1.1 Angaben zur Person des Lehrers
Die drei im Fragebogen zur Person des Lehrers gestellten Fragen bezogen sich zum einen auf das Geschlecht der Lehrperson, zum anderen auf deren Alter und die Unterrichtserfahrung (in Jahren). Mit 84,6% stellen Frauen den überragenden Teil der befragten Englischlehrer. Die Hälfte aller Lehrenden ist unter 40 Jahre, 38,5% zwischen 40 und 50 Jahre alt. Im Vergleich mit den alten Bundesländern ist der Anteil der unter 40-jährigen relativ hoch, wohl aufgrund des nach der Wende enorm gestiegenen Bedarfs an qualifiziertem Englischunterricht. Bemerkenswert ist nämlich auch die Tatsache, daß zwar mit 35,7% die meisten Lehrer im Zeitraum 1980-1989 begonnen haben, Englisch zu unterrichten, aber mit 31,0% die ab 1990 Unterrichtenden die zweitgrößte Gruppe unter den Lehrern stellen.
1.2 Auslandskontakte
Ungefähr 60% der Gemeinden oder Städte, in denen die befragten Schulen ansässig sind, unterhalten Städtepartnerschaften, davon 42,5% innerhalb der Bundesrepublik. Mit 12,6% stellt Großbritannien die größte ausländische Gruppe. Die übrigen angeführten Länder sind Tschechien (10,3%), Frankreich (9,2%), Dänemark, Finnland, die Niederlande, Österreich, Rumänien und Ungarn. Für mögliche Schüleraustauschprogramme mit Großbritannien, die von den Gemeinden selbst organisiert werden, sind die Voraussetzungen also für Initiativen der Gemeinden insgesamt nicht ungünstig.
48 der befragten Lehrer gaben an, schon einmal eine Klassenfahrt in das englischsprachige Ausland unternommen zu haben. In einem Fall wurden als Ziel die USA genannt, in einem anderen Fall Australien (zusätzlich zu einer Klassenfahrt nach Großbritannien); alle übrigen wurden nach Großbritannien unternommen, wobei London das beliebteste Ziel war.
Nicht nach Schultyp differenziert ergibt sich im Hinblick auf Schüleraustauschprogramme folgendes Bild: lediglich 8,5% der Schulen, die die Frage nach einem solchen Programm beantworteten, hatten ein Schüleraustauschprogramm. Aufgeschlüsselt nach Gymnasien und Mittelschulen ergibt sich der markante Unterschied von 54,4% Gymnasien mit einem Austauschprogramm und nur 1,3 % Mittelschulen. Im Durchschnitt sind zwischen 20 und 40 Plätze pro Jahr vorhanden (27,3% verfügen über 20 Plätze, 36,4% über 30 Plätze und 27,3% über 40 Plätze). Als englischsprachige Länder, mit denen der Schüleraustausch erfolgt, wurden Irland, Schottland und die USA (3 Schulen) genannt. Bei insgesamt 46,7% aller Austauschprogramme handelt es sich um solche mit englischsprachigen Ländern. Den zweitgrößten Anteil hat Frankreich, an zwei Schulen gibt es einen Austausch mit den Niederlanden und an einer einen Austausch mit Bayern. Die niedrigste Jahrgangsstufe, in der ein Austausch angeboten wird, ist die siebte. In den meisten Fällen ist die Fahrt ins Ausland in den Stufen 9 bis einschließlich 12 möglich. Bei aller Differenzierung des Bildes zeigt sich eine klare Bevorzugung der Jahrgänge, die bereits mehrere Jahre Englischunterricht hinter sich haben. In Klassenstufe 12 ist damit zu rechnen, daß die Teilnehmer Grund- oder Leistungskurs Englisch haben. Die Wahl des Zeitpunktes für einen Schüleraustausch steht im Spannungsfeld zwischen didaktischen Kenntnissen über den idealen Zeitpunkt und der praktischen Durchführbarkeit an der Schule. Wünschenswert wäre der Austausch nach didaktischen Gesichtspunkten bereits in der 7. Jahrgangsstufe, unter Umständen sogar schon in der 6., also bereits dann, wenn die Schüler auch nur Grundkenntnisse haben. Da sie in diesen Jahrgangsstufen aber noch sehr jung und weniger selbständig sind als in höheren Klassen, scheitern Bemühungen um frühere Austauschzeitpunkte oft an praktischen Problemen.
