Videostudio






Bildgestaltung

Bei der Bildgestaltung wird versucht den Zuschauer bei der Betrachtung des Films zu stimulieren. Unter Einbeziehung gestalterischer Elemente wird eine spezielle Bildwirkung erzielt.

R e i z w e c h s e l
Zwar werden alle Informationen aus der Umwelt zu über 80% durch die Augen aufgenommen, doch erst wenn diese Informationen ins Bewußtsein eindringen können, erzielen sie ihre Wirkung. Die Bildinformation muß ständig neue optische Reize liefern, damit andere Sinneseinwirkungen nicht die Oberhand gewinnen, wie das z. B. beim Frühstücksfernsehen der Fall ist. Die Informationen sind kurz gehalten. Die Bilder müssen eine eindeutige Sprache sprechen. Der Kampf um die Zuschauergunst zwischen Zähne putzen und Brotaufstrich kennt kaum noch Grenzen. Bilder werden wahrgenommen, erreichen aber nur noch selten das Bewußtsein.

B i l d a u s s c h n i t t
Das Fernsehbildschirm-Format gibt gewissermaßen den Bildausschnitt vor. Die fünffache Bilddiagonale ergibt den günstigsten Betrachterabstand. Die ablaufende Handlung läßt sich sehr konzentriert auf dem Bildschirm darstellen. Dialoge werden nicht durch ablenkende Details negativ beeinflußt. Anders verhält es sich beim Kinobreitwand-Format. Das Gesichtsfeld des Zuschauers ist größer. Der Betrachter verändert seinen Ausschnitt auf der Bildebene ständig.

Gleichgewicht
Im Bild bestehen zwischen den abgebildeten Elementen Spannungs -u. Gleichgewichtsbeziehungen.

  • Das wichtigste Bildelement muß zuerst ins Auge fallen.
  • Es muß so angeordnet sein, daß es mit anderen Bildelementen ein Gleichgewicht bildet.
  • bildlichen Darstellungen des Altertums, (Goldener Schnitt). Die im Verhältnis 2 : 3 aufgeteilten Proportionen wirken ausgeglichen.

R a u m g e s t a l t u n g
Prinzipiell gibt es im Bild: Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund.
Handlungstragende Ereignisse spielen sich in der Bildmitte ab. Vorder -und Hintergrund helfen bei der Orientierung, und vermitteln Perspektive. Durch eine Schärfeverlagerung wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf eine andere Bildebene gelenkt.

Eye-Catcher
ungewöhnlich, farbig abstechendes Objekt, zieht den Blick des Zuschauers an. Beispiel: Peter Greenaway: Verschwörung der Frauen. Die Ziffern 1-100 in den Filmkulissen versteckt. Der Zuschauer wird extrem abgelenkt.

Perspektive
Die dramaturgische Wirkung von Gegenständen und Personen hängt im wesentlichen von der Kameraperspektive ab (Froschperspektive, Vogelperspektive). Schräge Perspektiven vermitteln Dynamik, Dramatik.

Bewegung
Filmaufnahmen ohne eine bewegte Kameraführung sind nahezu undenkbar. Der Kameramann verfolgt einen Handlungsablauf. m Bildausschnitt etwas mehr Platz eingeräumt werden, in dessen Richtung sich die Handlung fortsetzt (besonders bei Dokumentar -und Sportaufnahmen wichtig).

I n f o r m a t i o n s v e r m i t t l u n g
Die einzelnen Takes einer Aufnahme müssen so erstellt werden, daß sie in das Gesamtprodukt (Film, Szene) hineinpassen.

Wichtig

  • Alle Aufnahmen müssen einen Handlungsrahmen erhalten.
  • Oftmals kann Kommentar und Musik den Handlungsrahmen ersetzen.
  • Vermeidung von gegenläufiger Informationsvermittlung (In eine Mittagsszene passen schlecht lange Schatten der Abendstimmung).

E i n g l i e d e r u n g
Filmszenen, die später ineinanderpassen sollen, dürfen von Schnitt zu Schnitt keine unlogischen Veränderungen aufweisen. Das kann bei Drehpausen auftreten. Uhr hat sich weiterbewegt. Sonne steht anders. Zigarette ist weitergeraucht. Liegen mehrere Drehtage dazwischen, muß auf die gleiche Kleidung geachtet werden. Die Kulisse darf nicht verändert werden. Continuity-Spezialisten beobachten im Profifilm diese Vorgänge sehr genau.

Häufige Continuity-Fallen sind:

  • veränderte Positionen von Gegenständen
  • falsche Uhrzeiten
  • springende Wolken
  • springender Ton (besonders häufig auftretendes störendes Element beim Videofilmamateur)
  • Helligkeitsschwankungen

Wichtig
Konfuse Einstellungen müssen vermieden werden. Der Zuschauer muß den Blickrichtungen des Schauspielers folgen können. Schuß/Gegenschuß - Regeln beachten (Darsteller stehen sich gegenüber). Der Gegenschuß muß in der Bildhälfte auftauchen, in die sein Gegenüber blickt. Ein Auto, was links aus dem Bild fährt, kann in der nächsten Einstellung nicht plötzlich von der anderen Seite kommen!

Achsensprung
Zwischen den zwei bildwichtigsten Elemeneten besteht im Film eine Handlungsachse. Diese Achse wird durch die Kamerablickrichtung durchbrochen. Steht die Kamera auf der anderen Seite (Achsensprung) der Achse, wird die abgewendete Seite des Schauspielers plötzlich sichtbar. Links und rechts ist vertauscht. Ein beabsichtigter Achsensprung ist nur dann stilistisch vertretbar, wenn die laufende Kamera um das Objekt auf die andere Seite bewegt wird. Der Zuschauer kann sich somit neu orientieren.

Einstellungsrhythmus
Die klassische Szenenfolge: Totale - Halbtotale - Nahaufnahme. Diese Reihenfolge leitet vom Allgemeinen zum Besonderen. Der Zuschauer wird in die Handlung eingeführt. Diese Regel findet in Dokumentationen und Berichten häufig Anwendung. Der Informationsgehalt ist wichtigstes Element und muß kurz und prägnant übermittelt werden. Beim Spielfilm kann diese Abfolge durchbrochen werden.

Wichtig
Jeder Take hat zwei Schlüsselpositionen. Anfang und Ende. Dazwischen liegen verschiedenste Kameraveränderungen (Zoom, Schwenk, Fahrt,...).
Da nicht bei jedem Take eindeutig klar ist, wie die Einstellung im Film später eingebunden wird, läßt man die Keyposition länger "stehen". Das bringt auch Vorteile für das spätere Editieren.