Forschungsschwerpunkte der Professur |
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Devolution im Vereinigten Königreich
Seit 1999 hat das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland unter dem Stichwort „Devolution“ einen Dezentralisierungsprozess seiner politischen Strukturen begonnen. In diesem Prozess wurden Gebietskörperschaften mit unterschiedlichen legislativen und exekutiven Befugnissen für Wales, Nordirland und Schottland geschaffen ohne dabei den unitarischen Anspruch des britischen Staates aufzugeben. An der Professur für Britische und Amerikanische Kultur- und Länderstudien werden gegenwärtig die Auswirkungen dieses Prozesses auf die Muster britischer Territorialpolitik im Allgemeinen und auf politische Karrieren in Großbritannien im Besonderen erforscht. Die bisherigen Untersuchungen haben ergeben, dass Devolution zwar ohne Zweifel zum Erhalt des britischen Einheitsstaates beigetragen hat, dass sich der „Politikbetrieb“ in den peripheren britischen Nationen jedoch gleichzeitig vom Zentrum der Westminster Demokratie in London abgekoppelt hat.
Fachtagung: 10 Years of Devolution: The New Territorial Politics in the United Kingdom, 22.-24. Mai 2009, Mülheim Ruhr. Organisiert von Prof. Dr. Klaus Stolz, finanziell unterstützt durch die Thyssen-Stiftung.
Publikationen:
- Klaus Stolz (Hrsg.): Ten Years of Devolution in the United Kingdom: Snapshots at a Moving Target, Schriftenreihe des Arbeitskreis Deutsche-England Forschung, Augsburg: Wißner Verlag 2010.
- Klaus Stolz: Towards a Regional Political Class? Professional Politicians and Regional Institutions in Catalonia and Scotland, Manchester: Manchester University Press, 2010.
- Klaus Stolz: The Regionalization of Political Careers in Spain and the UK, in Regional and Federal Studies 21:2 (2011), 223-44.
- Klaus Stolz: Auf ewig unvollendet: Der Devolutionsprozess im Vereinigten Köngreich, in: Jahrbuch für Föderalismus 2010, Europäisches Zentrum für Föderalismusforschung Tübingen (ed.), Baden-Baden: Nomos 2010, 317-28.
- Klaus Stolz: Devolution - A Balance after Ten Years, in: Klaus Stolz (ed.): Ten Years of Devolution in the United Kingdom: Snapshots at a Moving Target, Schriftenreihe des Arbeitskreis Deutsche-England Forschung, Augsburg: Wißner Verlag 2010, 6-12.
International Research Network: „Political Careers in Multi-Level Systems“ (Koordination)
Dieser Forschungsverbund widmet sich der vergleichenden Analyse politischer Karrieremuster in regionalisierten und föderalen politischen Systemen. Dem von Prof. Jens Borchert (Universität Frankfurt) und mir koordinierten Forschernetzwerk gehören führende Karriereforscher aus Europa, Nord- und Südamerika an. Erste konzeptionelle Überlegungen und empirische Fallstudien wurden zunächst im Kontext internationaler Konferenzen (APSA 1999 in Atlanta, ECPR Joint Workshops 2001 in Grenoble) präsentiert. Im Juli 2004 haben wir selbst eine fünftägige internationale Konferenz organisiert (Kloster Seeon, Oberbayern, finanziert von der VolkswagenStiftung), auf der Beiträge für einen ersten gemeinsamen Sammelband präsentiert und ausgiebig diskutiert wurden. Erste Ergebnisse wurden als Sonderheft einer internationalen Fachzeitschrift publiziert.
Jens Borchert und Klaus Stolz (Hrsg.): Moving through the Labyrinth: Political Careers in Multi-level Systems, Special Issue Regional and Federal Studies, Routledge 2011.
- Klaus Stolz: The Regionalization of Political Careers in Spain and the UK, in Regional and Federal Studies 21:2 (2011), 223-44.
- Jens Borchert und Klaus Stolz: Introduction: Political Careers in Multi-level Systems, in Regional and Federal Studies 21:2 (2011), 107-116.
- Jens Borchert und Klaus Stolz: German Political Careers: The State Level as an Arena in its Own Right, in Regional and Federal Studies 21:2 (2011), 205-22.
- Jens Borchert und Klaus Stolz: Institutional Order and Career Patterns: Some Comparative Considerations, in Regional and Federal Studies 21:2 (2011), 271-82.
Wertewandel und politische Parteien in der Republik Irland (Dissertationsprojekt)
Die Republik Irland hat sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts grundlegend verändert. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes – von der Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik unter der Lemass-Regierung bis zum Boom der 1990er Jahre (Celtic Tiger) – ist mit der nachhaltigen Transformation der Gesellschaft (Urbanisierung, soziale Restrukturierung) einhergegangen. Jener Modernisierungsprozess hat zudem zum Bedeutungsverlust von Religion und zu Wertewandel geführt. Die Dissertation hat die Wechselwirkungen zwischen irischen Parteien – als den zentralen politischen Größen – und Wertewandel untersucht. Dazu zählen (1) die Veränderung der politischen Rahmenbedingungen für Parteien aufgrund von Wertewandelprozessen, (2) die Anpassungsstrategien der Parteien an die Veränderungen des Wertewandels und (3) die aktive Einflussnahme von Parteien auf den Verlauf und den Charakter des irischen Wertewandelprozesses. Es hat sich gezeigt, dass Wertewandel zu einer nachhaltigen Transformation der politischen Rahmenbedingungen in Irland geführt hat, indem er neue politische Themen und Organisationen (inklusive Parteien) generiert, eine Abnahme der Wahlbeteiligung vor allem in Parlamentswahlen ausgelöst und das Wahlverhalten erkennbar verändert hat. Die politischen Parteien haben auf verschiedensten Ebenen auf die politischen Folgen des Wertewandels reagiert. So haben diese (1) institutionelle Reformen gefordert (und umgesetzt), die klar im Kontext des Wertewandels zu sehen sind, (2) ihre strategische Ausrichtung an die neuen Bedingungen angepasst, (3) ihre Organisationsstrukturen reformiert und (4) ihre Programmatik entsprechend modifiziert. Parteiliches Agieren hat sich aber nicht nur auf das Reagieren beschränkt. Vielmehr waren die irischen Parteien oftmals auch in der Lage, Wertewandelprozesse auszulösen, unbeabsichtigt zu befördern, zu verzögern oder zu blockieren.
Das Dissertationsmanuskript wurde im März 2011 eingereicht. Es soll in überarbeiteter Form in der Schriftenreihe des Arbeitskreis Deutsche England-Forschung (Wißner Verlag) erscheinen.
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