Äußerst aufschlußreich ist auch die Tatsache, daß nur eine einzige Schule ein Lehreraustauschprogramm nachweisen kann, was ein deutlicher Hinweis auf den dringenden Handlungsbedarf in dieser Hinsicht ist. An der entsprechenden Schule gibt es Kontakt zu den Ländern Australien, Großbritannien und USA, also ausschließlich zu englischsprachigen Ländern, was für das Fach Englisch natürlich nur positiv sein kann. Nach Aussagen von Herrn Hähnel (Schulleiter des Agricola-Gymnasiums in Chemnitz) erfolge in Sachsen nur in Ausnahmefällen eine Einbindung ausländischer Lehrer in das Unterrichtsgeschehen. Trotzdem sollten in Zukunft Austauschprogramme mehr gefördert und, wie in den alten Bundesländern, die Lehrer von ausländischen Schulen am Unterricht beteiligt werden.
1.3 Lehrplan und Unterricht
Die erste der drei auf den Lehrplans bezogenen Fragen erbat eine Einschätzung des im Lehrplan vorgegebenen Verhältnisses von Literatur zu Landeskunde zu Grammatik in Zahlen in der Form X.:X:.X. Auch wenn die dadurch gewonnenen Zahlenwerte recht uneinheitlicher Natur sind, zeigen bereits die beiden am häufigsten genannten Zahlenkombinationen 1:2:2 (18,3%) und 1:2:3 (20,6%) die Vorrangstellung der Grammatik gegenüber den beiden anderen erfragten Gebieten. In 16,5% aller weiteren Nennungen wird Grammatik ebenfalls als betontes Teilgebiet des Unterrichts genannt. In 55,5% aller Äußerungen zu der entsprechenden Frage zeigt sich also die Dominanz der Grammatik. Die im Lehrplan zur Grammatik angegebenen Lernziele sehen 81,4% aller antwortenden Lehrer als angemessen an. Die Antwort auf die Frage nach dem im Lehrplan vorgesehenen Verhältnis von Wissen und Können wurde ähnlich wie bei der ersten Frage in einem Zahlenverhältnis der Form X:X gegeben. In 49,5% der Antworten spiegelt sich die Auffassung, Wissen dominiere gegenüber Können, wobei 36,6% das Verhältnis 2:1 nennen. In weiteren 30,9% aller Fälle wird das Verhältnis als ausgewogen bezeichnet, lediglich 19,6% sehen eine Gewichtung zugunsten des Lernziels Können als gegeben an. Diese Antworten zeigen aber (nach der Meinung mancher Didaktiker) nicht unbedingt Handlungsbedarf im Hinblick auf eine Änderung der momentanen Lehrpläne, sondern vielmehr ein Wahrnehmungsproblem auf seiten der Lehrer. Aufgrund der leichteren Abprüfbarkeit von Wissen entsteht leicht der Eindruck, dieses dominiere den Lehrplan inhaltlich. Auch im Abitur wird z.T. durch das Abfragen literaturwissenschaftlicher Termini Wissen geprüpft, doch sollte dies nicht darüber hinwegtäuschen, daß eben vorwiegend Können gefragt ist. Landeskunde läuft in jedem Fall immer parallel zu allen anderen Inhalten des Lehrplans und bildet ja auch sehr häufig den Hintergrund für die Darbietung anderer Themen in den Lehrbüchern. In der Mittelschule spielt Literatur eine untergeordnetere Rolle, doch wird sie am Gymnasium spätestens ab der 7. Jahrgangsstufe immer intensiver betrieben. Auch im Hinblick auf die Dominanz grammatischer Inhalte gibt es ein Wahrnehmungsproblem dahingehend, daß viele Lehrer die im Lehrplan vorgegebenen Inhalte nicht frei umsetzen können, sondern weiterhin der Meinung sind, der Lehrplan gebe etwas Vorgefertigtes wieder, das nur abgearbeitet werden müsse. Dabei wird dann vielfach übersehen, daß das, was zählt, das Können des Lerners ist, seine kommunikative Kompetenz, nicht das, was er sich auf dem Weg dorthin an abprüfbarem Wissen angeeignet hat. Wichtig wäre in Zukunft auch hier verstärkte Aufklärung, um die richtige Umsetzung der Lehrpläne zu gewährleisten.
