studentische Projekte:
Teilnahme an den Universitätsfesten der Karl-Franzens Universität Graz, der Technischen Universität und der Kunst- und Musikhochschule vom 15.-17. Mai (rund um die Uhr)
Die Ergebnisse der Projekterkundungen sollen über verschiedenen Medien präsentiert werden. Geplant sind: