PULs - Professioneller Umgang mit Zeit und Leistungsdruck
Forschungsprojekt im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
Laufzeit: 2012-2014
Thema
Arbeitsbedingte psychische Erkrankungen nehmen über alle Branchen hinweg drastisch zu. Das belegt eine Vielzahl aktueller Studien. Die daraus entstehenden direkten und indirekten Kosten sind nicht nur für das Gesundheitssystem, sondern vor allem auch für betroffene Unternehmen erheblich. Es ist daher kein Zufall, dass die Diagnose „Burnout“ derzeit nicht nur die Öffentlichkeit, sondern zunehmend auch Personalverantwortliche besorgt.
Diese Entwicklung betrifft alle Segmente der Erwerbsbevölkerung. Besonders betroffen sind jedoch qualifizierte Angestellte und Führungskräfte in Dienstleistungsbranchen bzw. in Dienstleistungsfunktionen der Industrie.
Zunehmender Zeit- und Leistungsdruck in Verbindung mit neuartigen Anforderungen im Zuge des Strukturwandels von Arbeit ist, so zeigen erste Forschungsbefunde, eine wesentliche Ursache für diese Entwicklung. Zeit- und Leistungsdruck führt jedoch nicht automatisch zur Überlastung der Beschäftigten. Bislang wenig erforscht ist, unter welchen Umständen sich Zeit- und Leistungsdruck belastend auswirkt, aber auch wann er positive Effekte zeitigt, und vor allem, wie die Betroffenen individuell damit umgehen.
Forschungsziele
Ziel des Projekts in Chemnitz ist eine systematische Analyse des Phänomens Zeit- und Leistungsdruck vor dem Hintergrund der vertretenen soziologischen Perspektive. Exemplarisch soll dies in Dienstleistungsbereichen bei unteren und mittleren Führungskräften untersucht werden.
Gefragt wird,
• welche strukturellen Faktoren Zeit- und Leistungsdruck bei diesen Gruppen hervorbringen
• wie sich insbesondere veränderte Arbeitsanforderungen in Folge des Strukturwandels von Arbeit und Betrieb (z.B. Projekt- und Teamarbeit, Zielvereinbarungen) niederschlagen,
• welche Auswirkungen dies auf die Qualität und Professionalität der Tätigkeiten hat und
• welche individuellen Strategien Beschäftigten entwickeln, um mit Zeit- und Leistungsdruck umzugehen.
Auf dieser Grundlage ist geplant, Handlungsorientierungen für Organisationen und Beschäftigte zu entwickeln. Für die Beschäftigten sollen Möglichkeiten zum professionellen Umgang mit Zeit- und Leistungsdruck aufgezeigt werden. Für die Organisationen sollen Perspektiven entwickelt werden, Zeit- und Leistungsvorgaben belastungsarm auszugestalten und Beschäftigte zu einem konstruktiven Umgang mit neuartigen Leistungsanforderungen zu befähigen.
Vorgehen
Die Untersuchung erfolgt im Rahmen eines Forschungsverbundes, an dem sich neben unserem Projekt ein weiteres arbeitssoziologisches Projekt des ISF München und ein Eigenprojekt der BAuA beteiligt.
Die Untersuchungen der Chemnitzer Professur erfolgen mit dem methodischen Instrumentarium der Betriebsfallstudie. Bei exemplarisch ausgewählten Unternehmen werden in intensiver Kooperation mit den jeweiligen Bereichen überwiegend qualitative Beobachtungen und Interviews sowie kleinere standardisierte Befragungen voraussichtlich in zwei bis drei Erhebungswellen, beginnend voraussichtlich Anfang des Jahres 2013 durchgeführt.
Untersucht werden eine begrenzte Zahl unterer und mittlerer Führungskräfte bzw. Team- und Projektleiter sowie Vertreter des Managements (insbesondere von Personalverantwortlichen) und der betrieblichen Interessenvertretungen der Beschäftigten.
Das Projekt wird Gestaltungsempfehlungen entwickeln und Unterstützungen zur Vorbereitung praktischer Maßnahmen leisten.
Team
Prof. Dr. G. Günter Voß (Gesamtleitung)
M.A. Christoph Handrich
Dipl.Soz. Carolyn Koch-Falkenberg
M.A. Claudia Graf
Kooperationspartner
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Bundesanstalt für Arbeitsschutz- und Arbeitsmedizin
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ISF e.V. München
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