Außer den bereits in der Frage nach dem Medieneinsatz im Englischunterricht als Beispiele genannten Medien Kassettenrekorder, Videogerät und Computer wurden Diaprojektor und Overheadprojektor sowie Druckmedien angeführt. Immerhin 9,1% der befragten Lehrer gaben an, lediglich den Kassettenrekorder einzusetzen, was bedeuten würde, daß außer dem Lehrbuch nicht einmal weitere Texte ausgeteilt und behandelt werden. Ansonsten kamen alle möglichen Kombinationen der Medien miteinander vor, ein Lehrer gab an, alle aufgeführten Medien einzusetzen. Wenn man den monomedialen Einsatz des Kassettenrekorders bzw. der Druckmedien und den Einsatz aller Medien nicht mit einrechnet, entfallen folgende Anteile auf die Einzelmedien: Videogerät 86,4%, Kassettenrekorder 84,1%, Diaprojektor 13,2%, Folien 17,8%, Computer 6,9% und Druckmedien 14,3% (bei Mehrfachnennungen), d.h. der Computer harrt als Medium noch einer ausgeweiteten Nutzung und audiovisuelle Medien kommen am häufigsten zum Einsatz.
Die Frage nach der Variante des Englischen, die nach Ansicht der Lehrer in den Schulen gelehrt werden sollte, zeigt mit 55,4% Anteil eine klare Bevorzugung von British English; auf American English als ausschließliche Variante entfielen nur 2,3% und auf International English 12,0%. 24,6% allerdings wollten die Kombination British English und American English und 2,9% die Kombination British English und International English. Die in der Frage weiterhin angeführte Variante Simplified English wurde in keinem Fall als die zu lehrende angeführt.
1.4 Internet-Anschluß der Schule
Über einen Internet-Anschluß verfügen nur 6 der befragten Schulen. Bei einer Vergleichsumfrage an drei Schulen in Bayreuth, Hof und Kulmbach waren zwar alle Schulen an das Internet angeschlossen, doch keine verwendete die vorhandenen Informationen im Unterricht. Herr Hähnel, Leiter des Agricola-Gymnasiums in Chemnitz, berichtete, daß der Zugang aufgrund finanzieller Zwänge z.B. bei der Materialsuche für Schülerarbeiten weiterhin nur beschränkt möglich ist, die Schule aber an das Offene Deutsche Schulnetz angeschlossen ist. Wünschenswert wäre hier ein informeller Erfahrungsaustausch der Schulen. Ein großes Potential steckt im Internet auch insofern, als englischsprachige E-Mail-Kontakte (zur Ergänzung oder als Ersatz für bereits vorhandene Brieffreundschaften) gefördert werden könnten; 72,3% der Lehrer begrüßten einen solchen ausgeweiteten Gebrauch des Internets. Dieser bietet zum einen für die Schüler den Anreiz, die Sprache besser zu lernen, weil sie direkt erleben, wie wichtig und gewinnbringend Fremdsprachenkenntnisse sind, zum anderen gibt es einen Übungseffekt. Dies scheinen zwei Möglichkeiten zu sein, das Internet für die Belange der angeschlossenen Schulen attraktiver zu machen.
