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Gefühlsarbeit im Polizeidienst. Eine soziologische Untersuchung der Formen des subjektiven Umgangs mit Gefühlsanforderungen bei der polizeilichen Arbeit.

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Zielsetzung des Projekts
Ausgangspunkt dieser Untersuchung ist die Feststellung, dass Polizistinnen und Polizisten in einem „bürokratischen Dilemma“ stecken. Einerseits müssen sie die bürokratischen Reglementierungen, die durch die Behörde Polizei vorgegeben sind, befolgen. Andererseits sind sie bei ihrer Arbeit mit sehr existenziellem Problem, wie Gewalt, Tod und Missbrauch konfrontiert.

Daraus entstehen Diskrepanzen zwischen der rationalen Logik polizeilichen Handelns und dem persönlichen Erleben von Polizist/innen. Es kommt demnach zu Widersprüchen zwischen dem, was ein/e Polizist/in fühlt und dem, was er/sie fühlen soll.

Diesen Widerspruch bezeichnet man auch als emotionale Dissonanz, mit der die Polizist/innen einen Umgang finden müssen, wenn sie zum einem die geforderte Arbeitsleistung erbringen und zum zweiten, sich selbst vor emotionaler Belastung schützen möchten.

Emotionale Dissonanzen werden bewältigt, indem die Gefühle dahingehend verändert werden, dass sie zu den Normen passen oder es wird das Verhalten so verändert, dass es zu den Gefühlen passt. Diese Regulation der eignen Emotionen bezeichnet man als Gefühlsarbeit.

In der Untersuchung wurde nun genauer betrachtet, welche Modi des Umgangs mit emotionalen Situationsanforderungen es bei der polizeilichen Arbeit gibt. Es wurde daher davon ausgegangen, dass Gefühle in sehr unterschiedlicher Art und Weise bearbeitet werden. Zudem wurde danach gefragt, welche sozialen Randbedingungen bei der Kultivierung der Umgangspraktiken eine Rolle spielen. Neben diesen unterschiedlichen Umgangstypen und den damit verbundenen Wirkungszusammenhängen der Rahmenbedingungen wurden aus den Ergebnissen auch Maßnahmen zur praktischen Gestaltung polizeilicher Arbeit abgeleitet.

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Methodisches Vorgehen
Das Vorhaben ist als eine qualitative Studie angelegt. Als empirische Grundlage dienen erzählgenerierende leitfadenorientierte Interviews mit Polizistinnen und Polizisten.

Es wurden insgesamt 42 Interviews mit PolizistInnen geführt. Es werden möglichst unterschiedliche Fälle in den relevanten Dimensionen Tätigkeitsbereich, Arbeitszeitmodell, Hierarchieebene und familiale Lebenssituation kontrastiert, weil hier Differenzen erwartet werden.

Vor allem die vergleichende Analyse von Fällen bietet die Möglichkeit zur Generierung einer mehrdimensionalen Typologie. In Bezug auf die hier zu untersuchende Fragestellung ist es bspw. möglich, den Umgang der Polizist/innen mit den emotionalen Wechselwirkungen und Spannungen zwischen Familie und Erwerbsarbeit zu typisieren und unterschiedliche Praktiken heraus zu arbeiten. Es kann angenommen werden, dass die Polizist/innen in ganz unterschiedlicher Weise die Emotionen in ihren Alltag einbinden. Bspw. ist zu vermuten, dass manche Polizist/innen versuchen, ihre erwerbsbezogenen Emotionen vor der Familie abzuschotten; andere tragen ihr Erleben und ihre Emotionen womöglich bewusst in die Familie hinein. Mögliche Differenzierungsachsen können hierbei das Geschlecht oder die familiale Lebensform der/des Polizist/in sein.
Finanzierung und Laufzeit
Promotionstipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung (2008-2011)
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Kontakt
Mail: Peggy.Szymenderski@phil.tu-chemnitz.de

