Dr.rer.pol., Dipl.-Soz., Dipl. Betriebswirt (FH) Thomas Wex
Im November 2004 verstarb völlig überraschend unser Freund und langjähriger Kollege Thomas Wex,
an den wir mit dieser Seite erinnern.
Person und Lebensweg
Thomas Wex wurde am 10.01.1962 in München geboren. Nach der Schulausbildung in Starnberg (mit Fachoberschule, Realschule und Gymnasium) studierte er Betriebswirtschaftslehre an der FHS München (Diplom FH) und danach ab 1986 Soziologie an der Universität München (Diplom Soziologie).
Nach mehrjähriger (z.T. studienbegleitender) Tätigkeit am SFB 333 ("Entwicklungsperspektiven von Arbeit", TP A1: Alltägliche Lebensführung) ging er zusammen mit G. Günter Voß 1994 an die TU Chemnitz, wo beide zusammen die Professur für Industrie- und Techniksoziologie aufbauten.
2003 erhielt Thomas Wex den Universitätspreis der Technischen Universität Chemnitz für seine herausragende Dissertation "Der Non-Profit-Sektor der Organisationsgesellschaft". Das daraus entstandene Buch (s.u.) kann als einer Grundlagentexte der deutschen Non-Profit-Forschung gelten.
Nach einer Tätigkeit in einem BMBF-Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Soziologie der TU München/ Prof. R. Trinczek 1999-2001) kam Thomas Wex 2001 wieder zur TU Chemnitz zurück, um zusammen mit G. Voß die Durchführung eines BMBF-Projekts mit dem Titel "Theorieentwicklung Entgrenzung von Arbeit" zu übernehmen. Kurz vor Abschluss des Projekts wurde er durch seinen plötzlichen Tod aus der Arbeit herausgerissen, die ihm so viel bedeutet hat.
Arbeitsschwerpunkte
Thomas Wex verstand sich als Soziologe mit stark wirtschaftlichen Interessen und betonte daher immer seine Ausrichtung im Sinne einer traditionellen Sozialökonomie (etwa im Sinne Sombarts und Webers) oder (moderner) einer Wirtschaftssoziologie. Sein Spezialgebiet war vor diesem Hintergrund die Organisationsforschung und dort vor allem der Bereich der Non-Profit-Organisationen bzw. der sogenannte "Dritte Sektor" (neben Wirtschaft und Staat) von Ökonomie und Gesellschaft. Dieses Interesse speiste sich nicht zuletzt aus seinem intensiven Interesse an und einer langjährigen, gerade auch aktiv praktischen, Beschäftigung mit selbstorganisierten Betrieben und Vereinen. Seine 2004 veröffentlichte (u.a. mit dem Universitätspreis der TU Chemnitz gewürdigten) Dissertation (s.u.) gibt darüber beeindruckende Auskunft.
Allgemeinsoziologisch orientierte sich Thomas Wex mit subjektorientierter Perspektive an der Kritischen Theorie, deren Tradition er immer wieder einklagte und versuchte mit modernen theoretischen Konzepten zu verbinden. Dies verband er mit einer intensiven, auch stark persönlich gefärbten, Beschäftigung mit der traditionellen (und modernen) Psychoanalyse, die er stark soziologisch interpretierte und als eine wichtige Quelle für eine moderne Soziologie ansah.
Wichtig für Thomas Wex war nicht zuletzt sein langjähriges und von großem Engagement geprägtes Interesse am Film, als einer für die Moderne charateristischen Medium - auch dies stand durchaus in der Tradition der Kritischen Theorie, etwa im Sinne der Arbeiten Walter Benjamins.
Thomas Wex hatte über viele Jahre eine ansehnlich wissenschaftliche Bibliothek und ein umfassendes Materialarchiv zum Thema NPO zusammengetragen. Auf Wunsch der Eltern wurde die Buch-Bibliothek mit fast 2000 Bänden Anfang 2005 zur Erinnerung an ihren Sohn der Bibliothek der TU Chemnitz übereignet; das Archiv erhielt das Munich Institut for Social Sciences MISS (Abteilung Berlin), das die Materialien aufbereitet und dann NPO-Forschern zu Verfügung stellen wird.
Wichtige Veröffentlichungen
> (2004): Der Non-Profit-Sektor der Organisationsgesellschaft. Wiesbaden: DUV, Gabler.
> (1998): Die Modernisierung der Nonprofit-Organisationen und die Frage der Auflösung ihrer Spezifika: Eine soziologische Betrachtung. In: Arbeitskreis Nonprofit-Organisationen (Hrsg.), Nonprofit-Organisationen im Wandel (S. 251-277). Frankfurt a.M./Stuttgart: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge/Kohlhammer (auch Mitherausgeber im Arbeitskreis).
> (1999): Ökonomik der Verschwendung - Batailles »Allgemeine Ökonomie« und die Wirtschaftswissenschaft. In: Hetzel, Andreas / Wiechens, Peter (Hrsg.), Georges Bataille. Vorreden zur Überschreitung (S. 187-210). Würzburg: Königshausen & Neumann.