Wie in vielen Gesprächen deutlich wurde, hängt die zukünftige Nutzung des Internets, bei einer steigenden Zahl von Anschlüssen, in erster Linie vom leichten Zugang ab und von der Fertigkeit der einzelnen Lehrer, mit dem neuen Medium umzugehen. Das Internet kann zur Beschaffung von Informationen genutzt werden für den landeskundlichen Unterricht, für Schüleraustauschprogrammen sowie für Weiterbildungsangebote für Lehrer. Um die Nutzung des Internets zu erweitern, müßten in Zukunft Schulungen insbesondere für Fachbetreuer als Multiplikatoren an den Schulen angeboten werden. Von seiten der Universitäten sollte überlegt werden, ob nicht Hinweise über statistische Datenbanken , Nachschlagewerke im Internet, etc. zur Verfügung gestellt werden sollten. Wenn sichergestellt ist, daß mehr Lehrer das Internet überhaupt benutzen können, sollte verstärkt auch nachgedacht werden über eine Internet-Grammar und über [die Möglichkeit, Teile der Weiterbildung nach dem Lehrbriefprinzip beim Fernstudium im Internet anzubieten] in Weiterentwicklung älterer Formen des Lehrbriefs beim Fernstudium. Zum Teil werden bereits konkrete Angebote für den Unterricht geliefert, so z.B. vom Deutschen Bildungsserver (erreichbar über die Universität Essen), der Unterrichtsmaterialien für den Fachunterricht liefert (für das Fach Englisch unter anderem authentische kurze Schülertexte gesammelt unter dem Titel "A Day in my Life", eine Online Diashow USA oder auf den Unterricht zugeschnittene Literaturtexte). Positiv für die Belebung der E-Mail-Kontakte ist der Zugang zum International E-Mail Tandem Network, einer Art Börse für Brieffreundschaften. E-Mail-Kontakte und Projekte sind aus zweierlei Gründen besonders wünschenswert. Zum einen eignen sie sich hervorragend für den fächerübergreifenden Unterricht (Eck et al. 1995: 114), zum anderen "entheben [sie] die Lehrperson der Notwendigkeit, das im Englischunterricht oft gebrauchte einleitende Imagine ... verwenden zu müssen. Die Schülerinnen und Schüler kommunizieren im Rahmen authentischer Situationen mit realen Partnern. Dieses Wissen, nicht an eine fiktive im Lehrbuch vorkommende Person schreiben zu müssen, um anschließend der Lehrperson den Text zur Bewertung zu überlassen, hat eine ausgesprochen fördernde Wirkung auf die Schreibhaltung" (ibid: 116).
1.5 Meinungen der befragten Lehrer über Englisch
Durchweg positiv fielen die Antworten auf die Fragen zur internationalen Bedeutung des Englischen aus (vgl. English 2000 1995). Auch innerhalb Deutschlands wird dem Englischen zur Verständigung mit Ausländern große Bedeutung eingeräumt; der in der Frage enthaltene Zusatz "Ausländer sollen die deutsche Sprache lernen" scheint also keine Zustimmung zu finden, gegen eine Verständigung mittels des Englischen sprachen sich nur 19,8% der Befragten aus. Es mag zwar sein, daß die Ansicht, in Deutschland lebende Ausländer sollen Deutsch lernen, mehr Zustimmung finden würde, doch wird eben nicht übersehen, welche Bedeutung das Englische in der Verständigung mit Ausländern auch in Deutschland hat. So arbeiten z.B. in Deutschland ansässige Firmen, wie das Unternehmen Arthur Anderson in Chemnitz, z.T. auch innerhalb des Betriebes zweisprachig unter Zuhilfenahme des Englischen. Truchot führt ähnliche Beispiele auch aus anderen europäischen Ländern an und stellt allgemein fest, daß dem Englischen eine besonders wichtige Funktion in international agierenden Firmen mit Tochterbetrieben in verschiedenen Ländern zukommt (Truchot 1990: 82 ff.). Dagegen stimmen 79,9% der Befragten der Aussage zu "Wer Englisch kann, ist weltoffen und modern", ebenso wie 79,7% überzeugt davon sind, daß jemand, der Englisch beherrscht, sich auf der ganzen Welt verständigen kann. Noch wesentlich deutlicher wird die dem Englischen beigemessene Bedeutung bei der Einschätzung der Rolle des Englischen in der Wissenschaft, für die 91,5% die englische Sprache als Voraussetzung dafür ansehen, daß Deutschland den Anschluß an die internationale Forschung behält. Wie berechtigt diese Einschätzung ist, verdeutlicht ein Artikel in der Zeitung Die Zeit vom 19.6.1996. Im Hinblick auf den sogenannten impact factor, also die Häufigkeit, mit der Aufsätze zitiert werden, wird für englische Aufsätze ein Durchschnitt von 3,7 mal und für deutsche von 0,6 mal angegeben. Vor diesem Hintergrund verwundert es allerdings etwas, daß nur 73,3% dem Englischen eine vergleichbare Bedeutung bei der Erhaltung der wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit Deutschlands zuerkennen, auch liegt bei der Antwort der Anteil derjenigen ohne klare Meinung mit 10,8% doppelt so hoch wie bei der Einschätzung der Rolle in der Wissenschaft. Noch höher, nämlich bei 27,1%, liegt der Anteil ohne klare Meinungsäußerung bei der Frage danach, ob in Zukunft die Nachfrage nach der Kombination Sachfach mit Englisch in der Schule und in den Universitäten steigen werde. Verglichen mit der dem Englischen beigemessenen Bedeutung in Wirtschaft und in Wissenschaft, liegt der Anteil der Ja-Stimmen bei der entsprechenden Frage mit 61,6% relativ niedrig. Der Grund hierfür könnte durchaus in einer Unsicherheit darüber liegen, ob dies für die Schulen bilingualen Unterricht impliziert oder nicht, der ja, wie in 5.1 zu sehen ist, weitestgehend abgelehnt wird.