Veröffentlichungen
  • Szymenderski, Peggy (2008): Polizistinnen und Polizisten als Gefühlsarbeiter/-innen. Zum Umgang mit emotionalen Wechselwirkungen im Spannungsfeld von Familie und Erwerbsarbeit. Deutsche Polizei. Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei, 57 (8), 6-7.
  • Szymenderski, Peggy (2008): Alltägliches Emotions- und Grenzmanagement – Herausforderungen an die Subjekte und ihre Familien. Verhandlungsband des 33. Soziologiekongresses "Die Natur der Gesellschaft" in Kassel/ CD-Rom. Frankfurt a.M.: Campus.
  • Szymenderski, Peggy/ Kubitz, Matthias (2009): Betriebsklima. Deutsche Polizei. Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei. Landesjournal Sachsen, 58 (7), S. 1.
  • Szymenderski, Peggy (2010): Betriebsklimastudie Baden-Württemberg. Einführung und erste Trends. Deutsche Polizei. Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei. Landesjournal Baden-Württemberg, 4-2010, S. 5-8.
  • Szymenderski, Peggy (2011): Gefühlsarbeit im Polizeidienst. Zur Bedeutung einer bisher vernachlässigten Arbeitsleistung von Polizistinnen und Polizisten. In: Deutsche Polizei. Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei, Landesjournal Sachsen, 60 (1), S. 3-5.
  • Szymenderski, Peggy (2011): Gefühlsarbeit als Element professioneller Polizeiarbeit? In: Groß, Hermann/ Frevel, Bernhard (Hrsg.), Empirische Polizeiforschung XIII. Polizei: Job, Beruf oder Profession? Frankfurt a.M.: Verlag für Polizeiwissenschaft, S. 91-110.
  • Szymenderski, Peggy (2011): Gefühle als Qualifikationsanforderung im Polizeidienst. Die Polizei, 11/2011, S. 325-329.
  • Szymenderski, Peggy (2011): Gefühlsarbeit im Polizeidienst. Zu einer bisher vernachlässigten Arbeitsleistung von Polizistinnen und Polizisten. In: Das Behördenmagazin. Fachzeitschrift für Polizeibeamte und den öffentlichen Dienst, Oktober/2011, S. 23-25.
  • Szymenderski, Peggy (2012 i.V.): Beck/Beck-Gernsheim: Das ganz normale Chaos der Liebe. Erscheint in: Senge, Konstanze/ Schützeichel, Rainer (Hrsg.), Hauptwerke der Emotionssoziologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Szymenderski, Peggy (2012, i.V.): Polizisten und Polizistinnen als Gefühlsarbeiter/innen: Zur Relevanz von Emotionen für Polizeibedienstete und Polizei. Erscheint in: Schnabel, Annette/ Schützeichel, Rainer (Hrsg.), Emotionen, Sozialstruktur und Moderne. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Szymenderski, Peggy (2012, i.E.): Gefühlsarbeit im Polizeidienst. Wie Polizeibedienstete die emotionalen Anforderungen ihres Berufs bewältigen. Bielefeld: transcript.
Das Projekt in den Medien
Das Projekt hat eine breite Aufmerksamkeit in den Medien gefunden; einige Beispiele:

- Pressemiteilung der TU Chemnitz: „Emotionen in der Arbeits- und Lebenswelt von Polizisten“

- Freie Presse: „Da haben wir eine echte Forschungslücke“. Chemnitzerin hinterfragt wissenschaftlich die Gefühle der Polizisten – 42 sächsische Beamte interviewt

- Bild-Zeitung: „Studentin erforscht, wie Sachsens Polizisten ticken“

- TAZ: „Polizisten weinen nicht“

- Sächsische Zeitung: "Narben auf der Seele"

- Ein "kreativer Kopf" aus Chemnitz - auf der Webseite des Freistaats Sachsen werden innovative und tatkräftige Sachsen vorgestellt: Emotionen auf der Spur

- Freie Presse: "Expertin: Großer Nachholbedarf bei der Polizistenauswahl"
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Artikel vom 15. März 2010
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Gefühle im Polizeidienst waren auch Thema im ZDF-Blickpunkt am 14.11.2010 u.a. mit einem Statement von Peggy Szymenderski