Bericht zur Exkursion nach Berlin, 24.10.96


Zu früher Morgenstunde (6.10 Uhr) begann die Fahrt nach Berlin mit dem Interregio 2278. Sieben Informatik-Studenten aus den Matrikeln 94 und 95 sowie Dr.Munke von der Professur Rechnerarchitektur hatten sich auf dem Chemnitzer Hauptbahnhof eingefunden. Bereits während der Zugfahrt kam es zu interessanten Gesprächen, die u.a. der Vorbereitung auf die erste Station - die GMD FIRST - dienten. Ankunft war planmäßig 8.18 Uhr in Berlin Schönefeld. Nach einer kurzen S-Bahn-Fahrt bis Adlershof und ca. 10 min. Fußmarsch erreichten wir das GMD-Gebäude im Technologiepark Rudower Chaussee. Die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung ist eine Großforschungseinrichtung des Bundes mit Hauptsitz in St. Augustin. In Berlin ist das GMD-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik ansässig. Bekanntester Vertreter dieses Institutes ist wohl Prof. W.Giloi, der zahlreiche Fach- und Lehrbücher zur Rechnerarchitektur veröffentlicht hat. Begrüßt wurden wir vom Institutsleiter Prof. Behr, der uns in einem ca. einstündigen Vortrag die Organisationsstruktur und Aufgabengebiete seiner Forschungseinrichtung darlegte. Schwerpunkt der Arbeiten ist das Parallele Rechnen. Das Institut befaßt sich dabei mit allen Aspekten, vom Architekturentwurf, der Entwicklung spezieller ASIC's für Kommunikation und Visualisierung, der Ebene der parallelen Programmiermodelle und parallelisierenden Compiler bis zur Entwicklung sicherheitsrelevanter eingebetteter Systeme. Bekanntestes Produkt ist der Manna-Parallelrechner mit i860-Doppelprozessorknoten, der z.Z. mit PowerPC-620-Prozessoren weiterentwickelt wird. Im Anschluß durften wir MANNA in Aktion erleben, mit Strömungssimulationen und dem Rundgang durch ein virtuelles Postamt. Am Nachmittag besuchten wir das Museum für Verkehr und Technik. Hauptanlaufpunkt war die legendäre Z1, der erste Digitalrechner der Welt, entworfen und gebaut vom deutschen Computerpionier Konrad Zuse. Leider ist der im Museum befindliche Nachbau nicht mehr funktionsfähig, wie auch die auf Relaisbasis arbeitende Z22 und deren transistorbasierter Nachfolger, die Z23. Deren 2400 Transistoren und 6300 Dioden nehmen den stolzen Raum von vier Kleiderschränken ein, heute ein Bruchteil dessen, was auf einem Chip untergebracht werden kann. Neben der Datentechnik bietet das Museum eine umfangreiche Sammlung wiss.-techn. Geräte, Oldtimer, Dampfmaschinen, Lokomotiven und anderes mehr. Nach dem obligatorischen Gang über den Kudamm traten wir die Heimreise nach Chemnitz an, wobei die Ereignisse des Tages für reichlich Gespr„chsstoff sorgten. Insgesamt leistete die Exkursion einen gelungenen Beitrag zur Ergänzung des Hauptfaches Rechnerarchitektur, war es doch möglich die Entwicklung der Datentechnik von der simplen Addiermaschine bis zum High-End-Parallelrechner live und teilweise in Aktion nachzuvollziehen.



Andreas Munke 26.10.96