Ebenfalls eine deutlich positive Einstellung gegenüber dem Englischen zeigt sich darin, daß 62,6% der Befragten bei der zunehmenden Verbreitung der englischen Sprache und der durch sie transportierten Werte keine Gefahr sehen, daß dadurch andere Kulturen und deren Wertsysteme verdrängt werden könnten. Eine solche Befürchtung wurde nur in 24,7% der Antworten geäußert. Eine ebenso wichtige Rolle in der Persönlichkeitsentwicklung wie für die Wirtschaft und den Beruf räumen dem Englischen 51,7% aller Befragten ein, doch ist der Anteil von 37,5% Neinstimmen ebenfalls signifikant hoch. Auf diesem Hintergrund überrascht es nicht, daß sich die Befürworter der Ansicht, der Englischunterricht solle erst nach einer gründlichen Unterweisung in der Muttersprache einsetzen (45,5%), mehr oder minder die Waage halten mit den Gegnern dieser Forderung (46,6%). Nach Erkenntnissen aus Sprachwissenschaft und Didaktik sollte die Begegnung mit der Fremdsprache ja möglichst früh beginnen, weshalb erste Versuche in Kindergärten und die Einführung der obligatorischen Begegnungsprache Englisch ab der 3. Jahrgangsstufe in Sachsen begrüßenswert sind. Die an den Grundschulen unterrichtenden Lehrer bringen in der Regel nicht entsprechend gute Englischkenntnisse mit (da ja nur imitativ gelernt wird, ist dies ganz besonders schlecht im Bereich der Aussprache); zudem wird oft in der 5. Jahrgangsstufe mit Beginn des wirklichen Englischunterrichts nicht an die bereits vorhandenen Vorkenntnisse angeknüpft.
Gegen eine Entlehnung englischer Ausdrücke sprechen sich 61,1% der Befragten aus, 24,6% sind nicht gegen eine solche Entlehnung, 14,3% vertreten keine Meinung hierzu. Mit 95,5% kann sich die überragende Mehrheit der Befragten nicht mit der Auffassung identifizieren, daß nicht jeder einzelne Englisch lernen müsse, wenn es genügend qualifizierte Übersetzer und Dolmetscher gäbe. Weiterhin ergeben sich für den Unterricht weitreichende Implikationen daraus, daß Landeskunde (britische und/oder US-amerikanische) als integraler Bestandteil des Sprachunterrichts gesehen wird.
Die Zukunft des Englischen wird von 75,1% dahingehend positiv gesehen, daß sie es nicht für möglich halten, daß das Englische in absehbarer Zeit von einer der anderen großen Weltsprachen wie Spanisch oder Chinesisch Konkurrenz bekommt. Ein Fazit aus der überragend positiven Bewertung der Stellung und der Bedeutung der englischen Sprache spiegelt sich beispielsweise darin, daß 94,9% der Befragten davon überzeugt sind, Englischkenntnisse brächten bessere Berufschancen mit sich. Dieser Ansicht waren 100% der Gymnasiallehrer und 94,1% der Mittelschullehrer.