> (1999): Nonprofit-Organisationen im Globalisierungsprozeß - Modernisierung als Assimilation an den Marktsektor? In: Brose, Hanns-Georg / Voelzkow , Helmut (Hrsg.), Institutioneller Kontext wirtschaftlichen Handelns und Globalisierung (S. 173-204). Marburg: Metropolis.
> (1999): Die Modernisierung der Nonprofit-Organisationen und die Auflösung ihrer Spezifika. In: Schwengel, Hermann (Hrsg.), Grenzenlose Gesellschaft. 29. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Kongressband II / 2: Ad-hoc-Gruppen, Foren (S. 384-387). Pfaffenweiler: Centaurus.
> (2000): E.P. Thompson: The Making of the English Working Class. In: Oesterdiekhoff, Georg W. (Hrsg.): Lexikon der soziologischen Werke. Opladen: Westdeutscher Verlag. (zus. mit Dreyer, Marion)
> (2003): Die Strategie erwerbswirtschaftlicher Ökonomisierung. Eine Kritik und ein Plädoyer für eine genuine Nonprofit-Ökonomik. In: Arbeitskreis Nonprofit-Organisationen (Hrsg.), Mission Impossible? Strategie im Dritten Sektor (S. 42-67). Frankfurt a.M./ New York: Campus (auch Mitherausgeber im Arbeitskreis).
> (2004) Wex, Th.: Der Nonprofit-Sektor der Organisationsgesellschaft. Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag / Gabler Edition Wissenschaft 2004
> (2005) Wex. Th.: Facetten von Arbeit und Beschäftigung im Dritten Sektor. In: S. Kotlenga/ B. Nägele/ N. Pagels/ B. Ross (Hrsg.): Arbeit(en) im Dritten Sektor. Europäische Perspektiven (S. 28-34). Tahleim: Tahlheimer
> (2004): Reorganisationen im Non-Profit-Sektor. München, Mering: Hampp (Hg. zus. mit M. Moldaschl. M. Hilz)
> Wex, Th.: „Managementkonzepte und die distinkte Logik von NPO“. In: D. Witt u.a. (Hrsg.): Funktionen und Leistungen von NPO. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag (i.V.)
Nachruf des Arbeitskreises Nonprofit-Organisationen
Die Mitglieder des Arbeitskreises Nonprofit-Organisationen nehmen Abschied von Thomas Wex, der im November 2004 plötzlich und unerwartet verstorben ist.
Thomas gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Arbeitskreises, dem sich in der Folge zahlreiche ForscherInnen und PraktikerInnen mit wissenschaftlichem Interesse an nichtstaatlichen und gemeinnützigen Einrichtungen bzw. Verbänden angeschlossen haben. Gemeinsam mit einigen anderen Kollegen hat er den Arbeitskreis im Jahre 1997 aus der Taufe gehoben und damit maßgeblich zur Etablierung einer Plattform beigetragen, die sich seither intensiv dem interdisziplinären Gedankenaustausch sowie der theoriegeleiteten Auseinandersetzung mit der Entwicklung von Nonprofit-Organisationen sowie des Dritten Sektors als Ganzem widmet.
Die Mitglieder des Arbeitskreises waren Thomas über viele Jahre hinweg kollegial und freundschaftlich eng verbunden. Seine wissenschaftliche Arbeit wurde weit über die Grenzen des Arbeitskreises hinaus hoch geschätzt. Dies belegen nicht zuletzt zahlreiche, zu unterschiedlichsten Problemstellungen verfasste Publikationen, die in renommierten Zeitschriften sowie von angesehenen Fachvertretern herausgegebenen Sammelwerken erschienen sind. Seine Dissertation wurde mit dem Universitätspreis 2003 der TU Chemnitz ausgezeichnet und wenig später unter dem Titel „Der Nonprofit-Sektor der Organisationsgesellschaft“ publiziert.
Fasziniert hat uns stets aufs Neue sein außerordentlich breites Wissen über verschiedenste Entwicklungsrichtungen der Dritte-Sektor-Forschung, aber auch der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Aufgrund seiner universitären Ausbildung in Soziologie und Betriebswirtschaftslehre, aber auch durch seine Offenheit und Bereitschaft zum „Querdenken“ haben wir von seinen Beiträgen überaus profitiert. Ihm ist es ein besonderes Anliegen gewesen, die Besonderheiten und den „Eigenwert“ von Nonprofit-Organisationen im Vergleich zu Wirtschaftsunternehmen sowie staatlichen Einrichtungen herauszuarbeiten. Dabei ging es ihm vor allem um den assoziativen bzw. kooperativen Charakter dieser Organisationen. Beeindruckt hat immer wieder sein leidenschaftliches Eintreten für das, was Initiativen und Einrichtungen des Dritten Sektors für die Gesellschaft bedeuten (können). Das gilt auch für sein ganz persönliches Engagement in diesem Sektor, den er dank mehrjähriger Vorstands- und Aufsichtsratstätigkeit in einer entwicklungspolitischen Vereinigung aus erster Hand kannte.
Die Mitglieder des Arbeitskreises Nonprofit-Organisationen sind dankbar, dass sie Thomas kennenlernen konnten. Wir haben ihn sehr geschätzt und werden ihn und all das, was er bewegt hat, in bleibender Erinnerung behalten.