1.6 Ansichten der Lehrer zu Fremdsprachen und Beruf
1.6.1 Schule
Die Mehrheit der Befragten (61,4%) spricht sich gegen eine Form des Gymnasiums aus, die drei Fremdsprachen bis zum Abitur zu Pflichtfächern machen würde, befürwortet wurde eine solche Form von 25,0% der Befragten. Ebenso deutlich wurde die Ablehnung des sogenannten bilingualen Unterrichts in ausgewählten Fächern wie Biologie oder Geschichte (mit Themen, die auf deutsch und anderen, die auf englisch gehalten würden) zum Ausdruck gebracht, nämlich mit 68,4% bei 21,8% Befürwortern. Dies unterstreicht die von Butzkamm (1989: 155) angeführten Zweifel über die Durchführbarkeit des bilingualen Unterrichts trotz aller Einschätzung als idealer Unterrichtsform, um so mehr als Butzkamm vor allem auf die Qualifikation der Lehrer eingeht, aber nicht direkt von Akzeptanzproblemen spricht. In verstärktem Maß muß die Aufklärung über die Bedingungen und den Nutzen von bilingualem Unterricht vorangetrieben werden. Insbesondere muß immer wieder der Vorstellung entgegengetreten werden, bilingualer Unterricht vernachlässige die Schulung in der Muttersprache und bestimmte Themen würden nur noch in der Fremdsprache behandelt (s. hierzu Schmid-Schönbein et al. 1994: 8/9).
Mehr internationale Austauschprogramme an den Schulen werden von 76,2% der antwortenden Lehrer gefordert. 72,3% sprachen sich für die Förderung englischsprachiger E-mail-Partnerschaften aus. Bei dieser Frage ist gegenüber der vorhergehenden der Anteil der Stimmen, die keine Meinung zum Ausdruck brachten, 21,4% um gut ein Drittel höher, was drauf zurückzuführen sein könnte, daß erst wenige der Befragten mit diesem relativ jungen Kommunikationsmittel vertraut sind.
1.6.2 Ausbildung
Daß der Lehrplan der Berufsschulen zwei Fremdsprachen vorsehen solle, lehnen 44,1% der Befragten ab, doch ist der Anteil der befürwortenden Stimmen mit 30,5% auch beträchtlich. Die Zustimmung zur Auffassung, die Universitäten sollten ihr Fremdsprachenangebot für Hörer aller Fakultäten erweitern, liegt bei 58,6%. Allerdings ist das Angebot an vielen Universitäten in den neuen Bundesländern relativ gut ausgebaut, so gibt es beispielsweise an der Universität in Chemnitz im Gegensatz zu vielen Universitäten in den alten Bundesländern keine Wartezeiten, ca. ein Drittel aller Studierenden (auch aus Studiengängen, deren Studienordnungen dies nicht vorschreiben) besucht die Sprachkurse (Schwierigkeiten liegen eher darin, daß die Studenten durch andere Lehrveranstaltungen ausgelastet sind und so keine Zeit haben, das fakultative Angebot zu nutzen.)
1.6.3 Weiterbildung
Bei allen drei in der Rubrik Weiterbildung gestellten Fragen zeigt sich ein deutlicher Wunsch nach einem gegenüber dem Ist-Zustand erweiterten Angebot. Die Hälfte aller Befragten war der Meinung, die Industrie- und Handelskammern sollten ihr berufsspezifisches Fremdsprachenangebot erweitern (keine Meinung hatten 44,8%). 65,7% forderten die gezieltere Ausrichtung des Fremdsprachenangebots der Volkshochschulen auf spezifische Berufsgruppen. Positiv zu bewerten sind erste Ansätze für eine Verbesserung der Situation in den neuen Bundesländern, wie sie in einem Informationsgespräch mit Frau Dr. Hartung von der Gesellschaft "Arbeit und Leben" in Thüringen am 3.12.1996 in der Universität Chemnitz geschildert wurden. Die Erarbeitung neuer, auf Firmen ausgerichteter Kurse, die in Thüringen begonnen wurde, soll bei weiterem Fortschritt der Arbeit auf Sachsen übertragen bzw. insgesamt noch ausgeweitet werden. Am eindeutigsten zeigt sich mit 90,8% Ja-Stimmen der Wunsch der Befragten nach einer Erweiterung des Angebots an Sprachlernsendungen in Funk und Fernsehen.
1.7 Meinungen der befragten Lehrer zu Englisch im Lebensalltag
Gegen eine überwiegend in der Originalsprache vorgenommene Ausstrahlung englischer Fernsehfilme waren 59,3% der Befragten, eine solche Ausstrahlung befürworteten 30,2%, wohingegen sich 87,5% für einen leichteren Zugang zu englischsprachigen Sendern über Kabel aussprachen. Einen Zugang zum englischsprachigen Internet und das Angebot zur Anleitung in Mediotheken begrüßten 66,9% der befragten Lehrer, 30,3% vertraten keine spezifische Meinung hierzu.
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